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20.01.2015

16:18 Uhr

Pegida in Dresden

Die gespaltene Stadt

VonAlexander Schneider

Der Pegida-Kampf um Straße und Köpfe erreicht Dimensionen, die kaum noch zu fassen sind. Längst hat sich der Prozess verselbstständigt. Denn das Bündnis hat Geister geweckt, die es nicht mehr loswird.

Durch Dresden geht ein Riss – die Pegida-Bewegung spaltet die Gesellschaft. Getty Images

Durch Dresden geht ein Riss – die Pegida-Bewegung spaltet die Gesellschaft.

DresdenSchon seit Wochen gibt es in Dresden nur noch ein Thema: Pegida. Die asylkritischen Massen-Demonstrationen des Bündnisses „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ polarisieren. Sie spalten die Stadt, nicht nur Montag für Montag, wenn sich Kollegen nach der Arbeit verabschieden, der eine zu Pegida geht und der andere zur Gegendemo. Der Riss geht längst mitten durch Familien. Es wird gestritten wie selten zuvor – die ganze Woche über.

In den vergangenen Tagen jedoch hat der Kampf um Straße und Köpfe Dimensionen erreicht, die kaum noch zu fassen sind. Und das in kaum mehr als einer Woche. Erst die Terroranschläge in Paris, die wohl eine weitere Mobilisierung auslösten – mehr als 25.000 kamen am 12. Januar, 18.000 waren es noch in der Vorwoche. Dann der gewaltsame Tod von Khaled I., einem 20-jährigen Asylbewerber aus Afrika. Er wurde erstochen.

Doch obwohl das Tatmotiv noch völlig unklar ist, haben Flüchtlingsverbände ab Mittwoch lautstark ein fremdenfeindliches Klima in der Stadt kritisiert, das ihrer Meinung nach im direkten Zusammenhang mit den Pegida-Demos steht. Am Donnerstagabend haben rund 600 linksextreme Chaoten in Leipzig randaliert – aus Rache am Tod von Khaled I.

Pegida von Kopenhagen bis Prag

Viele Pegida-Ableger in Europa

Die islamfeindliche Pegida-Bewegung hat in Dresden und anderen deutschen Städten in den vergangenen Monaten Zulauf erhalten. Aber auch im europäischen Ausland stoßen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf Sympathie: In mehreren Ländern gibt es inzwischen Ableger der Bewegung. Von einer Teilnehmerzahl wie in Dresden am Montag vergangener Woche, als 25.000 Menschen auf die Straße gingen, waren die ersten Pegida-Proteste im Ausland allerdings weit entfernt. Nachfolgend eine Auswahl der europäischen Ableger.

Tschechien

In der tschechischen Hauptstadt Prag demonstrierten am vergangenen Freitag etwa 600 Menschen gegen den Islam. Es war die erste islamfeindliche Demonstration in Tschechien, wo Schätzungen zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Muslime leben. Lediglich rund 20 Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Organisatoren schlossen einen Zusammenschluss mit den Gleichgesinnten im nur 150 Kilometer entfernten Dresden nicht aus.

Dänemark

In Kopenhagen war für Montagabend der erste Protestzug des dänischen Pegida-Ablegers geplant. 300 Menschen hätten im Online-Netzwerk Facebook ihr Kommen zugesagt, sagte der Organisator des Protests, der Schulpsychologe Nicolai Sennels.

Norwegen

Am Montag vergangener Woche folgten in der norwegischen Hauptstadt Oslo rund 200 Menschen dem Aufruf des örtlichen Pegida-Ablegers. Man wolle die Aufmerksamkeit auf die Probleme im Zusammenhang mit der Einwanderung von Muslimen lenken, sagte der Organisator des Marschs, Gymnasiallehrer Max Hermansen. Auch Ausländer waren unter den Demonstranten, die ohne Zwischenfälle um das Osloer Rathaus herummarschierten. Nur eine Handvoll Gegendemonstranten stellten sich dem Protest entgegen.

Schweden

Der schwedische Pegida-Ableger zählt auf Facebook mehr als 8100 Anhänger. Die Gruppe verweist in zahlreichen Einträgen auf ihre Vorbilder in Dresden.

Österreich

Der österreichische Ableger, der auf Facebook mehr als 10.000 Sympathisanten zählt, bedauerte die Absage der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag infolge von Anschlagsdrohungen. Ebenso wie die Dresdner Bewegung rief Pegida Österreich ihre Anhänger auf, anstelle des Protests am Montagabend eine Kerze ins Fenster zu stellen und die Landesflagge aus dem Fenster zu hängen.

Schweiz

In der Schweiz tauchte vergangene Woche auf Facebook ein örtlicher Pegida-Ableger auf und erhielt mehr als 3000 Unterstützer. Die Gruppe rief für den 16. Februar zu einem Protestmarsch gegen den Islam auf. Der Ort der Demonstration wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Auch die Mitglieder wurden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Sprecher Ignaz Bearth. Dieser ist Chef der Direktdemokratischen Partei Schweiz, die enge Verbindungen zur rechtsextremen französischen Front National pflegt. Zuvor gehörte Bearth der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) an.

Belgien

In Belgien tauchte auf Facebook die Gruppe Pegida Vlaanderen auf, die sich mit der deutschen Pegida solidarisch erklärte. „Von Flandern aus unterstützen wir die Pegida-Bewegung in Deutschland“, heißt es in dem Eintrag der Gruppe. Rund 4500 Nutzer klickten auf die Sympathie-Bekundung „Gefällt mir“. Die Gruppe regte eine Demonstration in Antwerpen am kommenden Samstag an, legte aber keinen Termin fest.

Spanien

Auch in Südeuropa hat die Pegida-Bewegung Sympathisanten. In einem Eintrag im Kurzbotschaftendienst Twitter hieß es vergangene Woche, der spanische Ableger sei am 8. Januar gegründet worden – einen Tag nach dem islamistischen Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris.

Schließlich, Freitag, abstrakte Warnungen vor islamistischen Terroranschlägen für Bahnhöfe in Dresden und Berlin. Und nun am Wochenende die von der Polizei als ernst zu nehmend eingeschätzte Morddrohung gegenüber Lutz Bachmann, 41-jähriger Mitinitiator und Pegida-Frontmann.

Die Polizei untersagte per Allgemeinverfügung alle öffentlichen Kundgebungen in der Stadt. In Dresden blieb es in der Nacht vergleichsweise ruhig. Nur wenige Hundert kamen zum Theaterplatz, viele Autofahrer hupten aus Protest oder Solidarität, wie es Pegida sich gewünscht hatte.

Kommentare (57)

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Account gelöscht!

20.01.2015, 15:21 Uhr

Diese Stadt (Dresden) ist nicht gespalten, sonder lebt Demokratie und Meinungsfreiheit. Dies wollen jedoch die vielen angereisten Anti-Pegida Demonstranten (Antifa, Grüne, Sozen) nicht zulassen. Der Terror ist beim IS genauso zuhause, wie bei den regelmäßigen Anti-Demoaufmärschen der links Autonomen Szene von Grünen, Linken Parteien genauso gestützt, wie von Greenpeace, BUND und zusehends den Kirchen.

Frau Frauke Müller

20.01.2015, 15:23 Uhr

Warum lasst Ihr uns nicht einfach per Bürgerentscheid über die Zuwanderung abstimmen?

Dann könnten wir uns das ganze blöde Demonstrieren sparen.

Aber die Blockparteien haben Angst vor dem demokratischen Votum des Volkes!

Herr Md Ew

20.01.2015, 15:24 Uhr

Wieso "asylkritisch"?
Abgelehnte Asylbewerber abzuschieben (=nicht zu dulden) ist asylkritisch???

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