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12.01.2015

13:30 Uhr

Pegida und Dresden

Die Hauptstadt der Islamkritiker

VonAlexander Schneider

In den meisten Städten mobilisiert die islamkritische Pegida nur ein Häuflein Demonstranten. In Dresden aber waren es zuletzt 18.000 – und heute, nach dem Pariser Terror, werden es vielleicht noch mehr. Warum Dresden?

Demo in Dresden

35.000 Menschen protestieren gegen Pegida

Demo in Dresden: 35.000 Menschen protestieren gegen Pegida

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DresdenDrei Monate nach der ersten Pegida-Demo in Dresden wächst die Kundgebung noch immer von Montag zu Montag. Für heute rechnen die Organisatoren der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands“ mit einer weiteren deutlichen Steigerung. Die Polizei geht intern von deutlich mehr als 20.000 aus – 18.000 waren es das letzte Mal. Jetzt, nach den islamistisch motivierten Anschlägen von Paris, könnte die Zahl noch anwachsen. Obwohl nun auch in Leipzig erstmals „Legida“  demonstrieren will.

Während in Bayern oder Nordrhein-Westfalen kaum mehr als ein paar Hundert Menschen gegen „Glaubens-“ und „Stellvertreterkriege“ auf deutschem Boden auf die Straße gehen, sind es in Dresden regelmäßig Tausende. Der Hausmeister läuft neben dem Handwerksmeister, der Arbeitslose neben dem Rentner, auffällig viele Männer Anfang 30. Sogar Polizisten sind darunter und mancher Jurist.

Beobachtungen von der letzten Pegida-Demonstration: Eine Frau Mitte 50 fürchtet, es werde wohl bald eine Moschee in Dresden errichtet. „Ich gehe an Weihnachten nicht in eine Moschee.“ Ein Polizist sagt, es tue gut, einmal den „Frust ’rauszulassen“. Seine Tageszeitung habe er gekündigt, weil ihm nicht passte, wie die über Pegida berichtet. Probleme würden nicht mehr beim Namen genannt. Junge Männer aus Nordafrika seien alle kriminell, sagt er.

Karikaturisten gegen Islamkritiker: „Pegida, verschwinde!“

Karikaturisten gegen Islamkritiker

„Pegida, verschwinde!“

Pegida macht mobil: In mehreren Städten wollen die Islamkritiker an diesem Montag wieder demonstrieren – erstmals seit den Anschlägen von Paris. Französische Karikaturisten wehren sich mit ihren eigenen Mitteln.

Die asylkritischen Demos sind in. Viele Pegida-Teilnehmer nehmen weite Anfahrtswege in Kauf, um dabei sein zu können. Wieder zu Hause berichten sie euphorisch, wie bewegend es für sie sei, nach Jahren wieder politisch tätig zu sein. „Danke Dresden, wir kommen wieder“, posten sie auf Facebook.

Aber warum Dresden? Ist die Furch vor dem Islam ein ostdeutsches Problem? Der Westen Deutschlands habe eine längere Zuwanderungsgeschichte, sagte der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt im Interview mit der „Sächsischen Zeitung“. In der DDR seien Ausländer meist abseits untergebracht worden, „ohne Chance auf ein Vertrautheit stiftendes Zusammenleben“. Dazu kommt, so Patzelt: Viele Menschen hätten den Eindruck, sie würden in der Zuwanderungsdebatte vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gebe auch „keine öffentliche Debatte, wie viele Migranten unser Land aufnehmen kann oder soll. Also kommt vielen unsere Demokratie wie eine hohle Fassade“. Die Folge sei: „Man misstraut dem Staat, wählt Protestparteien und neigt zum Radikalismus.“

Politiker kritisieren Pegida

"Pegida-Demonstration ist pure Heuchelei"

Politiker kritisieren Pegida: "Pegida-Demonstration ist pure Heuchelei"

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In der sächsischen Landeshauptstadt hat alles angefangen. Zuerst liefen am 20. Oktober etwa 350 Menschen durch die Innenstadt. Sie behaupteten schon damals „Wir sind das Volk!“ und bedienten sich der Begriffe der friedlichen Revolution. Gesprochen wurde nicht viel beim Marsch zur Frauenkirche. Auffällig waren die mehr als 50 Fußball-Hooligans von Dynamo Dresden mit tätowierten Beinen sowie stadtbekannte Rechtsextreme, die zwischen Rentnerpaaren in Abendrobe marschierten. Ein skurriles Bild.

Kommentare (85)

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Herr jochen voss

12.01.2015, 13:42 Uhr

zumindest hat pegida mitgeholfen, dass jetzt über die schleppermethoden und das EU-vertragswidrige verhalten italiens offen gesprochen wird. das verhalten der politiker in deutschland ist mehrfach verantwortungslos: 1. wenn in der türkei und syrien offen für "asylfahrten" nach italien geworben wird entgeht das allen europäischen aufklärungsapparaten? GPS, Radar - nichts zeigt das ablegen aus den entsprechenden Häfen? das durchwinken der asylanten in andere länder durch italien und griechenland (zum Teil noch mit Aushändigen eines Reisekostenzuschusses) bleibt ungesühnt und undiskutiert? die politik macht es sich zu bequem und beschwichtigt mit ausreden, dass man nichts tun kann.

Herr peter Spirat

12.01.2015, 13:49 Uhr

ich glaube dieser abscheuliche Brandanschlag auf die HH-Morgenpost wäre in Dresden nicht mehr möglich. Denn Islamisten wissen, dass sie sich in Dresden wie normale Menschen verhalten müssen.

Frau Baur- Warendorf

12.01.2015, 13:57 Uhr

Pegida hat schon gewirkt, dank der überwältigenden Präsentation in den Medien.

Die Menschen befassen sich nun mit der Thematik.

Auch die AfD hat u.a. etwas bewirken können, z.B. dass nun endlich die CDU darüber nachdenkt, ein Punkte System für Einwanderer gemäß Kanada, einzuführen.

Die AfD ist schon auf dem richtigen Weg. Kann aber nicht allein entscheiden, sonst wäre Deutschland in vielen Dingen bereits wesentlich weiter.

So hadern und diskutieren wir derweil, während die Probleme sich weiterhin ausbreiten - nicht nur auf Zuwanderung und Eurokrise bezogen.

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