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16.06.2016

18:05 Uhr

Pegida verliert Führungsfrau

Ex-AfD-Mitglied Festerling fliegt raus

Mit Tatjana Festerling verliert Pegida schon die zweite weibliche Führungsfigur. Das Bündnis wirft ihr schädigendes Verhalten vor. Sie wiederum bezichtigt Pegida-Gründer Bachmann der Lüge. Zerlegt sich Pegida?

Als „Pegida-Kandidatin“ trat Festerling für die AfD bei der Oberbürgermeisterwahl in Hamburg an. Nun wirft das antiislamische Bündnis sie raus. AFP; Files; Francois Guillot

Tatjana Festerling

Als „Pegida-Kandidatin“ trat Festerling für die AfD bei der Oberbürgermeisterwahl in Hamburg an. Nun wirft das antiislamische Bündnis sie raus.

DresdenFrauen haben es nicht leicht mit Lutz Bachmann. Zumindest nicht, wenn sie an der Seite des Pegida-Gründers bei den Kundgebungen des fremden- und islamfeindlichen Bündnisses auf der Rednerbühne stehen. Das Licht der Öffentlichkeit genießt der 43-Jährige sichtlich, teilt es aber wohl nicht gerne und scheut auch den Schatten. Nach Pegida-Mitgründerin Kathrin Oertel, die das Bündnis im Streit um die Führung bereits im Januar vergangenen Jahres verlassen hatte, bekommt das nun auch Tatjana Festerling zu spüren.

Die 52-Jährige frühere Hamburger AfD-Politikerin war nach Oertel zum neuen weiblichen Gesicht von Pegida geworden und hatte in Dresden mit ihren hetzerischen Reden gegen Flüchtlinge, Politik und Medien den Rechtsdrift der selbst ernannten Patrioten maßgeblich mit vorangetrieben. Im Sommer vergangenen Jahres war sie bei der Oberbürgermeisterwahl als Pegida-Kandidatin ins Rennen gegangen und hatte aus dem Stand fast zehn Prozent geholt. 21.000 Stimmen. Nun fliegt sie raus.

Rechtspopulisten in den Kabinetten Europas

Finnland

Außenminister und Vize-Ministerpräsident ist seit Mai 2015 Timo Soini. Der Politikwissenschaftler ist Chef der rechtspopulistischen Partei „Die Finnen“.

Lettland

Drei Minister sitzen für die rechtspopulistische Nationale Allianz in der lettischen Regierung, darunter der Justizminister und seine Kollegin aus dem Kulturressort.

Ungarn

Seit 2010 regiert die rechtspopulistische Partei Fidesz das Land mit absoluter Mehrheit. Ministerpräsident Viktor Orban wird unter anderem für Einschränkungen der Pressefreiheit kritisiert.

Norwegen

Eine Asylkritikerin führt in Norwegen das Immigrationsressort: Sylvi Listhaug von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei ist seit Dezember 2015 Ministerin für Einwanderung und Integration.

Schweiz

Zwei der sieben Mitglieder der Regierung der Schweiz kommen aus der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP). Der von der SVP initiierte Volksentscheid über Minarett-Neubauten im Jahr 2009 erregte auch international Aufmerksamkeit.

Griechenland

Der Chef der rechten Unabhängigen Griechen (Anel), Panos Kammenos, steht seit September 2015 dem Verteidigungsministerium vor.

Die Ankündigung des Pegida-Organisationsteams, sie wegen „vereinsschädigenden Verhaltens“ aus dem Pegida-Verein auszuschließen, spaltet die Anhängerschaft. „Wie kann man so eine starke Frau einfach gehen lassen?“, fragt jemand bei Facebook, nicht ohne das auch gleich mit Kritik an Bachmann und seinen verbliebenen Mitstreitern zu verbinden. „Seit geraumer Zeit kommt von Euch fast jedes Mal dasselbe. Es wird geredet, geredet und dann? Nix.“

Doch „einfach gehen lassen“ beschreibt es nicht. „Am 18. April auf dem Altmarkt wurde mir von Lutz Bachmann auf dem Sprecherwagen ein Redeverbot erteilt“, erklärt Festerling im Internet und bezichtigt Bachmann der Lüge. Sein „Orgateam“ bestreitet nämlich, dass es ein solches Verbot überhaupt gibt. Der Vereinsausschluss sei überdies nicht geplant, sondern längst vollzogen, meint Festerling – noch eine „Lüge“.

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