Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.10.2015

20:10 Uhr

Pegida

Mit der Flüchtlingskrise zurück auf rechter Überholspur

Am Montag feiert Pegida ihren ersten Jahrestag. Dresdens Polizei bereitet sich schon auf einen Großeinsatz vor. Politologen sehen die ausländerfeindliche Bewegung in einer entscheidenden Phase angelangt.

Die Bewegung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) ist Ende 2014 gegründet worden. dpa

Pegida-Demonstration in Dresden

Die Bewegung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) ist Ende 2014 gegründet worden.

Dresden „In der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin erwähnt zu werden, auch vom Bundespräsidenten, vom Vizekanzler, von Ministern, dann gleich mit so knackigen, journalistisch bestens verwendbaren Vokabeln wie „Pack“ und „Ratten“ oder „Leute mit Hass im Herzen““ – Für den Dresdner Politologen Werner J. Patzelt ist Pegida eine der erfolgreichsten politischen Bewegungen der vergangenen Jahre.

Das liegt nicht zuletzt an der Beachtung von Pegida durch höchste Stellen, auch wenn diese durchweg negativ gemeint war, meint Patzelt.

Für Montag bereitet sich Dresdens Polizei auf einen Großeinsatz vor. Angemeldet sind eine Versammlung zum ersten Jahrestag des islam- und fremdenfeindlichen Bündnisses sowie mehrere Aufzüge und Kundgebungen eines Netzwerkes gegen Pegida, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Sie rechnet mit Zehntausenden Demonstranten in der Innenstadt.

Was Bürger für Flüchtlinge tun können

Wie erfahre ich, wo Hilfe benötigt wird?

Ein paar Telefonanrufe helfen in der Regel weiter: Die örtlichen Kirchengemeinden, das Rote Kreuz, Caritas oder Diakonisches Werk wissen normalerweise, wo es in der Nähe Flüchtlingsunterkünfte gibt und wer gerade Helfer sucht. Ansprechpartner auf der Verwaltungsebene ist meist das Ordnungsamt, da meist hier die Bereiche Asyl und Migration angesiedelt sind. In jedem Bundesland gibt es zudem einen Flüchtlingsrat, der Kontakte vermitteln und weiterhelfen kann.

Wie kann ich mich tatkräftig engagieren?

Neu ankommende Flüchtlinge sind auf zupackende Unterstützung angewiesen: Helfer können Flüchtlinge mit dem neuen Wohnumfeld vertraut machen, sie zu Behörden und zum Arzt begleiten, Deutschunterricht geben, Hausaufgabenbetreuung anbieten und Kontakte zu Sportvereinen und Freizeiteinrichtungen herstellen. Manche Flüchtlingseinrichtungen vermitteln "Patenschaften", um den Flüchtlingen feste Ansprechpartner für Alltagsfragen anzubieten. Sprachliche und berufliche Vorkenntnisse sind bei Helfern oft nicht so wichtig – was zählt, ist die Einsatzbereitschaft.

Werden Sachspenden benötigt?

Oftmals ja – wobei immer gilt: Zunächst direkt bei der Flüchtlingsunterkunft nachfragen, was gerade gebraucht wird. Nachfrage besteht oft nach Spielzeug, Kleidung, Hygiene- und Gesundheitsartikeln, Bustickets, Telefonkarten, Sanitäranlagen oder Möbeln. Auch Handwerkerleistungen sind gefragt.

Machen Geldspenden Sinn?

Viele Flüchtlingshilfe-Organisationen sind auf private Spenden angewiesen. Auf internationaler Ebene gibt es etwa das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, in Deutschland gibt es Vereinigungen wie Pro Asyl und auf kommunaler Ebene gibt es eine Vielzahl von Projekten. Die Spenden können steuerlich als Sonderausgaben abgesetzt werden, wenn die Empfänger als gemeinnützig anerkannt sind. Flüchtlingshelfer regen an, etwa bei Jubiläumsfeiern oder Geburtstagen auf das Beschenktwerden zu verzichten und Gäste um Spenden für Flüchtlinge zu bitten.

Kann ich Flüchtlinge bei mir daheim aufnehmen?

In manchen Bundesländern ist das bereits erlaubt, in anderen nicht. Ansprechpartner vor Ort ist in der Regel das Ordnungsamt, an das entsprechende Angebote für Privatunterkünfte zu richten sind. Hilfe bei der Vermittlung leistet die private Internetseite www.fluechtlinge-willkommen.de. Flüchtlingshelfer berichten, dass die Behörden nicht immer auf solche Angebote reagieren - möglicherweise aus Überlastung oder aus logistischen Gründen, weil es für die Verwaltung einfacher ist, Flüchtlinge zentral an einem Ort unterzubringen. In solchen Fällen raten Flüchtlingshelfer: Nicht aufgeben, immer wieder nachfragen.

Wie kann ich Verständnis für Flüchtlinge wecken?

Der Schulunterricht ist ein guter Ort, auf die gegenwärtige Lage einzugehen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bietet umfassendes deutschsprachiges Unterrichtsmaterial und vermittelt Schulbesuche von Flüchtlingen. Ganz allgemein raten Flüchtlingshelfer: Treten Sie beherzt ein gegen fremdenfeindliche Sprüche in ihrer Umgebung, suchen Sie Kontakt mit Flüchtlingen.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer Neujahrsansprache von eben diesem Hass in den Herzen spricht, ist die Bewegung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ gerade einmal zweieinhalb Monate alt. Anfangs nur wenige hundert, brachte sie damals bei ihrem letzten „Abendspaziergang“ durch die Dresdner Altstadt aber schon 17.500 Menschen auf die Straße, um gegen eine angebliche Überfremdung zu protestieren.

„Wir haben wirklich von Woche zu Woche - ohne zu übertreiben - immer verdoppelt. Wegen der politischen Entwicklung und, auch das muss ich ehrlich sagen, die Medien und die Politik haben uns auch in die Karten gespielt“, erinnert sich René Jahn, der damals zusammen mit Lutz Bachmann, Kathrin Oertel und neun weiteren Bekannten das sogenannte Orga-Team bildete.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×