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16.12.2014

13:27 Uhr

Pegida-Gründer Lutz Bachmann

Der Seelenfänger von Dresden

Lutz Bachmann ist das Gesicht von Pegida, den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Er fordert eine härtere Asylpolitik – dabei wurde er selbst schon abgeschoben.

Lutz Bachmann – das Gesicht von Pegida. Reuters

Lutz Bachmann – das Gesicht von Pegida.

Düsseldorf„Gegen Glaubenskriege und für die Meinungsfreiheit.“ Das ist es, was Lutz Bachmann antreibt. Jedenfalls ist es das, was er immer wieder betont, wenn er auf den „Abendspaziergängen“, wie er die Montagsdemonstrationen von Pegida nennt, als Hauptattraktion spricht. Doch „Glaubenskriege“ sind nur eines seiner Themen.

Vor allem geht es dem Gesicht von Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) um die deutsche Asylpolitik, die ihm nicht gefällt. „Wir sind für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen, aber gegen die Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen“, sagt er in fast jeder seiner Reden – und erntet dafür Jubel und Applaus. „Außerdem stehen wir dafür, dass jede Minderheit, gleich woher sie kommt, wenn sie bei uns lebt, arbeitet und essen will, auch Deutsch spricht und unsere Gesetze und Kultur respektieren sollte.“

Das Phänomen „Pegida“ und was dahinter steckt

„Pegida“

Als Ende Oktober die ersten paar Hundert Leute demonstrierten, stießen auf wenig Beachtung. „Pegida“-Anhänger protestieren gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands und angeblichen Asylmissbrauch. Das neue Ausmaß der Demos schreckt Politiker und Experten auf, auch im Bund. Sie warnen vor „Hetze“ und „Pogromstimmung“. (Quelle: dpa)

Was wollen die „Pegida“-Leute?

Die Anhänger der Bewegung fordern eine strengere Asylpolitik und sind gegen die Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“ – also Asylbewerbern, die ihrer Ansicht nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie wettern gegen muslimische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden.

Wer steht hinter „Pegida“?

Der Initiator ist Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. An seiner Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab. Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt. Auch zahlreiche Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) sind dabei.

Ist das Phänomen auf Dresden beschränkt?

Nein. Inzwischen gibt es auch in anderen Regionen Ableger von „Pegida“ – etwa in Düsseldorf („Dügida“), Kassel („Kagida“), Bayern („Bagida“) oder Ostfriesland („Ogida“), aber auch in einigen anderen Städten. Die Bewegung wächst schnell – nicht zuletzt durch das Internet. Die Macher sind sehr aktiv bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken und mobilisieren so stetig neue Anhänger.

Warum halten Politiker und Experten die Bewegung für gefährlich?

„Pegida“ verallgemeinere extrem und vermische wild Themen, meinen Fachleute. Die Gruppe werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf, sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Das sei klassischer Rechtspopulismus. Funke sieht bereits Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. Sicherheitskreise befürchten, dass Rechtsextreme die Bewegung systematisch unterwandern könnten. Auch viele Politiker sprechen von besorgniserregender ausländerfeindlicher Stimmungsmache. Die AfD zeigt dagegen Verständnis für die Proteste.

Wie konnte „Pegida“ entstehen?

Auslöser der Proteste ist die Asylpolitik. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit langem. Experten meinen, Bund und Länder hätten viel zu spät darauf reagiert. Das Ergebnis: Viele Kommunen sind mit der Lage überfordert, müssen Flüchtlinge in Wohncontainern oder Zelten unterbringen. Mancher Bürger hat daher das Gefühl, Deutschland könne damit kaum fertig werden – auch wenn das für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sicher nicht zutrifft. Funke klagt, die politischen Verantwortlichen hätten es versäumt, auf solche Ängste in der Bevölkerung einzugehen. Die Linke wirft den Innenministern der Union vor, sie hätten für all das überhaupt erst den Boden bereitet – durch ihre Warnungen vor „Armutszuwanderung“ oder „Asylmissbrauch“.

Wie geht es weiter?

Bisher wurden die Dresdner Demos jede Woche größer. Inzwischen formiert sich aber einiger Widerstand gegen die neue Bewegung. Die Gegendemonstration in Dresden war am Montag fast so groß wie der „Pegida“-Aufmarsch. Experten mahnen, wichtig sei nicht nur breite Gegenwehr dieser Art. Entscheidend sei, vernünftig mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen umzugehen und so den Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen. Das Thema „Pegida“ kommt Ende der Woche auch bei der Innenministerkonferenz in Köln auf den Tisch.

Und er fügt hinzu: Wir fordern schärfere Einreisekontrolle und stärkere Abschiebung, auch innereuropäisch.“ Worte, mit denen er auf Seelenfang geht, und wie dem Rattenfänger von Hameln laufen ihm immer mehr Menschen zu – ihm, oder seinen Worten.

In Dresden waren es am Montag 15.000 Menschen, die für Pegida auf die Straße gingen – und das liegt auch an diesem Mann. In anderen Städten sind es zwar längst nicht so viele. Trotzdem sind die Demonstrationen kein Phänomen, was nur einer Stadt zuzuordnen wäre.

Protest in Dresden

15.000 Teilnehmer: Größte Pegida-Demo in Dresden

Protest in Dresden: 15.000 Teilnehmer: Größte Pegida-Demo in Dresden

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Und darauf legt Bachmann wert. Immer wieder grüßt er in seinen Reden die Menschen, die für Pegida auch in anderen Städten auf die Straße gehen. Erklärt, es geht nicht um Ost und West, nicht um Trennung, sondern darum, dass Deutschland mit einer Stimme spreche, um „unser Deutschland“. „Wir sind das Volk“ ist sein Wahlspruch.

Kommentare (42)

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Frau Frauke Müller

16.12.2014, 13:35 Uhr

Gestern im Fernsehen: Es wurde über den Pegida-Sprecher sofort im zweiten Halbsatz erwähnt, dass dieser vorbestraft sei.

Anschließend hielt Cem Özdemir sein Gesicht in die Kamera und sage irgendwas multikulturell Korrektes.

Aber natürlich kein Hinweis aus dem Off, dass Özdemir im Jahr 2002 mit der Staatsanwaltschaft zu tun hatte wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug in Zusammengang mit Bonusmeilen.

Das ist nur eines von tausenden Beispielen für die Einseitigkeit der Staatsmedien. Und dagegen sollte man auf die Straße gehen...

Herr C. Falk

16.12.2014, 13:48 Uhr

Wenn ein straffällig Gewordener, der erfolgreich resozialisiert wurde, derart an den Pranger gestellt wird, wie in diesem Artilel, ist das mit einer modernen Ausrichtung des Strafrechts und des Strafvollzugs, der auf gesellschaftliche Reintegration ausgerichtet ist, wohl kaum vereinbar.

Diese Vorgehensweise mit der Diffamierung einer Person eine Bürgerbewegung in Gänze zu diskreditieren kann nicht erfolgreich sein

Herr Michael Müller

16.12.2014, 13:51 Uhr

Richtig!

Was wird in Deutschland stärker verfolgt und bestraft als Drogendelikte und gilt somit als "schwereres" Verbrechen? Steuerhinterziehung!

Es gibt noch aktive Politiker, die es mit den Steuern nicht so genau genommen haben, Stichwort "Schwarzgeldkoffer". Daher sollten die Politiker mit dem "Steine werfen" doch sehr vorsichtig sein!

Zudem ist nicht alles was rechts von der linken Mitte ist als radikal oder na...... einzustufen. Es gibt einfach sehr viele "normale" Menschen, welche die Asyl- und Ausländerpolitik schlichtweg für falsch halten!

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