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09.10.2014

15:57 Uhr

Partei verkauft Gold

AfD setzt auf „Unvergänglichkeit“

VonDietmar Neuerer

Die AfD ist erfolgreich, aber knapp bei Kasse. Damit ihr das nicht zum Verhängnis wird, versucht sie ihre Finanzen aufzubessern - mit einer skurrilen Idee. Sie vertickt nostalgische Goldmünzen. Kann das funktionieren?

Gold-Werbung auf der AfD-Webseite.

Gold-Werbung auf der AfD-Webseite.

BerlinAls der Schatzmeister der Alternative für Deutschland (AfD), Piet Leidreiter, im Sommer die Idee ersann, in den Goldhandel einzusteigen, um der Partei damit eine neue Einnahmequelle zu eröffnen, war die Aufregung groß. Nachdem die Überlegungen durch eine Indiskretion vorzeitig bekannt wurden, brach unter den Mitgliedern eine Diskussion darüber los, was der Bundesvorstand denn hier eigentlich treibe und ob möglicherweise durch spekulative Ankäufe von Edelmetall die Beiträge von Parteigängern aufs Spiel gesetzt würden.

Inzwischen ist der Rauch verflogen, wohl auch, weil die Parteibasis verstanden hat, warum Leidreiter so sehr auf eine Verbesserung der Finanzsituation dringt. Der Grund ist das Parteiengesetz. Dieses schreibt vor, dass die „staatliche Teilfinanzierung“, mit der Wahlkämpfe gefördert werden sollen, gedeckelt sind – und zwar auf jenen Betrag, den die jeweilige Partei selbst erwirtschaftet hat.

Weil die AfD kürzlich bei den Bundestags- und den Europawahlen 4,7 und 7,1 Prozent der Stimmen erhalten hat, stehen ihr nun eigentlich fünf Millionen Euro zu. In die Parteikasse sind aber aus eigenen Mitteln bislang nur drei Millionen Euro geflossen. Hierzu zählen neben Mitgliedsbeiträgen und Spenden auch Einnahmen aus unternehmerischer Tätigkeit. Und diese fänden sich bei den etablierten Parteien ebenfalls in vielfältiger Weise, wie der Vorstand seinen Mitgliedern schrieb.

Allerdings fällt es der AfD bislang schwer mit den Etablierten gleichzuziehen. Das liegt auch daran, dass die Partei noch sehr jung ist. Im Gegensatz zu den anderen Parteien verfüge man weder über Vermögen, Immobilien, Betriebe oder Beteiligungen an Dienstleistern noch über beträchtliche Zahlungen von Mandatsträgern und Regierungsmitgliedern, erklärt die AfD auf ihrer Webseite. Die AfD suche daher neue Wege, um mit Hilfe der Bürger und durch eigene wirtschaftliche Betätigung bis zum Jahresende 2014 ihre Einnahmen zu erhöhen. Eines der Instrumente hierfür sei die Nutzung des Goldhandels.

Die AfD – neue Volkspartei oder kurze Protestepisode?

Wie viel Union steckt in der AfD?

Es steckt einiges von der Union früherer Zeiten in der Alternative für Deutschland (AfD). Nur in der Europapolitik grenzt sich die AfD klar von dem ab, was Helmut Kohl zu seinen Kanzlerzeiten wichtig war. Die AfD besetzt aber andere zentrale Themen der Union wie Familie, Kriminalität und Zuwanderung. Die Warnungen der AfD vor einer Überlastung der Sozialsysteme durch Asylbewerber erinnern an die aufgeheizte Das-Boot-ist-voll-Debatte Anfang der 90er Jahre. Die AfD knüpft zudem an die konservative Gedankenwelt von Bundesministern wie Manfred Kanther (CDU) und Theo Waigel (CSU) an.

Kümmern sich CDU und CSU um solche Themen nicht mehr?

Doch. Auch heute sind das Schwerpunkte der Union. Doch die CSU war im Europa-Wahlkampf mit ihrer auf Ausländer gemünzten Parole „Wer betrügt, der fliegt“ und dem Herziehen über die EU-Kommission nicht erfolgreich. Und CDU und CSU bekamen unter Angela Merkel und Horst Seehofer bei der Bundestagswahl 41,5 Prozent - mit einer liberaleren Einstellung zu Homosexuellen, mit einer neuen Definition von Familie, aber ohne einen Law-and-Order-Mann als Bundesinnenminister. So machte die Union die Erfahrung, dass ein Kurs der Mitte mehr Stimmen bringt als das Beharren auf konservativen Positionen.

Was steckt noch in der AfD?

Die AfD setzt sich für mehr Basisdemokratie ein – und steht damit im Kontrast zur CDU. Einige ihrer Mitglieder stammen außerdem aus der Konkursmasse kleinerer rechter, liberaler und konservativer Parteien. Ehemalige Angehörige von NPD und DVU können dagegen nicht Mitglied der AfD werden. Im Osten wirbt die Partei um DDR-Nostalgiker, die zwar den Sozialismus nicht zurückhaben wollen, aber zum Beispiel Elemente des alten Bildungssystems gut finden.

Ist die AfD denn eine Gefahr für die Union?

Ja - auch wenn die CDU in Brandenburg und Thüringen trotz Stimmenverlusten an die AfD zulegen konnte. Erstens hat die Union durch ihren Wandel hin zu einer modernen, urbanen Partei eine Flanke an ihrem rechten Rand aufgemacht und könnte weiter Konservative, die in der Union keine Heimat mehr sehen, verlieren. Und zweitens wirbelt die AfD die Parteienlandschaft so durcheinander, dass die Machtoptionen für die Union schwinden. Eine Koalition mit der AfD schließt die CDU genauso aus wie mit der Linken, und auf die FDP kann sie nicht mehr zählen. Unabhängig davon, dass Schwarz-Grün im Bund ein Novum wäre, könnte es mit den Grünen knapp werden - wenn die AfD denn 2017 in den Bundestag einzöge. Bliebe ein Bündnis mit der SPD - das sollte aber aus Sicht beider Parteien kein Dauerzustand sein.

Wie wehrt sich die Union gegen die AfD?

Nicht einheitlich. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagt: „Wir wollen die Wähler zurückgewinnen.“ Fraktionschef Volker Kauder (CDU) will die AfD ignorieren und sich mit ihren Politikern nicht einmal in eine Talkshow setzen. Wolfgang Bosbach vom konservativen „Berliner Kreis“ der CDU hält das für falsch. Viele Unionspolitiker raten inzwischen, sich intensiv mit der AfD auseinanderzusetzen. Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel ging im Brandenburger Wahlkampf deutlich auf die Grenzkriminalität ein, nachdem die AfD bei der Sachsen-Wahl damit punktete. Koalitionen mit der AfD schließt sie aber aus.

Was macht die AfD attraktiv?

Die AfD stellt sich als Partei der braven Sparer und Steuerzahler dar, deren Wohlstand durch die Rettung maroder Banken und überschuldeter Euro-Länder gefährdet ist. Sie fordert, dass außer Flüchtlingen nur noch „qualifizierte und integrationswillige“ Ausländer nach Deutschland kommen dürfen und bemüht dafür gerne das Beispiel des Einwanderungslandes Kanada. Die AfD, die sich seit ihrem guten Abschneiden bei drei Landtagswahlen als „kleine Volkspartei„ bezeichnet, wettert gegen die in Deutschland inzwischen weit verbreitete Kultur der „politischen Korrektheit“. Ihrer Führungsriege gehören etliche Ex-Mitglieder von CDU und FDP an. Deshalb finden einige wertkonservative Wähler die Strategie der CDU, die AfD wie eine nicht-salonfähige Randgruppe zu behandeln, wenig glaubwürdig.

Droht der AfD das selbe Schicksal wie den Piraten?

Nein. „Eintagsfliege“, „Protestpartei“ – diese Etiketten wurden der AfD in den ersten Monaten oft aufgeklebt. Doch im Gegensatz zu den Piraten, die sich lange vor allem der Selbstzerfleischung widmeten, halten sich die internen Streitereien noch im Rahmen. Außerdem hat sich die AfD rasch von einer Ein-Thema-Partei (Eurorettung) zu einer gemausert, die verschiedene Politikfelder besetzt.

Die AfD hat eigens dafür auf ihrer Webseite einen „Gold-Shop“ eingerichtet. Dort werden der kanadische Maple Leaf, der Wiener Philharmoniker, der Krügerrand, das australische Känguru und Ein-D-Mark-Goldmünzen feilgeboten. Darüber hinaus Goldbarren in verschiedenen Gewichtsklassen. AfD-Schatzmeister Leidreiter erhofft sich vom Verkauf des Edelmetalls bis Ende des Jahres einen Umsatz von zwei Millionen Euro, wie er dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) nach Bekanntwerden seiner Pläne sagte.

Ob das gelingen kann? Das Vorhaben der AfD ist ambitioniert. Die Partei wirbt zwar mit dem Spruch „AfD ist Gold wert. Legen Sie es darauf an – Gold ist unvergänglich!“, allerdings ist Gold längst nicht mehr so gefragt, wie es das als Krisenmetall noch vor einiger Zeit war.

Kommentare (5)

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Herr Theo Gantenbein

09.10.2014, 16:08 Uhr

Ich finde die AKtion super. Erstaunlich ist nur der relativ niedrige Preis im AfD-Goldshop.

Die 1/10 Unze kostet kaum 2-3 Euro mehr als bei der billigsten seriösen Konkurrenz. Wie wollen die daran denn verdienen?

Die 1 DM Feingoldmünze ist jedenfalls noch was wert, wenn der Euro längst Geschichte sein wird...

G. Nampf

09.10.2014, 16:27 Uhr

@Theo Gantenbein

Wenn es um Umsatz und nicht um Gewinn geht, macht es Sinn, denn dann kann die AfD die restlichen 2 Mio. abrufen, die ihr dann zustünden. DAS wäre dann der eigentliche Gewinn.

Herr Peter Weber

09.10.2014, 16:44 Uhr

Zu teuer!
1/10 Oz Krügerrand für 112 Euro. Billigster Anbieter 106 Euro. Damit ist der AfD-Goldshop 6 Euro oder 5,6% teurer als der billigste Anbieter.
Goldmark gibt es im AfD-Goldshop für 485 Euro, beim billigsten Anbieter für 450 Euro. Hier ist der AfD-Shop 35 Euro oder 7,7% teurer.
Älteste Kaufmannsregel: Im Einkauf liegt der Gewinn!

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