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28.09.2012

16:08 Uhr

Peer Steinbrück

Ein großes Ego mit scharfen Kanten

Noch vor zwei Jahren wollte Peer Steinbrück von neuen Ämtern nichts wissen. Nun will der SPD-Mann das Kanzleramt stürmen. Ob ihm das gelingen kann, ist offen. Denn er kann zwar Finanzminister – aber kann er auch Kanzler?

Peer Steinbrück will es mit Kanzlerin Angela Merkel aufnehmen. AFP

Peer Steinbrück will es mit Kanzlerin Angela Merkel aufnehmen.

BerlinVor sieben Jahren stand ein Mann bescheiden an der Pforte des Kanzleramts und begehrte Einlass. "Guten Tag, mein Name ist Peer Steinbrück, ich habe einen Termin mit Herrn Steinmeier", meldete sich der Besucher höflich beim Wachhabenden an. Er hatte gerade, im Juni 2005, seine bis dato schmerzlichste Niederlage erlitten: Die nordrhein-westfälischen Wähler hatten ihm als Regierungschef den Laufpass gegeben. Einige Wochen später war der gebürtige Hamburger dann Finanzminister in der großen Koalition - das Amt, das ihm den Weg zu Höherem eröffnete.

Nun soll er für die SPD nach den Sternen greifen und nach deren Vorstellung im kommenden Jahr Angela Merkel im Kanzleramt ablösen. Er will Hausherr im klobigen Bau an der Spree werden. Und Frank-Walter Steinmeier hat dem inzwischen nicht mehr ganz so bescheidenen Herrn Steinbrück den Weg frei gemacht für dieses ehrgeizige Vorhaben. Steinbrück will es mit Merkel aufnehmen, der Frau, mit der ihm hoher gegenseitiger Respekt verbindet. Zuvor muss dem nunmehr 65-Jährigen etwas gelingen, was er noch nicht geschafft hat: Erstmals in seinem politischen Leben als Spitzenmann eine Wahl gewinnen.

Dabei fragten sich noch jüngst, als Steinbrück wieder einmal wochenlang von der politischen Bildfläche verschwunden war, enge Weggefährten: "Will er oder will er nicht?" So sicher war sich der passionierte Schachspieler und Schnellredner offenbar lange selbst nicht. "Eigentlich ist er in Ämter bislang immer gerufen worden", schildert ein Freund den schwierigen Entscheidungsprozess.

Im Oktober 2010, als er erstmals nach längerer Abstinenz bei einem SPD-Parteitag mit einem fulminanten Auftritt sofort erste Spekulationen über eine Kanzlerkandidatur ausgelöst hatte, sagte er in einem Reuters-Interview noch: "Nein, ich strebe keinerlei Ämter mehr an". Und er bat: "Ich bitte Sie, das Missverständnis nicht weiter zu kolportieren, ich sei bereit, irgendwelche Ämter, Funktionen oder Kandidaturen zu übernehmen."

Steinbrücks Regulierungskonzept

OTC-Geschäfte

Finanztermingeschäfte (Derivate), die völlig unkontrolliert an der Börse vorbei abgewickelt werden, sollen stark eingeschränkt werden. Solche Over-the-Counter-Geschäfte (OTC - „über den Tresen“) nehmen seit einiger Zeit massiv zu.

Rohstoffe

Begrenzung der absoluten Zahl von Warenterminverträgen zu Spekulationszwecken (sogenannte Positionslimits). Verbot von Geschäften mit Agrar- und Energierohstoffen sowie Nahrungsmitteln für Banken und Finanzgesellschaften.

Leerverkäufe

Das seit 2010 geltende Verbot von ungedeckten Leerverkäufen auf Aktien und Staatsanleihen wird auf Kreditderivate von Banken und Firmen ausgeweitet.

Computer-Hochfrequenzhandel

Nur noch vorher überprüfte Unternehmen dürfen damit an der Börse tätig werden. Notwendig sei eine Mindestverweildauer, bis ein Auftrag ausgeführt wird.

Finanztransaktionssteuer

Dazu sollen auch ausländische Töchter europäischer Banken herangezogen werden. Ebenso der außereuropäische Handel mit Wertpapieren von Emittenten aus Europa.

Immobilien

Zu Vermeidung von Blasen soll in Europa für die Beleihung eine Obergrenze von 80 Prozent zum Preis der Immobilie bzw. zum eingebrachten Eigenkapital vereinbart werden - in Boom-Phasen von 60 Prozent.

Risikohaftung

Der Staat soll sich aus der Haftung für die Banken weitgehend zurückziehen. Die Institute sollen europaweit aus eigenen Mitteln einen Rettungsschirm in Höhe von 150 bis 200 Milliarden aufbauen. Dieser „Banken-ESM“ soll auch Großbanken abwickeln oder restrukturieren können. Für kleine und mittelgroße Banken soll ein nationaler Fonds zuständig sein. Auch die Aktionäre und Gläubiger seien neben den Eigentümern an den Verlusten zu beteiligen.

Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking

Zunächst soll der Eigenhandel von Banken beschränkt werden. Darunter versteht man Geschäfte, die zur kurzfristigen Gewinnerzielung auf eigene Rechnung getätigt werden. In einem zweiten Schritt ist die Trennung des Einlage- und Kreditgeschäfts vom Investmentteil geplant. Fortführung der Bereiche unter dem Dach einer Holding als rechtlich eigenständige Töchter.

Landesbanken

Ihre Zahl soll von bislang zehn auf zwei bis drei schlagkräftige Institute verringert werden.

Schattenbanken

Für Hedge-Fonds, Private Equity, Zweckgesellschaften oder Geldmarktfonds sollen die gleichen Eigenkapitalregeln gelten wie für Banken. Verbot der Kreditvergabe an solche Finanzgesellschaften und der Beteiligung von Banken an ihnen.

Aufsicht

Plädiert wird für eine europäische Bankenaufsicht nur für systemrelevante Großbanken unter dem Dach der EZB. Deutsche Spar- und Genossenschaftsbanken sollen nicht davon betroffen sein.

Vergütungen und Boni

Alle Top-Verdiener (nicht nur der Vorstand) einer Bank sollen ihr Einkommen veröffentlichen. Die erfolgsabhängigen Zuschläge dürfen das Festgehalt nicht übersteigen.

Steinbrück ist nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse. Erwischt man ihn in einem falschen Moment, wird man schon mal unwirsch angeknurrt: "Sie glauben doch nicht, dass ich Ihnen jetzt was sage." Opfer solcher Maulereien kann jeder werden: Mitarbeiter, Kollegen, gerne auch Journalisten. Aber es gibt auch den anderen Peer Steinbrück, den Mann mit Humor, mit einem eigenen Charme, mit dem man über ganz viele Themen abseits des politischen Geschäfts sprechen kann: über Filme, den Modellschiffbau oder über die aktuellen Kräfteverhältnisse im Fuß- oder Handball.

Kommentare (6)

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Martina

28.09.2012, 16:40 Uhr

kann er auch Kanzler ?

^^

gar nüscht kann der, nichts in NRW gebracht, als Finazminister unter Merkel Sozialabbau und Bankenentfesselung - der solls richten ?
Er ist tatsächlich der GröDaz !

Meier

28.09.2012, 16:41 Uhr

Steinbrück ist mich ein arroganter Mensch, der mit dazu beigetragen hat, daß die SPD seit langem im Umfragetief steckt. Steinbrück hat zusammen mit Schröder, Müntefering und Steinmeier die Ur-Klientel der SPD verraten, siehe die Hartz-Gesetze. Sicherlich hat er von allen möglichen Kandidaten die größten Chancen, aber Kanzler wird er niemals. Da ist mir eine absolute Mehrheit für die CDU lieber als noch einmal das Experiement Rot/Grün. Eine fürchterliche Vorstellung. Die Jahre Rot/Grün sind verlorene Jahre.

Peer-Bilderberger

28.09.2012, 17:29 Uhr

Gotte oh Gott, liebes HB

Wir wissen doch nun, dass ihr den illuminierten Auftrag habt, den Zögling der Bilderberger nach oben zu pushen. Macht euch doch nur lächerlich mit diesen Darstellungen.

Jeder weiß doch, dass die beschnittenen Glaubensbrüder den Peer dafür zum Kanzler machen, weil er damals mit der West-Lb. Die Fed Giftpiere ohne Ende aufgekauft hat. Die West-Lb ist zwar daran Hops gegangen, aber Peer Bilderberger wird dafür nun Kanzler.

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