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10.05.2014

16:54 Uhr

Parteitag

Lindner will die FDP wieder in die Offensive führen

VonTill Hoppe

Es sind wahrlich keine einfachen Zeiten für einen FDP-Vorsitzenden. Doch Christian Lindner versucht es mit einer Ruckrede auf dem Parteitag und stänkert gegen „rote Agendaabwickler und schwarze Gefälligkeitspolitiker“.

Es ist der 65. Bundesparteitag der FDP – und der erste als außerparlamentarische Opposition. Christian Lindner am Rednerpult in Dresden. dpa

Es ist der 65. Bundesparteitag der FDP – und der erste als außerparlamentarische Opposition. Christian Lindner am Rednerpult in Dresden.

SaarbrückenFast anderthalb Stunden spricht Christian Lindner, über Ukraine und Große Koalition, über Energiewende und kalte Progression, bevor er mit einem Aufruf endet: „Jetzt kommt die Phase, in der die FDP wieder in die Offensive geht“, ruft er den 662 Delegierten des FDP-Bundesparteitages zu. Die erheben sich von ihren Stühlen, um ihrem Vorsitzenden nach einer engagierten Rede Applaus zu spendieren.

Die Delegierten aus Bayern hatten da allerdings schon ihre Plätze in der Messehalle in Dresden verlassen – und zwar aus Protest. Nicht gegen die „hervorragende“ Rede Lindners, wie der Landesvorsitzende Albert Duin betont. Sondern aus Protest gegen die seiner Meinung nach weitverbreitete Haltung der Mitglieder, den Neuaufbau ihrem Parteichef zu überlassen. „Wie oft haben wir auf einem Parteitag schon den Neubeginn verkündet?“, sagt er, „wir können doch nicht so tun, als sei das mit einer Rede des Vorsitzenden geschafft.“

Zum 65. Mal treffen sich die Liberalen an diesem Samstag in Dresden zu einem ordentlichen Parteitag. Zum ersten Mal als außerparlamentarische Opposition. Den Schock des Rauswurfs aus dem Bundestag hat die Partei inzwischen einigermaßen verdaut. Aber an die von Lindner verkündete Offensive mag momentan nicht nur Duin nicht so recht glauben. Schon die weiterhin mageren Umfragewerte von drei bis vier Prozent rauben die Illusion an ein schnelles Comeback.

In ihrer Verbannung fällt es der FDP schwer, Aufmerksamkeit zu erregen, zumal im Angesicht einer auch in ihrer Medienpräsenz übermächtigen Großen Koalition. Die Verhältnisse in Berlin haben aber auch ihr Gutes: Die sozialen Wohltaten von Union und SPD liefern den Liberalen Munition in beliebiger Menge: Lindner geißelt das Bündnis von „roten Agendaabwicklern und schwarzen Gefälligkeitspolitikern“, und konstatiert, „jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“. Die Koalition habe etwa mit ihrem Rentenpaket die „Happy Hour“ ausgerufen, nur folge auf eine Party meist ein schlimmer Kater. „Eine Partei muss es geben, die klaren Kopf behält“, ruft er den Delegierten zu.

Kommentare (2)

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12.05.2014, 15:13 Uhr

Die Aussage, die bayerischen Delegierten hätten aus Protest den Saal verlassen, ist unzutreffend. Im Beitrag des BR (bei 0:40) sieht man, wie zahlreiche bayerische Delegierte (darunter der Landesvorsitzende Albert Duin und der Generalsekretär Daniel Föst) Lindners Rede mit stehenden Ovationen würdigen: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/nachrichten/fdp-parteitag-dresden-100.html

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12.05.2014, 19:52 Uhr

Ich frage mich bei den Bildern von Herrn Lindner am Rednerpult, woher eine Partei, die nicht mehr im Parlament vertreten ist und die offenbar nach der Wahlschlappe deutlich weniger in der Kasse hat, das Geld nimmt, eine solch pompöse und durchdesignte Bühnenlandschaft mit gelb beleuchteten Pulten zu installieren. Da hat wohl der Verband der Hoteliers nochmal ein Einsehen gehabt und ihnen galant den Parteitag finanziert.

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