Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.04.2013

10:10 Uhr

Peer Steinbrück

Kann jemand ohne Glück Kanzler werden? „Ja!“

VonStefan Kaufmann

Heute will die SPD ihr Wahlkampfprogramm beschließen. Doch die Partei kämpft gegen schlechte Umfragewerte. Beim Treffen des Parteivorstandes gibt sich Peer Steinbrück trotzig.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei der Pressekonferenz in Augsburg. dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei der Pressekonferenz in Augsburg.

AugsburgIm Dorint Hotel zieht sich der Bundesvorstand der SPD zurück. Im Konferenzbereich im 1. Untergeschoss ist für den Nachmittag „Raum Augsburg“ reserviert. „Raum Göppingen“ wäre vielleicht die bessere Wahl gewesen, denn dort – so verspricht das Hotelmanagement – gibt es „80 Quadratmeter für effizientes und erfolgreiches tagen“.

Hinter verschlossenen Sitzungstüren werden auch die jüngsten Umfragen zur Sprache kommen, die die SPD bei nur noch 23 Prozent sehen. Es muss eine Strategie entwickelt werden, die den Abwärtstrend stoppt. Erstmals seit Jahren hat Schwarz-Gelb wieder eine eigene Umfrage-Mehrheit im Bund.

Linke attackiert Steinbrück: „SPD muss sich von Lebenslügen verabschieden“

Linke attackiert Steinbrück

exklusiv„SPD muss sich von Lebenslügen verabschieden“

Die Linke traut einer rot-grünen Koalition den Wahlsieg nicht zu. Es sei ein Fehler, dass sich die SPD das nicht eingestehe, sagt Bernd Riexinger. Und der Linkenchef macht den Genossen noch einen schweren Vorwurf.

Öffentlich würgt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück das Thema dagegen ab. Herr Steinbrück, welchen Anteil haben Sie an schlechten Umfrageergebnissen wird er bei seiner Ankunft im Dorint Hotel gefragt? „Keinen!“ Nächster Versuch: Herr Steinbrück, kann jemand ohne Glück Kanzler werden? „Ja!“.

Es nervt ihn sichtlich, dass die SPD mit ihren Botschaften bei den Bürgern noch nicht durchdringt. Auch in Augsburg zählt er sie auf. Sie finden sich auch im Regierungsprogramm wieder, das morgen beschlossen wird: Gerechte Löhne, ein durchlässiges Bildungssystem, bezahlbares Wohnen, Geld für Kommunen. Die Kanzlerin und ihre Regierungskoalition mit Inhalten zu attackieren, das ist das ausgegebene Ziel. Doch noch dringt die SPD mit ihren Antworten auf die großen „gesellschaftlichen Probleme“ nicht durch.

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

„Wir müssen die Botschaften gabelfertig, also leicht verständlich unter die Leute bringen“, sagt Steinbrück. Und zugleich den politischen Gegner bloßstellen. „Die kleben doch nur Etikette auf leere Flaschen“, sagt er und verweist auf den CDU-Vorstoß einer Lohnuntergrenze und die Lebensleistungsrente, die noch nicht mal Beschlusslage der Union sei. Noch bleiben fünf Monate. „Der heiße Wahlkampf hat noch nicht begonnen“, sagt Steinbrück. „Ich erlebe die SPD geschlossen und kampfesfreudig.“ Für seine heutige Rede verspricht er genau das. Doch ob er das heute halten kann?

Kommentare (33)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Jabberwoqui

13.04.2013, 18:04 Uhr

SPD bei 23%! Na, Herr Steinbrück, nun kommen Sie doch mal raus mit dem Feuerwerk an guten Ideen, mit denen Sie den Karren noch aus dem Dreck ziehen wollen. Mit der Forderung allein die Reichen zur Kasse zu bitten ist es in Deutschland nicht getan. Weil die meisten Bürger wissen, wem sie das wirtschaftliche Wohlergehen zu verdanken haben. Vielleicht sollten Sie mal mit Vorschlägen kommen, wo der Staat sparen kann und wie nicht Deutschland für die Fehler anderer Länder zur Kasse gebeten werden kann. Als Abgeordneter und auch noch als Oppositionsführer sollte man etwas tun für sein Geld und nicht lediglich gutbezahlte Reden halten. Kreativität ist gefragt, Herr Steinbrück, sonst gehen Sie als Totengräber der SPD in die Annalen ein!

roterkaufmann

13.04.2013, 18:05 Uhr

die spd muss die wahren (kanppen) mehrheiten im land endlich zur kenntnis nehmen. in sachsen-anhalt, thüringen, berlin und dem saarland regieren sie mit der cdu statt mit grünen und/oder linkspartei eine mehrheit zu bilden.

aber vielleicht muss auch der wähler einfach diese mehrheiten zur kenntnis nehmen und schlicht nicht mehr spd wählen. denn wer spd wählt wird offensichtlich, wie bald im bund (und siehe oben) von der cdu regiert.

OLDENDORP

13.04.2013, 18:45 Uhr

............................
...S P D...
............................
PROPARTNER arbeitnehmervermittlung
...........arbeitnehmerüberlassung
............................
..
das WIR entscheidet
..
ist seit jahren der slogan der zeitarbeitfirma
PROPARTNER - den jetzt die SPD übernommen bzw.
geklaut hat..
..
die übernahme fremder werbeslogans ist ohne zu-
stimmung schon schlimm genug - aber als sozial-
demokratischen partei mit einem slogan einer
zeitarbeitsfirma in den wahlkampf zu ziehen,
ist mehr als geschmacklos..!!!
auf der einen seite wird gegen zeitarbeit und deren
verträge gewettert und auf der anderen seite über-
nimmt die SPD - offenbar ungeprüft - deren slogan..
..
SOLCHE ANFÄNGER SOLLEN ALLES MACHEN -
NUR KEINE VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN...!!!!
..
peer steinbrück wirbt um vertrauen und
möchte aus dem umfragetief herauskommen.
..
wie soll das geschehen, wenn sein team
nur plagiate abliefert..
..

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×