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22.09.2011

14:56 Uhr

Papst Benedikt XIV. in Berlin

Merkel spricht mit Papst über Finanzkrise

Beim Papstbesuch hat Angela Merkel mit dem Pontifex über die Euro-Krise gesprochen. Ein himmlisches Wunder erwartet die Kanzlerin nicht - sie glaubt fest an Europa. Der Papst sorgt sich derweil um seinen eigenen Glauben.

Papst Benedikt XVI. in Deutschland

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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in einer Privataudienz beim Papst die Themen Europa und Finanzmärkte angesprochen. „Wir haben über Finanzmärkte gesprochen, über die Tatsache, dass die Politik schon die Kraft haben sollte, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein“, sagte die Kanzlerin nach einem Gespräch mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Donnerstag in Berlin. Dies sei eine sehr große Aufgabe in der Zeit der Globalisierung.   

Das Thema Europa interessiere den Papst sehr, sagte Merkel am Donnerstagmittag nach dem Treffen am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin. „Ich habe hier noch einmal sehr, sehr deutlich gemacht, dass die europäische Einigung für uns Deutsche unverzichtbar ist.“ Sie bedeute Wohlstand und Freiheit. Die Kanzlerin wurde bei dem Gespräch mit Benedikt XVI. von ihrem Ehemann Joachim Sauer begleitet.    

Von der Kanzlerin bekam der Papst ein jahrhundertealtes Notenblatt mit gregorianischen Gesängen aus einem deutschem Messbuch geschenkt. Papst Benedikt XVI. hatte eine Majolika, ein speziell angefertigtes keramisches Kunsthandwerk, mit einem Brunnenmotiv als Gastgeschenk mitgebracht.

Höhepunkt des ersten Tages des Papst-Besuches in seinem Heimatland ist die Rede vor dem Bundestag am Nachmittag. Mehrere Dutzend Abgeordnete wollen der Rede fernbleiben, weil sie den Bundestag nicht als geeignetes Forum für die Rede eines Kirchenoberhaupts ansehen. Zeitgleich mit der Rede wollten in der Innenstadt mehrere zehntausend Menschen mit einem bunten Umzug gegen den Besuch und gegen die Sexualmoral des Papstes protestieren. Auf dem Flug nach Deutschland hatte der Papst erklärt, solange die Proteste friedlich blieben, seien sie in einer freien Gesellschaft in der säkularisierten Welt normal.

Daten zum Pontifikat Benedikts

Wahl vor sechs Jahren

Der Kurienkardinal Joseph Ratzinger wurde am 19. April 2005, drei Tage nach seinem 78. Geburtstag, zum Papst gewählt.

Erster deutscher Papst seit 500 Jahren

Benedikt XVI. ist nach kirchlicher Zählung der 265. Papst. Er gilt als der erste Deutsche auf dem Stuhl Petri seit fast 500 Jahren.

Benedikt reiste 20 Mal ins Ausland

Bislang absolvierte Benedikt XVI. nach Zählung des Vatikans 20 Auslandsreisen (der Besuch in San Marino wird als Reise innerhalb Italiens gewertet). Der Papst reiste unter anderem in die Vereinigten Staaten, nach Brasilien, nach Kamerun und Angola, nach Australien, in den Nahen Osten und in die Türkei. Deutschland besuchte er bisher zwei Mal: 2005 nahm er am Weltjugendtag in Köln teil, ein Jahr später reiste er in seine bayerische Heimat.

Drei päpstliche Enzykliken

Benedikt XVI. hat bisher drei Enzykliken veröffentlicht: „Deus Caritas Est“ (Gott ist Liebe), „Spe Salvi“ (Auf Hoffnung hin gerettet) und „Caritas in veritate“ (Die Liebe in der Wahrheit).

Mit Jesus-Buch zum Bestseller-Autor

Die ersten beiden Bände seines auf drei Teile ausgelegten Buchs „Jesus von Nazareth“ wurden internationale Bestseller. Der erste Band wurde in fast drei Dutzend Sprachen übersetzt, allein die deutschsprachigen Ausgaben verkauften sich mehr als eine halbe Million mal. Vor einem Jahr begann Benedikt mit der Arbeit am dritten Band.

Kirchenoberhaupt in der Kritik

Mehrfach löste der Papst großen Wirbel und Proteste aus: mit der Verwendung eines Mohammed-kritischen Zitats, der Wiederzulassung der Karfreitagsfürbitte für die Erleuchtung der Juden, der Begnadigung der Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft und dem von ihm vorangetriebenen Seligsprechungsverfahren für Papst Pius XII. Auch in der Missbrauchsdebatte stand Benedikt in der Kritik.

Im Reichstagsgebäude wollte der Papst sich dann mit Vertretern der jüdischen Gemeinde treffen und danach zum Olympiastadion fahren. Dort sollte der Pontifex mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), zusammentreffen und sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Zum anschließenden ersten großen Gottesdienst des viertägigen Besuchs wurden 70.000 Menschen erwartet.    

Kommentare (5)

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PopeUndPute

22.09.2011, 15:19 Uhr

"Merkel spricht mit Papst über Finanzkrise"

Das ist so, als ob sich eine Tütensuppe mit einem Mozzarella über Quantenphysik unterhhält.
Beide haben keinen blassen Schimmer davon, aber man ja mal seinen Senf dazu abgeben.

Es wäre besser, wenn sie sich über Sex oder ausschweifende Partys unterhielten. Davon haben sie zwar auch keine Ahnung, aber das würde wenigstens keinen Schaden anrichten.

Zahlmeister

22.09.2011, 15:52 Uhr

Vielleicht sucht Merkel schon mal einen sicheren Platz in einem Kloster.

rxm

22.09.2011, 16:29 Uhr

Merkel spricht mit Papst über Finanzkrise? Hat Merkel Ratzinger um eine Kollekte gebeten? Das wäre aus meiner Sicht der einzig sinnvolle Grund für ein Gespräch der beiden. All das Geld und Gold, das die katholische Kirche sich (wie auch immer) angeeignet hat und nun nutzlos im Vatikan rumliegt könnte man gut für die Rettung des so alternativlosen Euros verwenden. Damit hätte der Vatikan ein einziges Mal in seiner langen Geschichte etwas Gutes getan.

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