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16.12.2014

06:48 Uhr

Pegida-Demonstration in Dresden

„Wir sind alle rechts, na und?“

VonKatharina Matheis

Dieses Mal sind es 15.000: Bei der Pegida-Demonstration in Dresden gehen sie „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße. Doch für viele geht es nicht nur um Ausländer und den Islam. Ein Besuch.

Protest in Dresden

15.000 Teilnehmer: Größte Pegida-Demo in Dresden

Protest in Dresden: 15.000 Teilnehmer: Größte Pegida-Demo in Dresden

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DresdenHinter den Glühweinbuden leuchtet das Blaulicht der Polizeiautos. Die Touristen, die ihre Tüten voller Weihnachtseinkäufe durch die Dresdner Altstadt tragen, schauen sich neugierig nach den gepanzerten Polizisten um. In Richtung Semperoper nimmt die Beamtendichte zu. Folgt man der Spur, drehen sich die Gespräche der Passanten immer seltener um Geschenke und Glühwein, immer mehr geht es um Pegida, um die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

Schon seit Wochen gehen in vielen deutschen Städten Menschen auf die Straße. Am gestrigen Montag hat das Bündnis zur erneuten Demonstration in Dresden aufgerufen. Dieses Mal kommen 15.000 – 5.000 mehr als noch in der vergangenen Woche.

Doch bevor die Pegida-Demonstraten losziehen, gibt es erst einmal eine Gegenveranstaltung auf dem historischen Theaterplatz vor der Semperoper. Die Demonstranten sind jung und viele schieben ihre Fahrräder neben sich her. Ein Vater trägt sein Kleinkind auf den Schultern und hält ein Schild hoch mit der Forderung: „Für ein Grundrecht auf Asyl“. Der 24-jährige Student Fabian ist mit seinen Freunden gekommen, für ihn ist klar: „Wir müssen zeigen, dass wir da dagegen sind.“ Rund 6.500 Menschen versammeln sich, unter ihnen die Grünenspitze Simone Peter und Cem Özdemir, die Linken-Chefin Katja Kipping oder die Chemnitzer Band Kraftklub. Viele Menschen bewegen sich zur Musik, die über den Theaterplatz schallt. Doch es sind fast 3000 Gegendemonstranten weniger als noch vergangene Woche.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Ein Kilometer Luftlinie weiter: ein schlecht ausgeleuchteter Park, deutlich abgelegen der Altstadt. Aus der Dunkelheit strömen Menschenmassen auf den Platz vor eine kleine Bühne, die Polizei wird später 15.000 Pegida-Teilnehmer melden, ein neuer Rekord. Sie sind überwiegend männlich, es sind viele ältere Paare und Rentner. Aus ihrer Sicht „überfremdet“ ihr Heimatland, viele haben Deutschlandfahnen dabei, doch Symbole der rechtsradikalen Szene sucht man vergebens. Statt Neonnazi-Glatzen sieht man Schirmmützen, statt Reichsflaggen schwenken sie Sachsenfahnen.

Lutz Bachmann tritt auf die Bühne, ein großer Mann mit leichtem Vollbart und zur Seite gegeltem Haar. Er ist der wichtigste Wortführer der Pegida-Bewegung und gleich zu Beginn warnt er die Teilnehmer: Linksextreme seien unter ihnen und schleusten verfassungsfeindliche Plakate ein; natürlich würden die Fernsehteams dann „rein zufällig“ die Kamera draufhalten. „Achtet also auf euren Nebenmann“, fordert er auf. Anschließend bekräftigt er das Selbstbewusstsein der Teilnehmer. Das Phänomen Pegida könne nicht mehr länger ignoriert werden: „Sie werden es nicht begreifen, sie werden rätseln.“ Und dann erschallt es zum ersten Mal über den Platz: „Wir sind das Volk, wir sind das Volk“, innerhalb weniger Sekunden so laut, dass man kein Gespräch mehr führen kann.

Kommentare (188)

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Herr Edmund Stoiber

16.12.2014, 07:34 Uhr

Geht auf die Strasse!

Laßt sie schreiben, wir wären alle Nazis (so what...?)!

Herr Woifi Fischer

16.12.2014, 07:40 Uhr

Pegida-Demonstration in Dresden!

Alle Parteien und Gruppierungen die jetzt aufrufen (mit fadenscheinigen Argumenten) sollten zuerst einmal darüber nachdenken, warum es die Pegida gibt?

Und die Worte von Friedrich Schiller verinnerlichen die da lauten:
„Die großen hören auf
Zu herrschen, wenn die
Kleinen aufhören zu
K r i e c h e n ! “

Herr Klaus Hillebrandt

16.12.2014, 07:41 Uhr

Alle Deutschen haben das Recht, ...

... sich ... friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Anders als in der CDU gilt das auch für Menschen, die eine andere Meinung als die Bundeskanzlerin haben.
Und das ist auch gut so! Es gibt Alternativen zu Mutti, der Einwanderungslobby, den Gutmenschen und der Antifa.

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