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22.01.2015

13:53 Uhr

Pegida

Leipzig denkt über Auflagen für Legida nach

Großes Aufräumen in Leipzig: Polizei und Stadt sind trotz Tumulten bei der Legida-Demo zufrieden. Ohne Konsequenzen sollen die Zwischenfälle aber nicht bleiben. Leipzig denkt über Auflagen nach.

Polizisten wurden am Mittwoch in Leipzig von Böllern, Flaschen oder Laserpointern verletzt. dpa - picture-alliance

Polizisten wurden am Mittwoch in Leipzig von Böllern, Flaschen oder Laserpointern verletzt.

LeipzigNach der Randale rund um die islamkritische Legida-Demonstration will Leipzig Konsequenzen ziehen. Angesichts von Pöbeleien, Aggressivität und Gewalt werde über Auflagen für die kommende Woche angemeldete Kundgebung nachgedacht, sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Er sei erleichtert, dass die Polizei die Lage am Mittwochabend im Griff gehabt habe und so viele Menschen trotz Absperrungen Flagge gegen den Pegida-Ableger Legida gezeigt hätten. „Die Legidas haben klar die Maske fallen lassen“, sagte er weiter. Es habe sich gezeigt, dass sie eine andere, eine „deutschnationale Gesellschaft“ wollten. Nach Angaben der Stadt nahmen an dem Legida-Aufmarsch 15.000 Menschen teil, bei den Gegendemonstrationen waren es mehr als 20.000.

Trotz Einsatzes von 4000 Polizisten war es am Abend zu Auseinandersetzungen gekommen. Einige Beamte wurden von Böllern, Flaschen oder Laserpointern verletzt. Auf dem Hauptbahnhof und im Citytunnel setzten Unbekannte Anlagen der Bahn in Brand, was den Zugverkehr behinderte. Auch Journalisten seien attackiert worden, so die Polizei. Die Opfer hätten sich jedoch noch nicht bei den Behörden gemeldet. Drei Randalierer wurden nach Polizeiangaben noch in der Nacht zu Donnerstag festgenommen. Abseits der Demonstration brannten mehrere Mülltonnen. Auch ein Auto ging in Flammen auf.

Die Polizei zog dennoch ein positives Fazit ihre Großeinsatzes. Auf beiden Seiten habe sich ein erhebliches Gewaltpotenzial gezeigt, sagte ein Sprecher. Nur der hohen Polizeipräsenz sei es zu verdanken, dass es keine größeren Ausschreitungen gegeben habe. Der sächsische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Hagen Husgen, sagte: „In einem solchen Rahmen werden wir das nicht lange stemmen können. Das war eine absolute Ausnahmesituation.“

Wer sind die Pegida-Demonstranten?

Geschlecht

75 Prozent der Pegida-Teilnehmer sind Männer.

Alter

Die größte Altersgruppe machen mit 37 Prozent die 40- bis 59-Jährigen aus.

Bildung

28 Prozent sind Hochschulabsolventen, 18 Prozent haben das Abitur als letzten Abschluss, 9 Prozent haben eine Meisterprüfung abgelegt.

Beruf

Fast die Hälfte (47 Prozent) sind Angestellte oder Arbeiter, 18 Prozent Rentner und nur 2 Prozent geben an, keine Tätigkeit auszuüben oder Arbeit zu suchen.

Einkommen

Fast 40 Prozent der Teilnehmer verfügen über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 1500 Euro netto.

Politische Einstellung

62 Prozent geben an, keiner Partei verbunden zu sein. 17 Prozent stehen der AfD nahe, 9 Prozent der CDU, 4 Prozent der rechtsextremen NPD, 3 Prozent der Linken. Jeweils 1 Prozent sympathisiert mit SPD, Grünen und der FDP.

Glaube

73 Prozent sind konfessionslos, 21 Prozent protestantisch und 4 Prozent katholisch. 2 Prozent gehören anderen Glaubensgemeinschaften an.

Die Quelle

Wissenschaftler der TU Dresden haben bei drei Pegida-Demonstrationen zwischen dem 22. Dezember und dem 12. Januar rund 400 Teilnehmer befragt.

Die „Leipziger Volkszeitung“ berichtete, die Angriffe auf Journalisten seien aus dem Legida-Lager gekommen. Die Fotoausrüstung eines Reporters sei zerstört worden. Der MDR berichtete, Journalisten seien bespuckt und verprügelt worden.

Die islamkritische Pegida-Bewegung in Dresden muss sich nach dem Rücktritt ihres Chefs und Mitgründers Lutz Bachmann neu formieren. Der 41-Jährige hatte am Mittwochabend alle Ämter niedergelegt - gegen ihn wird wegen Volksverhetzung ermittelt.

Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) prüfen nach eigenen Angaben eine Unterlassungsklage gegen den Leipziger Ableger Legida. Dessen Organisatoren hätten sich bislang geweigert, einen Forderungskatalog zu übernehmen. „Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen“, hatte Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel am Mittwochabend gesagt. „Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen.“

Von

dpa

Kommentare (15)

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Herr Viktor Jarosh

22.01.2015, 14:28 Uhr

Hoffentlich lässt sich PEGIDA nicht durch diese fadenscheinige Strategie der persönlichen Angriffe und des Auseinanderdividierens zerstören!

Ich bin auf einer Asienreise durch moslimische Länder. Überall suche ich als PEGIDA-Anhänger das Gespräch. Und bisher stimmten ALLE meine Diskussionspartner zu: Deutschland MUSS Kriminelle und ISLAMISTEN rausschmeissen, um die "normalen" Moslems zu schützen.

Sehr ungehalten waren viele über die Moh.-Karikaturen. Aber wir karikieren seit 200 Jahren alle Religionen. Und wem das nicht passt, der soll einfach nicht zu uns kommen. Diesem Argument stimmten dann auch wieder ALLE zu. Nur der linke deutsche Gutmensch erliegt dieser einfachen unschlagbaren Logik nicht. ZUM KOTZEN!

Herr C. Falk

22.01.2015, 14:41 Uhr

Für Diejenigen, die sich für politische Strategien und sich daraus entwickelnde Taktiken interessieren, war es nicht ohne Genuß zu beobachten, wie just zu dem Zeitpunkt als sich Pegida neu justierte, in Sachen Öffnung gegenüber den Medien, durch die Veröffentlichung der Ideotismen des Herrn Bachmann, die dieser sich vor Monaten geleistet hat, die ganze Angelegenheit auf eine andere Ebene gestellt wurde.

Selbstverständlich sind die Gegenstrategien in Hinblick auf Pegida und die taktische Meisterleistung der Veröffentlichung der Bachmann´schen Entgleisungen zum
gegebenen Zeitpunkt , geeignet der Pegida massiv zu schaden.

Legida in Leipzig als offenbar etwas optimaler organisierter Filiale wird möglicheweise die Führungsrolle der Gesamtbewegung zuwachsen.

Ob sich die Angelegenheit in den nächsten Wochen totlaufen wird oder nicht, hängt mit Sicherheit nicht von den Symphstisanten Pegida/Legida ab, sondern davon wie sich die Organisatoren sortieren, politisch wie in ihrer gegenseitigen Zusammenarbeit oder Nicht-Zusammenarbeit.

Herr Viktor Jarosh

22.01.2015, 14:43 Uhr

p.s.: in allen Ländern sahen alle auch eine zunehmende weltweite Islamisierung. Viele gebildete Manager bezeichneten sich selber als streng/sehr gläubig. Das macht mir ehrlich gesagt Angst. Wenn die ihre Religion nicht mal mit etwas Distanz sehen...

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