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13.01.2016

16:42 Uhr

Pegida-Frontfrau Festerling

Bauernfängerin mit Mistgabel

VonJakob Blume

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling wettert gegen Politik und Medien – unbeeindruckt von juristischem Ärger. Sie inszeniert sich als Kämpferin der einfachen Leute – und setzt auf ein ungewöhnliches Accessoire.

Posing mit Mistgabel: Festerling kokettiert mit der Kritik an ihren jüngsten Äußerüngen. HB (Screenshot)

Festerling und die Journalisten

Posing mit Mistgabel: Festerling kokettiert mit der Kritik an ihren jüngsten Äußerüngen.

DüsseldorfIhre Reden beginnt sie gern emotional, zeigt sich gerührt von der Zustimmung ihrer Anhänger. Dann jedoch wird Tatjana Festerlings Stimme hart und die 51-jährige Pegida-Frontfrau wettert wahlweise gegen das „linksversiffte Deutschland“, die „Asylkatastrophe“ oder, wie bei der Legida-Kundgebung in Leipzig Anfang der Woche, gegen „afro-arabische Sex-Terroristen“. Die derbe Wortwahl passt zu ihrer derben Ausstrahlung, die trotz randloser Brille, cremefarbenen Mantel und Perlenohrringen nicht verschwindet. Sie wirkt wie das deutsche Pendant zur ehemaligen Tea-Party-Wortführerin Sarah Palin.

Festerlings Äußerungen bescheren ihr regelmäßig juristischen Ärger: Seit November vergangenen Jahres ermittelt die Dresdener Staatsanwaltschaft sie. Die Vorwürfe: Volksverhetzung, Verleumdung und öffentlichem Aufruf zu Straftaten.

Das hat Festerling jedoch nicht dazu bewogen, verbal kürzer zu treten – im Gegenteil: Bei der Legida-Kundgebung holte sie zu einem Rundumschlag gegen das Establishment aus. „Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln!“

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling Anfang der Woche in Leipzig. ap

Festerling in Leipzig

Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling Anfang der Woche in Leipzig.

Äußerungen, die bei ihren Anhängern Begeisterung auslösen – und für die sächsische Justiz mehr Arbeit bedeutet. Die Staatsanwaltschaft Leipzig prüft, ob der Anfangsverdacht eines öffentlichen Aufrufs zu Straftaten bestehe, wie ein Behörden-Sprecher Handelsblatt Online bestätigte. Auch andere mögliche Vergehen wie Volksverhetzung oder Beleidigung werde man nachgehen.

Die Pegida-Frontfrau ficht das nicht an. Sie gefällt sich in der Rolle der rechten Rebellin. Auf ihrer Webseite und ihrem Facebook-Auftritt verbreitet Festerling ein Foto, auf dem sie mit einer Mistgabel posiert. „Na liebe „Journalisten“, habt ihr Angst vor meiner Mistgabel?“, fragt sie dazu. Überhaupt scheint es ihr die Mistgabel als Symbol der einfachen Leute, die sich gegen die Eliten auflehnt, angetan zu haben. „Es waren schon immer Menschen mit einer Mistgabel in der Hand, die sich gegen ihre Unterdrücker auflehnten“, schrieb sie schon 2014 in der Schweizer „Weltwoche“.

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