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14.12.2013

16:21 Uhr

Parteichef Lucke

AfD ohne Querulanten in den Europawahlkampf

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Alternative für Deutschland ist bisher oft durch personelle Grabenkämpfe innerhalb der Partei aufgefallen. Das ist jetzt vorüber, sagt Parteichef Bernd Lucke – und blickt zuversichtlich auf den Europawahlkampf.

AfD-Chef Bernd Lucke: „Besser organisiert als bislang“ dpa

AfD-Chef Bernd Lucke: „Besser organisiert als bislang“

BerlinDer Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, will angesichts des anstehenden Europawahlkampfs die Querelen innerhalb seiner Partei bis Anfang 2014 beenden. „Die personellen Auseinandersetzungen gefährden unsere Chancen gar nicht, sondern erhöhen sie“, sagte Lucke Handelsblatt Online. In allen Landesverbänden seien „Querulanten oder schwierige Persönlichkeiten“ abgewählt worden und „gute neue Vorstände“ gewählt worden. „Wir werden diesen Prozess bis Jahresanfang abgeschlossen haben und dann einig und geschlossen in den Europawahlkampf gehen. Und das viel besser organisiert als bislang“, so Lucke.

Dass seine Partei trotz ständiger interner Streitigkeiten in den Meinungsumfragen unverändert gut dasteht, erklärt Lucke damit, dass die AfD und ihre Wähler „klare, feste Überzeugungen“ hätten. „Die sind nicht wetterwendisch und flatterhaft, sondern sie stehen zu uns, weil wir zu unseren Positionen stehen“, sagte Lucke.

Fakten zur Anti-Euro-Bewegung „Alternative für Deutschland“

Parteigründer

Zu den Gründern der Partei gehören neben dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke unter anderem der langjährige FAZ-Feuilletonist Konrad Adam und der ehemalige hessische Staatssekretär Alexander Gauland.

Nein zum Euro

Die AfD fordert die Auflösung des Euro-Währungsgebietes und die Wiedereinführung nationaler Währungen.

Bundestagswahl

Zur Bundestagswahl im September 2013 ist die neugegründete Partei erstmals angetreten. Bei der Europawahl im Mai 2014 erzielte sie sieben Prozent und zog mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament ein.

Die internen Grabenkämpfe in der AfD hatten diese Woche einen neuen Höhepunkt erreicht. Wolf-Joachim Schünemann trat von seinem Amt als Beisitzer im Vorstand der AfD zurück. Der Bayer gehört zu den Gründungsmitgliedern der Partei und war maßgeblich am Aufbau des bayerischen Landesverbandes beteiligt. Einige Zeit war Schünemann Vorsitzender. Unter seiner Führung gab es monatelang heftige Auseinandersetzungen zu Fragen der innerparteilichen Demokratie.

Experten sehen den Erfolg der AfD durch solche Konflikte nicht gefährdet. „Ihr Erfolg gründet sich vor allem darauf, dass sie ein in der Gesellschaft verbreitetes Unbehagen über die Stabilität des Euro und die Kosten der Rettung in Not geratener Mitgliedsstaaten der EU ausdrückt“, sagte der Bamberger Politikwissenschaftler Thomas Saalfeld Handelsblatt Online. „Es gibt eine gewisse Nachfrage nach dem Programmangebot der AfD.“ Der Politologe gibt zudem zu bedenken, dass auch die Grünen im Verlauf der 1980er Jahre eine ideologisch tief gespaltene Partei gewesen seien, die auf eine kleine, aber treue Wählerschaft zählen konnten. „Auch unter den Wählern der Grünen war damals ein erhebliches Protestpotential gegen die etablierte Politik“, sagte er. Und am Ende stieg die Öko-Partei sogar zur Regierungspartei im Bund auf.

Ähnlich argumentiert Everhard Holtmann, Forschungsdirektor am Zentrum für Sozialforschung in Halle. Holtmann sieht die AfD wegen des Protestpotenzials, das sie aufsaugt, sogar gegenüber der FDP klar im Vorteil. „Der anhaltende Tiefstand der FDP in Umfragen resultiert wesentlich daraus, dass der Partei in keinem Politikfeld mehr eine nennenswerte Lösungskompetenz zugetraut wird“, sagte Holtmann Handelsblatt Online. Auch deshalb laufe die FDP „ernsthaft“ Gefahr, ihren traditionellen Status als Funktionspartei einzubüßen, der für die Verstetigung von Koalitionen beziehungsweise Koalitionswechsel eine gewisse Relevanz besitze. Die besseren Umfragewerte für die AfD führt Holtmann darauf zurück, „dass diese Partei zum einen latente Euro-Kritik auffängt und zum anderen, besonders in Ostdeutschland, auch Proteststimmen anzieht“.

Kommentare (6)

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DEUFRA2011

15.12.2013, 15:50 Uhr

Lucke hat Recht. Die Afd - Hessen hat gestern in Friedberg einen vollkommen neuen Landesvorstand gewählt, mit 3 Frauen als Stv. Sprecherinnen (und das ohne Quote !)Den Saal mit 500 Mitgliedern hätten sie sich mal ansehen sollen. Vonwegen rechtsradikal, alles Alte, alles Gestrige. Die Debatten hätten sich die Altparteien mal gewünscht. Ich glaube die AfD übersteht gerade ihre Geburtsprobleme und da entsteht eine neue starke politische Kraft

Mut_zur_Wahrheit

15.12.2013, 17:06 Uhr

Als AfD-Mitglied kann ich nur sagen, das unsere Partei zur Zeit einen inneren Reinigungsprozeß durchmacht und das ist gut so. Es waren zuviele Egomannen in Verantwortung, die nicht der Partei dienten, sondern Eigeninteresse hatten.
In dieser Partei sind engagierte Bürger, denen Freiheit, Deutschland, Eigenleistung mehr bedeuten als Staatssozialismus, Euro-Fanatismus.
Die große Koalition wird der AfD zuspielen!

DEMOKRAT

15.12.2013, 17:16 Uhr

Wofür steht die Partei eigentlich? Bisher konnte ich lediglich sehr nationale Tendenzen feststellen. Ich bin gespannt, wie sich Lucke aus der kaschierten Wahlkampfspende des Hamburger Reeders herausmanövrieren will. Das kann für die Partei sehr teuer werden.

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