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21.11.2015

16:40 Uhr

Parteitag

Grüne stützen Merkel

VonBarbara Gillmann

Die Grünen-Vorsitzenden Peter und Özdemir sind erwartungsgemäß für weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt worden. Der Kanzlerin hat die Ökopartei der Kanzlerin mit ihrem „Wir schaffen das“ den Rücken gestärkt.

Der Bundesvorsitzende der Partei von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir spricht beim Bundesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen  in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt). dpa

Bundesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen

Der Bundesvorsitzende der Partei von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir spricht beim Bundesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt).

HalleSo wenig Kritik an der Bundesregierung gab es noch nie auf einem Parteitag der Grünen. Freitagabend, in München hatte die Kanzlerin, die sich standhaft Obergrenzen für die Flüchtlingsaufnahme verweigert, grade einen unangenehmen Besuch bei der bayrischen Schwesterpartei beendet. „Ich glaube, bei uns hätte Angela Merkel mehr Applaus bekommen“, sagt der Parteivorsitzende Cem Özdemir, auf dem Parteitag der Grünen in Halle. Wie Seehofer die Kanzlerin behandelt habe, das „gehört sich nicht, das ist unanständig“.

Und selbst seine linke Co-Vorsitzende Simone Peter hatte zuvor die "starken Worte" der Kanzlerin gelobt, die gesagt hatte, sie wolle den Flüchtlingen ein freundliches Gesicht zuwenden zuwenden, sonst sei das „nicht mehr ihr Land“. „Das verdient Applaus“ rief Peter den fast 600 Delegierten zu, die sich einig zeigten mit ihren Parteichefs.

Beide wurden am heutigen Samstag – wie erwartet – im Amt bestätigt. Trotz Gegenkandidaten erhielt Peter 68 Prozent, Cem Özdemir holte mit fast 77 Prozent das beste Ergebnis seiner Amtszeit.

Das lag auch an seiner fulminanten, sehr persönlichen Rede zur Flüchtlingskrise am Vorabend – „die beste die er je gehalten hat“, wie eine führende Parteifreundin meint.

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Der Sohn türkischer Einwanderer scheute sich nicht, direkt die verbreiteten Ängste vor dem Islam im Allgemeinen zu adressieren. Seine muslimischen Eltern - „sunnitisch, um genau zu sein, also die Konfession, um die es jetzt geht“ - hätten ihn einen toleranten Islam gelehrt. Sie schickten ihn in Bad Urach in den christlichen Religionsunterricht und den Schulgottesdienst, sein Vater riet ihm, Freunde nicht nach der Religion oder Nation auszusuchen, sondern danach „ob sie anständige Menschen sind“.

Diese tolerante Form jedoch, „wo man betet oder auch nicht, wo man auch mal Rai trinkt und trotzdem die Feiertage feiert (...) ist auf dem Rückzug“, warnt Özdemir. Auch deshalb, weil der Westen jahrzehntelang die intolerante Ausprägung, den saudischen Wahabismus, unterstützt habe. Im Angesicht des Terrors, zuletzt in Frankreich, und „im Namen aller Muslime, die sich vor den Dschihadisten genauso fürchten wie wir“ warb der einzige moslemisch geprägte Parteichef in Deutschland fast flehentlich: „Lasst uns endlich gemeinsam gegen den Fanatismus vorgehen“.

Das schließt für die pazifistischen Grünen im übrigen selbst Militäreinsätze nicht aus. Ihr Dringlichkeitsbeschluss mahnt angesichts der Attentate von Paris zu „Besonnenheit und Solidarität“. Militäreinsätze könnten zwar „nur einen sehr begrenzten Beitrag leisten“, werden aber nicht grundsätzlich abgelehnt.

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