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07.10.2012

19:55 Uhr

Peer Steinbrück

Kritik an bezahlten Vorträgen ist „dämlich“

Langsam wird es Peer Steinbrück in der Debatte über seine Vortragshonorare zu bunt. Die Kritik an seinem Verhalten sei „dämlich“, so der designierte SPD-Kanzlerkandidat. Ein „Knecht des Kapitals“ sei er nie gewesen.

Der designierte Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück. dapd

Der designierte Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück.

Berlin/MünchenNach heftiger Kritik an seinen bezahlten Vorträgen geht der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in die Offensive. In einer persönlichen Erklärung schlug er am Wochenende vor, alle Abgeordneten zu verpflichten, ihre Zusatzeinkünfte „bis auf den letzten Cent“ zu veröffentlichen. Damit ging er über den bisherigen Vorschlag seiner Partei hinaus, die Honorare lediglich in mehr als die bisher vorgesehenen drei Stufen einzuordnen und so die Einnahmen transparenter zu machen.

Die "Welt am Sonntag" berichtete unterdessen, nach ihren Recherchen habe Steinbrück über eine Million Euro mit seinen Reden verdient. In mindestens zwei Fällen habe er 20.000 Euro bekommen. Der "Spiegel" berichtete, Steinbrück habe Honorare von Firmen erhalten, die während seiner Zeit als Bundesfinanzminister von Aufträgen des Ministeriums profitiert hätten.

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Der "Focus" schrieb, der Ex-Minister habe auch Reden in der Schweiz und in Lichtenstein gehalten. Zu den Finanziers sollen demnach auch Unternehmer gehört haben, die das wegen der Vorteile für deutsche Steuerhinterzieher kritisierte Schweizer Bankgeheimnis ausdrücklich befürworten.

Die Kritik an seinen 80 mit mindestens 560.000 Euro bezahlten Vorträgen seit Herbst 2009 nannte Steinbrück „absurd“ und „dämlich“ – so wie auch den Vorwurf von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, es könne der Eindruck entstehen, als sei der SPD-Politiker der "Liebling der Spekulanten". "Es sind offenbar Einige sehr nervös darüber geworden, dass ich Kanzlerkandidat der SPD geworden bin", so Steinbrück.


Seinen Kritikern in Union und FDP warf er Scheinheiligkeit vor, weil diese eine Verschärfung der Richtlinien über Nebeneinkünfte für Bundestagsabgeordnete verhindert hätten. "Ich habe mich allen Regeln entsprechend, steuerrechtlich sowieso, korrekt verhalten", sagte er im Deutschlandfunk zu den umstrittenen Honoraren, die er für Reden erhalten hatte.

Auch die stellvertretende Parteivorsitzende Hannelore Kraft ist Steinbrück indes beigesprungen. Kraft, die als Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen großen Einfluss in der SPD hat, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Peer Steinbrück hat seine Einkünfte für Reden und Vorträge nach den Regeln des Bundestages völlig korrekt angezeigt." Wer Steinbrück jetzt unterstelle, "er rede anderen nach dem Mund, kennt ihn nicht", sagte Kraft. Sie sprach von "geheuchelter Empörung" aus den Reihen von Union und FDP, die "mehr als peinlich" sei.

Kommentare (84)

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bopant

07.10.2012, 16:53 Uhr

Herr Steinbrück, sagen Sie der Bevölkerung lieber was genau Sie politisch / gesellschaftlich verändern wollen und WIE - statt beleidigte Leberwurst zu spielen und Kritiker mit Arroganz zu übergießen. Dass Sie letzteres können, das wissen wir, ob Sie aber ersteres überhaupt können, davon haben Sie bisher noch keinen einzigen Wähler überzeugt.
Also: WAS WOLLEN SIE ÄNDERN UND WIE ? Bitte sehr konkret!

Thomas

07.10.2012, 16:59 Uhr

Kritik an bezahlten Vorträgen ist „dämlich“
......
Das hoch stiliesieren eines Peer Steinbrück zu einem Super Mann noch viel mehr "Jes he cant" !!!

Genossen Schmeist die ÖKos raus.

R.Rath

07.10.2012, 17:01 Uhr

Natürlich muß Steinbrück jetzt in die "Offensive" gehen, sonst ist er als Kandidat gestorben.
Dämlich ist er in seiner Instinktlosigkeit allerdings selber.
Besäße er politischen Instinkt, hätte er im Vorfeld seiner Kanzlerkandidatur auf bezahlte Vorträge verzichtet oder die Honorare gespendet, anstatt sie in die eigene Tasche zu stecken.
So ist er das, was er ist, ein "angefütterter" Kandidat, eben der "Vortrags-Peer"

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