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22.09.2011

10:20 Uhr

Papst besucht Deutschland

Warum Unternehmer Benedikt zuhören sollten

VonGert G. Wagner

ExklusivAuch die Wirtschaft wartet mit Spannung auf den Papst: In der Finanzkrise finden christliche Lehren wieder Gehör. Denn die Kirchen haben ihr Verhältnis zum Kapitalismus modernisiert. Ein Gastkommentar.

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI.

BerlinDer deutsche Theologieprofessor Josef Ratzinger besucht als Papst Benedikt XVI. nicht nur seine katholische Heimat in Bayern, sondern mit Erfurt gewissermaßen auch das Kernland der Reformation und mit Berlin gewiss kein Kernland des Christentums. Nun ist es mit der alltäglichen Religiosität in Deutschland zwar nicht mehr weit her, aber immerhin werden in jüngster Zeit angesichts der Finanz- und Schuldenkrisen christliche Lehren in der Öffentlichkeit wieder mehr gehört.

Das Oberhaupt des römischen Kirchenstaats darf sogar im Deutschen Bundestag sprechen. Benedikt XVI. wird gewiss auch zur Wirtschaftskrise und zum gefährlichen Streben nach dem Mammon etwas sagen, was gehört werden wird.

Papst in Berlin gelandet

Video: Papst in Berlin gelandet

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Schaut man genauer hin, dann stellt man freilich fest, dass die christlichen Kirchen in Deutschland nicht auf Nachhilfeunterricht durch den römischen Bischof Benedikt XVI. angewiesen sind. Sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche haben in den letzten Jahren ihr Verhältnis zum Kapitalismus modernisiert: die EKD vor allem mit ihrer Denkschrift aus 2008 "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive" und die katholische Bischofskonferenz in diesem Sommer mit dem Impulstext "Chancengerechte Gesellschaft".

Diese Texte sind sich vom Grundansatz her ähnlich, und zwei der Hauptautoren haben demnächst die Gelegenheit, gemeinsam von Bayern aus Wirkung zu entfalten. Auf katholischer Seite ist es der Münchener Erzbischof Kardinal Marx. Auf evangelischer Seite wird der Bamberger Theologieprofessor Heinrich Bedford-Strohm demnächst als bayerischer Landesbischof tätig sein.

In ihren Texten sprechen sich evangelische wie katholische Autoren einerseits klar für freies Unternehmertum und eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung aus. Der katholische Impulstext betont immer wieder die positive Bedeutung von individueller Freiheit. Das ist in der Tradition der katholischen Soziallehre alles andere als selbstverständlich.

Und das Bekenntnis zum Unternehmertum ist auch nicht selbstverständlich angesichts der in großen Teilen inzwischen kapitalismuskritischen Basis der evangelischen Kirchengemeinden. Es wird sogar gesagt, dass Nachhaltigkeit - beide Texte sprechen von der Erhaltung der Schöpfung - nicht mit ökonomischer Stagnation verwechselt werden darf.

Kommentare (9)

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Thomas-Melber-Stuttgart

22.09.2011, 10:51 Uhr

Für die katholische Kirche - auch in Deutschland - sind die einschlägigen Sozial-Enzykliken maßgebend.

Account gelöscht!

22.09.2011, 10:51 Uhr

Aus welchen Gründen soll denn der Repräsentant einer undemokratischen Organisation im Bundestag eine Rede halten? Will er die Vorzüge der mittelalterlichen Gesellschaft als künftiges Modell anpreisen, oder sogar die Inquisition als Kontrollinstanz fordern. Es wird Zeit, dass die Macht- und Finanzkrake Kirche, die ihre Tentakel in alle Lebensbereiche ausstreckt enttarnt wird.

flyingfridge

22.09.2011, 11:16 Uhr

Was ist daran eine moderne Einstellung der Kirche zur Wirtschaft? Die Kirche dreht in politischen Fragen einfach ihr Fähnchen nach dem Wind, um auf den geringsten Widerstand zu stoßen. Nach Fukushima wurde in der Sonntagsmesse im öfferntlich-rechtlichen Rundfunk (auch so eine unverständliche Verknüpfung) gepredigt, die Kirche verspricht auch Trost gegen Angst vor Strahlen. Jetzt wo hierzulande Forderungen nach Finanzmarkt-Regulierung und Transaktionssteuer gerade "in" sind, krähen die Seelsorger natürlich auch fleissig mit. Ihre Kollegen z.B. in China singen mit Sicherheit ein ganz anderes Lied ...

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