Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.08.2014

16:45 Uhr

Parteien und Kirchen uneins

Wie hilft Deutschland im Irak?

In ihrem Entsetzen über den Vormarsch der IS-Terroristen im Irak sind sich die deutschen Parteien und Hilfsorganisationen einig. Wie man auf die Vertreibung der religiösen Minderheiten reagieren sollte aber nicht.

Eine durch die Kämpfe obdachlos gewordene Familie im Irak: Die Bundesregierung stellte 2,9 Millionen Euro für die Bewältigung des Flüchtlingsdramas zur Verfügung. dpa

Eine durch die Kämpfe obdachlos gewordene Familie im Irak: Die Bundesregierung stellte 2,9 Millionen Euro für die Bewältigung des Flüchtlingsdramas zur Verfügung.

Berlin/BonnDie Vertreibung von Christen und Jesiden durch Terroristen im Irak löst auch in Deutschland überall Entsetzen aus. Ob US-Luftangriffe der richtige Weg sind, um die brutalen Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat (IS) zu stoppen, ist dagegen umstritten.

„Die Luftangriffe der USA sind in der jetzigen Situation nicht der richtige Weg. Dabei drohen auch unschuldige Zivilisten zu sterben“, sagte die Bundestagsabgeordnete der Fraktion die Linke, Ulla Jelpke, am Freitag. „Es ist zu befürchten, dass sich die IS-Terroristen in bewohnten Gebieten unter die Bevölkerung mischen werden. Deshalb sollten erst einmal alle anderen Mittel ausgeschöpft werden“, sagte Maria Haarmann, die Nahost-Referentin des katholischen Hilfswerks Misereor. Es sei auch wichtig, nicht aufzugeben, sondern langfristig an einer Rückkehr der Vertriebenen in ihre angestammten Siedlungsgebiete festzuhalten.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Die Bundesregierung stellte 2,9 Millionen Euro für die Bewältigung des Flüchtlingsdramas zur Verfügung. Weitere Hilfen seien möglich, hieß es. Die Ermordung, systematische Vertreibung oder Zwangskonversion von Christen, Jesiden und anderen religiösen Minderheiten durch die Terroristen bedeute eine „neue Dimension des Schreckens“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Das jüngste Vorgehen von IS zeige, wie hochgefährlich dieses Gruppe für Frieden und Stabilität in der gesamten Region seien. Zu den US-Luftschlägen nahm er zunächst nicht Stellung.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Tom Schmidt

08.08.2014, 17:15 Uhr

Die Lamentiererei ist beschämend und alles andere als moralisch hochstehend.

Die IS tötet jetzt, es gibt nur die Mittel sie jetzt mit Gewalt zu stoppen. Punkt! Wenn man das nicht will, soll man das sagen und zugeben, dass man die Leute für das Prinzip Pazifismus oder aus der Überlegung heraus, dass Nichts-Tun langfristig weniger Tote erzeugt, diese Leute über die Klinge springen lassen will. Dann ist man wenigstens ehrlich!

Oder man gibt zu, dass man gegenüber dieser Art der Gewalt machtlos ist und keine Mittel hat und man persönlich dafür nicht verantwortlich sein will. Aber dann müßte man ja vielleicht auf gut dotierte Politposten verzichten?

Alles andere wie Flüchtlingsaufnahme (Vertreibungsunterstützung) oder vermeintliche andere Lösungen sind nur Kosmetik für Ohnmacht. Aus Sicht einer Familie auf einem Berg, der von der IS belagert wird und die nur leben wollen, bleibt das alles beschämend. Und das ist es auch!

Herr Dipl. Ing.

08.08.2014, 17:21 Uhr

Wie hilft Deutschland im Irak?

Gegenfrage: Warum muß Deutschland im Irak helfen?

Deutschland kann nicht die ganze Welt retten! Egal wo auf dieser Erde etwas passiert, Deutschland "muß" helfen! Langsam kann ich es wirklich nicht mehr hören! Welche Hilfen leisten andere Länder wie Saudi-Arabien, China, Indien, Australien, Russland, ....

Herr Wolfgang Trantow

08.08.2014, 18:44 Uhr

Ai meldet sich wieder einmal. Nur um gegen die USA zu hetzen. Die AI fördert und unterstützt doch den Islamischen Terror und setzt sich für den Islam ein. Und unsere Politiekr? Sie schweigen zu den Schandtaten des Islams und unterstützen ihn noch. Hr. Gauck mit seiner Forderung zur Ausbildung der Islamsisten ist hier an erster stelle zu nennen. Was ist mit dem Gaza-Streifen. Auch hier schweigt Hr. Gauck, sodass man annehmen könnte, er verkauft Raketen an die Islamisten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×