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13.05.2011

13:52 Uhr

Parteitag in Rostock

FDP feiert Westerwelle

VonThomas Sigmund

Es war seine letzte Rede als FDP-Vorsitzender: Mit stehenden Ovationen geht Guido Westerwelle in Rostock als Parteichef von Bord und übergibt das Ruder an Philipp Rösler.

Guido Westerwelle winkt nach seiner letzten Rede als FDP-Chef. Quelle: Reuters

Guido Westerwelle winkt nach seiner letzten Rede als FDP-Chef.

RostockVon Abschied nur eine kleine Spur. In Sack und Asche zu gehen, ist seine Sache nicht. Noch-Parteichef Guido Westerwelle hält auf dem Bundesparteitag in der Hanse-Messe in Rostock nicht die erwartete Abschiedsrede. Er peitscht die FDP vorwärts. Der Außenminister will raus mit seiner Partei aus dem erschreckenden Umfragetief. Westerwelle verspricht: "Ich werde meinem Nachfolger nicht ins Lenkrad greifen". Doch je länger Westerwelle die liberalen Werte durchdekliniert, desto klarer ist den Delegierten in der Halle. Der Vollblutpolitiker, der wie kein Zweiter die FDP in der Öffentlichkeit immer noch verkörpert, wird dieses Versprechen bei seinem Nachfolger Philipp Rösler nur unter Aufwendung aller Kräfte einhalten können.

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Er hat sich für alle Fehler entschuldigt, und es auch mal mit Demut versucht. Und dafür tosenden Beifall eingeheimst. Doch klar ist auch: die Liberalen sind jetzt fertig mit Guido Westerwelle.

Pathetisch beschwört er die Freiheitsrechte: "Bürgerrechte zu verteidigen ist eine heilige Aufgabe der FDP. Reißerisch schlägt er auf die rot-grüne Bildungspolitik ein. Wie in den vergangenen zehn Jahren als Parteichef redet sich Westerwelle in Rage. Brüllt im Beifall der Delegierten weiter seine liberalen Parolen über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands durch die Halle. Sein designierte Nachfolger Philipp Rösler wendet in keiner Minute den Blick von ihm ab, klatscht ihm Beifall.

Westerwelle entschuldigt sich

Nur zu Beginn gibt sich Westerwelle reumütig, versucht den Unmut der Delgierten zu besänftigen: "Wer so lange so eine Partei führt, der macht auch Fehler. Niemand weiß das besser als ich. Ich stehe zu jedem Fehler, den ich gemacht habe, und ich entschuldige mich auch für jeden einzelnen Fehler. Aber wir haben in den vergangenen zehn Jahren mehr richtig als falsch gemacht." Fehler ja, aber unterm Strich alles gut, ist die Botschaft, die er aussendet: "Ich werfe mir vor, dass wir zu wenig durchgesetzt haben von dem, was wir versprochen hatten", sagt Westerwelle. "Aber auf die Bilanz können wir stolz sein."

Zuvor hat er allen nocheinmal gedankt: Hermann Otto Solms, Birgit Homburger, seinem "treuen Freund Rainer Brüderle" alle Mitarbeiter im Thomas-Dehler-Haus. Er hält eine große Umarmungsrede - dass er sich bei seinen Kritikern für all die Angriffe bedankt, wundert.

Dann stilisiert er sich zum Hort der Stabilität hoch, indem er die SPD angreift: "In diesen zehn Jahren habe ich sechs Vorsitzende der SPD überlebt - im Vergleich zu Euch sind wir der Hort der Stabilität in Deutschland." Auch die Grünen bekommen ihr Fett ab: "Von den Grünen will ich gar nicht reden, da waren es sicherlich 20 Vorsitzende, die ich erlitten habe". Am Ende seiner Rede gibt Westerwelle dann doch noch einen Blick in sein Gefühlsleben preis. Erzählt von einem FDP-Mann, der zu ihm gesagt hat: "Herr Vorsitzender, die Partei steht hinter ihnen. Aber ich sage ihnen, die Partei muss auch manchmal vor einem stehen". Eine Seitenhieb auf alle parteiinternen Kritiker. "Auf jeden Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen der die Sache regelt - und das bin ich. Jetzt nicht mehr", lautet sein Schlusssatz. Anschließend gab es für Westerwelle von den rund 660 Delegierten sieben Minuten lang Standing Ovations.

Kommentare (2)

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Westi_Schatzi

13.05.2011, 14:31 Uhr

Westerwelle ist politisch tot. Er hat sich von Merkel ermorden lassen, indem sie ihm seine Grenzen aufgezeigt hat. An ihrem dicken, ausgestreckten, schwabbeligen Arm hat sie ihn verhungern lassen. Seine Arroganz hat ihn das nicht erkennen lassen. Die FDP-Brüder haben immernoch zuviel Respekt vor dem Wahlbetrüger, der einmal verlogene 14 Prozent geholt hat. Sie haben Mitleid mit dem Ruinierten, weil sie alle wissen, dass ihnen das unter Merkels Regie genauso ergangen wäre. Alle sehen das Messer in Westis Rücken. Sie geben einem politischen Versager das Gnadenbrot, weil sie glauben, dass sie ihm das schuldig sind. Und gemeinsam gehen sie alle den Bach runter. Hochmut kommt vor dem Fall. Nicht nur Westerwurf ist politisch tot. Die gesamte FDP ist nicht mehr zu retten.

GeKo

13.05.2011, 16:07 Uhr

Zwischen guten Reden und einer konsequenten Umsetzung der formulierten Ziele ist ein großer Unterschied - bei Westerwelle und seinen Vertrauten wurde dies wieder besonders deutlich. Nachhaltiger Erfolg kommt nicht durch schlaue Reden sondern durch konsequente und intelligente Arbeit - auf der Basis formulierter Leitsätze.

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