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09.07.2015

12:13 Uhr

Partei im Umbruch

Gibt es die AfD bald doppelt?

Frauke Petry führt nun die AfD, Bernd Lucke nimmt seinen Hut. Was bleibt nun übrig von der Partei? Wird es bald zwei Mini-Parteien geben? Die FDP will jedenfalls kein Auffanglager für frustrierte AfD-Mitglieder werden.

Distanzierung von Ausländerfeindlichkeit

„Ich habe zu spät erkannt, dass wir zur Wut- und Protestpartei wurden“

Distanzierung von Ausländerfeindlichkeit: „Ich habe zu spät erkannt, dass wir zur Wut- und Protestpartei wurden“

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Bernd Lucke verlässt die AfD. Es ist ein schmerzvoller Abschied, wie er selbst sagt. In einer Erklärung, in der er sein Ausscheiden aus der von ihm selbst gegründeten Partei begründet, schreibt er, es falle ihm „unendlich schwer“. Sicher, Lucke geht auch, weil sie ihn nicht gewählt haben, die mehr als 3000 Parteimitglieder, die am vergangenen Samstag in der überhitzten Essener Gruga-Halle saßen. Doch er hat sich auch nicht hergeben wollen für den rechtspopulistischen Kurs, der auf dem Parteitag die Diskussion bestimmte.

Er lässt jedoch weiterhin offen, ob er eine neue Partei gründet. Er wolle den Schritt „nicht übers Knie brechen“ sagte Lucke am Donnerstag dem Sender MDR-Info. „Zur Zeit treten die Mitglieder scharenweise aus der AfD aus. Je stärker dieser Exodus ist, desto wahrscheinlicher wird die Gründung einer neuen Partei.“

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“ (AfD)

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Sympathisanten

Diversen Umfrage zufolge können sich zwischen 20 und 30 Prozent der Deutschen vorstellen, eine euroskeptische Partei zu wählen.

Nach Luckes Rückzug verlassen weitere Mitglieder die Alternative für Deutschland. Eine Gruppe von AfD-Mitgliedern aus dem Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf erklärte am Donnerstag den Bruch mit der Partei. In einer Erklärung hieß es: „Die AfD ist nicht mehr die Partei, für die wir uns begeistert und eingesetzt haben.“ Man hoffe auf einen Neuanfang gemeinsam mit Lucke außerhalb der Alternative für Deutschland.

Auch mehrere Unternehmer gaben ihren Rückzug aus der 2013 gegründeten Partei bekannt. Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ wollen unter anderem der Gründer der auf Außenwerbung spezialisierten Wall AG, Hans Wall, und der Aufsichtsratschef der Nanofocus AG aus Oberhausen, Hans Hermann Schreier, die Partei verlassen.

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland erwartet kurzfristige Rückschläge. „Es wird eine Delle, es wird einen gewissen Einbruch geben bei den Wahlen“, sagte Gauland am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Aber es hat auch einen Vorteil: Dass die Partei jetzt sozusagen geschlossener auftritt. Und von daher kann es auch sehr positive Effekte haben.“ Im kommenden Jahr stehen Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an.

Die FDP sieht die Spaltung der AfD kritisch. Öffentlich reibt sich Parteichef Christian Lindner nicht die Hände ob der Aussicht auf einen Schwung neuer Mitglieder. Via Twitter teilt Lindner mit: „#FDP nimmt Ex-#AfD'ler idR nicht auf. Auch Lucke-Lager passt nicht zu uns. Wollen: liberale Überzeugungstäter, keine Mitläufer.“

Man werde genau hinschauen, schreibt Lindner weiter. Zwar wird im Mitgliedsantrag eine frühere Parteimitgliedschaft nicht abgefragt – doch die Bewerber würden vor einer Aufnahme geprüft.

Kommentare (53)

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Herr Thomas Albers

09.07.2015, 07:53 Uhr

"einen wirtschaftsliberalen Ersatz"

Hierin steckt auch ein konzeptioneller Fehler der AfD. "Wirtschaftsliberalität", also alles das, was man mit Adam Smith und der unsichtbaren Hand des Marktes verbinden könnte, ist ganz sicher nicht die Politik "des kleinen Mannes", für die sich etwa Gauland im Osten stark macht. Der "kleine Mann" hat in Deutschland typischerweise kein Interesse an Marktliberalität, sondern sehnt sich nach dem warmen Nest des Sozialstaats. Unter anderem natürlich auch "staatliche Rente".

Der Gegensatz, sich in der Nähe des umgangsprachlichen "Neoliberalismus" und Aktivierung des Pegida-Bodensatzes zu betreiben, wird sich nicht auflösen lassen. Mindestens eine Seite wird bitter enttäuscht werden. Das gilt auch für eine eventuelle neue Lucke-Partei.

Herr Ragin Allraun

09.07.2015, 08:12 Uhr

Zwei "Alternativen", - wären auf jeden Fall zu begrüßen,

..um die alt-angestammte Politmischpoke des deutschen Bundestages, die uns den ganzen gegenwärtigen Schlammassel eingebrockt hat, weiter kräftig in den (...) zu treten im politischen Diskurs.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Jürgen Dannenberg

09.07.2015, 08:15 Uhr

Gibt es die AfD bald doppelt? Gute Frage - keine Ahnung wie es weiter gehen wird. Und was die Jeanne d'Arc der AfD jetzt, und wem sie beliefert, vielleicht muss. Weiterhin keine Ahnung. Da heißt es nur abwarten und später austreten, oder jetzt austreten.

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