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09.12.2012

11:00 Uhr

Parteitag in Hannover

SPD steht vor Linksruck

VonDietmar Neuerer

Peer Steinbrück will beim Parteitag in Hannover zeigen, dass er der richtige SPD-Kanzlerkandidat ist. Er setzt dabei vor allem auf das Thema Gerechtigkeit. Das weckt Begehrlichkeiten – bei den Parteilinken.

Peer Steinbrück. dpa

Peer Steinbrück.

Hannover
Rund zehn Monate vor der Bundestagswahl will die SPD heute auf einem Parteitag in Hannover offiziell ihren Kanzlerkandidaten bestimmen. Einziger Bewerber ist der frühere Finanzminister Steinbrück, der im Oktober vom SPD-Vorstand einstimmig nominiert wurde. Zuvor will der 65-Jährige in einer Rede darlegen, mit welchem Programm er die SPD in die Regierung zurückführen will. Gestern hatte er angekündigt, das Thema Gerechtigkeit in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes zu rücken.

Bei den Parteilinken rennt er damit offene Türen ein, ob er damit bei den Wählern wird punkten können, muss sich erst noch erweisen. Fakt ist, Steinbrück braucht nach seinem schwierigen Start ein Gewinnerthema. Vielen ist der Hamburger wohlbekannt als verlässlicher Krisenmanager in der Zeit der großen Koalition und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Beim Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise wirkte er als Finanzminister und erarbeitete sich in dieser Rolle auch parteiübergreifend hohes Ansehen. Als großer Sozialpolitiker ist er bisher nicht aufgefallen.

Peer Steinbrück - seine Biographie

Gebürtiger Hamburger

Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

Zwei Jahre Bundeswehr

1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

Parteieintritt

1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

Studium

1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

Zeit als Referent

1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

Büroleiter in Düsseldorf

1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

Staatssekretär in Kiel

Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

Als Minister zurück in NRW

1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

NRW-Ministerpräsident

Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Finanzminister

Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

Vortragsredner

Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Entsprechend dankbar ist der linke Parteiflügel, dass Steinbrück jetzt seinen politischen Kompass auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt ausrichten will, wie er der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag sagte. „Wir dürfen keine Spaltung in Parallelgesellschaften zulassen“, sagte der Sozialdemokrat. „Die ganz unten, die sich verloren glauben, schlecht bezahlte Jobs haben und an der Demokratie zweifeln. Und denen da oben, von denen sich einige einen schnöden Individualismus leisten und nicht spüren, dass unsere Gesellschaft darüber auseinanderfällt.“ Die SPD tue daher gut daran, „ihre unverkäuflichen Werte in den Vordergrund zu stellen – Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität“.

Der neue Ton, den Steinbrück hier anklingen lässt, findet die Zustimmung der Parteilinken, er weckt dort aber auch Begehrlichkeiten. „Wir werden als SPD wie keine andere Partei daran gemessen, dass Gerechtigkeit Maßstab und Kompass unserer Politik ist. Deshalb ist es besonders wichtig, dass unser Kanzlerkandidat mit einem guten SPD-Programm antritt, das Fortschritt mit Gerechtigkeit verbindet“, sagte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, Handelsblatt Online.

Kommentare (53)

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Account gelöscht!

09.12.2012, 08:40 Uhr

.....Einziger Bewerber ist der frühere Finanzminister Steinbrück, .....
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Was will man da erwarten ?
Das Demokratieverständnis der Politisch Links von der Mitte stehenden , war schon immer als unterentwickelt zu bezeichnen , das ändert sich anscheinend auch in Zukunft nicht .
Bei einer Wahl , sollte man die Wahl haben , wenn sich allerdings nur ein Kandidat für diese "Veranstaltung" zur Verfügung stellt , hat man ja keine Wahl .
Honecker und Stalin lassen grüßen ....

Account gelöscht!

09.12.2012, 08:52 Uhr

Zum Glück hab ich die nie gewählt und werde die auch nie wählen.

Wer tut das überhaupt, außer transferabhängige wie Arbeitslose, Rentner und sonstige Gesellschaftsloser die nur nach dem Geld anderer Leute schielen !?

Parteilos

09.12.2012, 09:07 Uhr

Arbeitslose haben in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, Rentner in die Rentenversicherung. Wer schielt nach dem Geld anderer? Der, der am verdienten Kapital anderer verdient, ohne einen reslen Mehrwert zu schaffen. Mit "Gesellschaftsloser" meinen Sie bestimmt die vielen sozial inkompetenten Menschen.

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