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02.01.2013

17:49 Uhr

Peer Steinbrück

Der Fettnäpfchen-Kandidat

VonDietmar Neuerer

Sogar aufs Deckblatt der "New York Times" hat er es geschafft. Peer Steinbrück liefert allerdings wenig schmeichelhafte Schlagzeilen: Er stolpert von Ausrutscher zu Ausrutscher. Die SPD wusste, worauf sie sich einlässt.

Was will Steinbrück?

Video: Was will Steinbrück?

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BerlinEr ist schlagfertig wie kaum jemand in der politischen Zunft. Scharfzüngige und witzige Formulierungen kommen Peer Steinbrück mühelos über die Lippen. Etwa, als der SPD-Mann über die „Heulsusen“ in der SPD herzog. Oder der Schweiz im Steuerstreit mit der siebten Kavallerie von Fort Yuma drohte.

Sprachforscher haben sogar einen unverwechselbaren „Steinbrück-Sound“ ausgemacht. Typisch sind kurze und prägnante Sätze, oft angereichert mit provozierenden Thesen und stimmigen Pointen. Um komplexe Zusammenhänge etwa bei Finanzfragen verständlich zu machen, greift der 65-Jährige gern zu einfachen Vergleichen.

Peer Steinbrück - seine Biographie

Gebürtiger Hamburger

Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

Zwei Jahre Bundeswehr

1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

Parteieintritt

1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

Studium

1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

Zeit als Referent

1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

Büroleiter in Düsseldorf

1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

Staatssekretär in Kiel

Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

Als Minister zurück in NRW

1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

NRW-Ministerpräsident

Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Finanzminister

Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

Vortragsredner

Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Steinbrücks Sprachvirtuosität ist neben seiner anerkannten Kompetenz in Finanzfragen wohl sein größtes Plus und, wie sich jetzt zeigt, zugleich sein größtes Problem. Denn in der ersten Reihe der Politik ist die Aufmerksamkeit eine andere. Als Hinterbänkler im Bundestag, der sich schon langsam auf den Ausstieg aus der Politik vorbereitete, fuhr Steinbrück mit seiner Haudrauf-Rhetorik noch enorme Beliebtheitswerte ein. Doch als Kanzlerkandidat fällt ihm sein Klartext-Gerede gehörig auf die Füße. Selbst der „New York Times“ blieben Steinbrücks jüngste verbale Fauxpas‘ nicht verborgen. „In Deutschland stolpert Merkels Herausforderer von Ausrutscher zu Ausrutscher“, titelte die renommierte US-Zeitung.

Steinbrück steht seit Wochen wegen seiner hohen Nebeneinnahmen aus Vorträgen in der Kritik. Am Wochenende sorgte er für Wirbel durch seine Feststellung in einem

Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“), der Bundeskanzler in Deutschland verdiene zu wenig - gemessen an seiner Leistung und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt. Und er irritierte mit der Bemerkung: „Angela Merkel ist beliebt, weil sie einen Frauenbonus hat.“ Ob Steinbrücks Sätze die Niedersachsen-Wahl am 20. Januar beeinflussen, ist offen. Fakt ist aber: Seine Kracher zum Jahresausklang sind noch lange nicht verhallt.

Die Atrium-Talks der Stadtwerke Bochum

29. Februar 2008

Premiere des Atriumtalks – eine lockere Gesprächsrunde, die weder Interview noch Talk-Show sein soll. Der Chef der Stadtwerke will damit ein Leuchtturm-Projekt für Bochum schaffen. Und zur Premiere kann er Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker präsentieren. Musikalisch begleitet der für die Tatort-Titelmelodie und den „Das Boot“-Soundtrack bekannte Jazz-Musiker Klaus Doldinger den Abend.

Weizsäckers Büro teilte Handelsblatt Online mit: „Herr von Weizsäcker hat für die Veranstaltung am 29. Februar 2008 ein vorab vereinbartes Honorar erhalten. Eine Verabredung über die Verwendung erfolgte nicht. Der Betrag wurde, wie üblich, wohltätigen Zwecken zugeleitet, zu allermeist der Marianne von Weizsäcker Stiftung Integrationshilfe für ehemals Suchtkranke e.V. in Hamm.“

14. November 2008 - kurzfristig abgesagt

Eigentlich hatte Schauspieler Mario Adorf ins Ruhrgebiet reisen sollen. Doch ein Tauchunfall wenige Tage zuvor macht sein Kommen unmöglich.

6. März 2009

Wie beim ersten Atriumtalk moderiert auch diesmal der bekannte Arzt Dietrich Grönemeyer die Veranstaltung. Als Gast ist Ex-Außenminister Joschka Fischer gekommen.

13. November 2009

Peter Maffay wird im Herbst 2009 nicht nur befragt von Grönemeyer. Der Sänger greift auch zur Gitarre und trägt aus seinem Repertoire vor.

6. März 2010

Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, ist zu Gast beim Atriumtalk – und es gibt eine Premiere. Zum ersten Mal moderiert der Schauspieler Peter Lohmeyer (u.a. „Das Wunder von Bern“) die Veranstaltung.

11. Dezember 2010

Eigentlich war für die zweite Veranstaltung mit Moderator Lohmeyer ein besonderer Gast eingeplant – Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dessen mögliche Einladung hatten die Stadtwerke schon der Lokalpresse gesteckt, doch daraus wurde nichts. In dem Bericht heißt es: „Normalerweise muss ein Gastgeber fünfstellige Eurobeträge blättern, um Promis dieser Klasse zu buchen. Aber die Stadtwerke regeln das anders, wie [Stadtwerksprecher Thomas] Schönberg sagt. Die Protagonisten bekämen persönlich keinen Cent: ,Sie verzichten auf ihr Honorar zugunsten einer Stiftung, die ihnen nahesteht.' So habe Uli Hoeneß das Geld für eine Kinderkrebsklinik gespendet und Peter Maffay sein Honorar einer Israel-Stiftung zukommen lassen.“

Statt Schröder kommt schließlich der damalige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck. Musikalischer Gast war die Sängerin Katja Ebstein.

5. Mai 2011

Diesmal kommt zum Gespräch mit Moderator Peter Lohmeyer eine Schauspiel-Kollegin, die vor allem durch Fernsehfilme bekannte Senta Berger.

26. November 2011

Eine Ikone des Ruhrgebiets, Sportmoderator Werner Hansch, moderiert die 7. Veranstaltung, die fast ein Jahr später bundesweit für Schlagzeilen sorgt. Der Ex-Finanzminister und derzeitige designierte Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, ist zu Gast. Sein Honorar beträgt 25.000 Euro – eine Absprache über eine mögliche Spende des Betrages gibt es nicht, bestätigen die Stadtwerke auf Drängen Steinbrücks im November 2012.

26. Oktober 2012

Bei der jüngsten Ausgabe des Atrium-Talks ist wieder Peter Lohmeyer als Moderator geladen. Gast ist Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Musikgast ist die Sopranistin und Musical-Sängerin Anna Maria Kaufmann.

Kommentare (38)

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Lutz

02.01.2013, 18:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Muente

02.01.2013, 18:07 Uhr

Bevor zu diesem Bericht wieder die seit Tagen bekannten Forenbeiträge folgen, sollten wir abwarten was Magritt117888 zu sagen hat. Dann haben wir alle eine Orientierung. Denke mal, Vicario und Super-Angie werden sich dann nicht lange bitten lassen und ihre Hirnflüssigkeit ebenfalls auskübeln.
Dabei will der Zwangsmillionär Steinbrück nichts anderes, was jeder auch will, eine ordentliche Bezahlung seiner Arbeit. Als Kompromiss bietet sich an, Herrn Steinbrück - im Falle einer Kanzlerschaft - für jede Regierungserklärung mit 50.000 Euro und für normale Redebeiträge mit 25.000 Euro zu entlohnen, Nehme mal an, er wird keine Plenarsitzung versäumen.

Account gelöscht!

02.01.2013, 18:12 Uhr

Wenn die SPD mit wem auch immer an die Macht kommt, wissen wir ja wenigstens unsere Zukunft:

Das Kanzelgehalt steigt, und
für Deutschland wird weiterhin nix getan.

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