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25.01.2015

21:29 Uhr

Pegida-Demonstration

„Davor haben die Machthaber Angst“

VonAlexander Schneider

Die Pegida-Bewegung scheint den Rücktritt von Lutz Bachmann verkraftet zu haben. In Dresden kommen Tausende zur Demonstration – auch Familien mit Kindern. Die neue Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel zeigt sich wortgewaltig.

Erstmals Sonntagsdemo der Pegida

5.000 Dresdner beziehen Stellung gegen Pegida-Demo

Erstmals Sonntagsdemo der Pegida: 5.000 Dresdner beziehen Stellung gegen Pegida-Demo

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DresdenDie inzwischen 13. Kundgebung von Pegida in Dresden hat deutlich weniger Unterstützung erhalten. Am Sonntagnachmittag kamen laut Polizei 17.300 Menschen zum Theaterplatz vor der Semperoper. Vor zwei Wochen spazierten noch mehr als 25.000 Anhänger des asylkritischen Bündnisses „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ durch die Innenstadt. Dresden ist die Spitze der Bewegung, nur dort gehen so viele Tausend Menschen Woche für Woche auf die Straße.

Kathrin Oertel, die Pegida-Sprecherin die vor einer Woche in der ARD-Talkshow von Günther Jauch saß, war deutlich wortgewaltiger als in früheren Reden und sagte: „Wir haben es geschafft, dass die Politik über unsere Themen redet“, sagte sie etwa unter großem Jubel. Oder: „Die Politikverdrossenheit ist beendet. Davor haben die Machthaber Angst. Je stärker wir werden, desto mehr Angst haben die sogenannten Volksvertreter.“ Das Bündnis werde einen Volksentscheid zum geplanten Personalabbau bei der sächsischen Polizei starten, kündigte sie unter Beifall an.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Etwa 5.000 Menschen protestierten am Nachmittag in Sicht- und Hörweite gegen Pegida, ihr Motto: „Für Weltoffenheit und Toleranz“. Es blieb weitgehend friedlich, auch weil fast 1.600 Polizisten die Veranstaltung abgesichert haben. Wegen eines am Montagabend geplanten Großkonzertes unter dem Titel „Offen und bunt – Dresden für alle“ mit 250 Künstlern in der Dresdner Innenstadt hatte Pegida seinen Abendspaziergang erst am Freitag überraschend einen Tag vorgezogen. Damit auch ihre Anhänger die Konzerte – unter anderem mit Herbert Grönemeyer und Silly – genießen könnten, hatte das Orga-Team von Pegida schnippisch mitgeteilt.

Wie bei jeder Pegida-Kundgebung begleiteten auch am Sonntag massenhafte „Wir-sind-das-Volk“- und „Lügenpresse“-Rufe die Redebeiträge. Auch ein Vertreter der Leipziger „Legida“-Organisation trat überraschend auf und beschwor die Gemeinsamkeiten mit Pegida. „Es ist viel gemunkelt worden über Differenzen zwischen Dresden und Leipzig – ja die gab es, doch sie sind aus der Welt geschafft“, sagte er. „Dresden und Leipzig marschieren in Zukunft Schulter an Schulter.“ Kurz vor der Legida-Demo am vergangenen Mittwoch hatte Kathrin Oertel „Legida“ noch mit einer Unterlassungsklage gedroht, weil deren politische Forderungen nicht mit Dresden abgesprochen worden seien. Es klingt, als sei der Machtkampf beendet. Es sind schnelllebige Zeiten.

Kommentare (41)

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Herr Edmund Stoiber

26.01.2015, 07:32 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Goetz Bartscht

26.01.2015, 07:51 Uhr


Die Regierenden und ihre Helfershelfer haben schiere Angst! Angst um ihre Futtertröge. Und sie haben Recht, das sollten sie auch!
Aber noch grösser ist die Angst, wenn der mündige Bürger es ohne Medienmanipultiuon geschafft hat, einige Mechanismen der öffentlichen Volksverblödung in Bezug auf ein desaströsen politischen Umgang mit der Flüchtlingsproblematik im inneren Deutschlands zu realisieren, was wird erst passieren, wennn dergleiche mündige Bürger endlich verstehen wird, dass er seit mehr als 15 Jahren mit dem Euro verarscht wird.
Das ist es, was den sogenannten Volksvertretern die Panik in die Augen treibt!!

Account gelöscht!

26.01.2015, 07:57 Uhr

Bravo Pegida, weiter so!!
Auch ist es nicht von Nöten, dass nun die angeblich verständnisvollen Politiker irgend etwas erkären müssen/sollen, denn die Sachlage ist eindeutig! Der Islam gehört zu Deutschland und das kann mir ein KEIN Politiker schönreden.

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