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27.08.2015

19:21 Uhr

Pensionäre, Zoll, Bundeswehr

De Maizière sucht unkonventionell Mitarbeiter für Flüchtlingsbehörde

Pensionäre sowie Mitarbeiter von Zoll, Innenministerium und Bundeswehr sollen helfen, den Stau bei den Asylanträgen abzuarbeiten. Innenminister De Maizière peilt eine Zahl von bis zu 700 Menschen an.

600 bis 700 Pensionäre, die temporär aus dem Ruhestand zurückkehren, wären hilfreich, so Innenminister De Maizière (r.). dpa

De Maizière besucht Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

600 bis 700 Pensionäre, die temporär aus dem Ruhestand zurückkehren, wären hilfreich, so Innenminister De Maizière (r.).

NürnbergZur Beschleunigung der Asylverfahren will Innenminister Thomas de Maizière kurzfristig und auf unkonventionelle Weise mehrere hundert neue Mitarbeiter rekrutieren. Dazu gehörten Abordnungen aus anderen Behörden wie seinem Ministerium sowie von Zoll und Bundeswehr an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), sagte der CDU-Politiker am Donnerstag bei einem Besuch der Behörde in Nürnberg. Mitarbeiter, die kurz vor dem Ruhestand stünden und das wollen, könnten zwei Jahre länger arbeiten, Pensionäre könnten aus dem Ruhestand zurückkommen. „Hilfreich wäre eine Zahl zwischen 600 und 700 Personen“, sagte de Maizière.

Bereits beschlossen ist zudem, dass die Behörde in diesem und im kommenden Jahr jeweils 1000 zusätzliche Vollzeitstellen erhält. Die Stellen für dieses Jahr sind nach Angaben von Behördenchef Manfred Schmidt etwa zu einem Drittel bereits besetzt. „Möglicherweise werden wir noch mehr Haushaltsstellen brauchen“, sagte de Maizière. „Bis dahin gehen wir unkonventionelle Wege, damit wir so schnell wie möglich zu Entscheidungen kommen.“

In diesem Jahr werden in Deutschland bis zu 800.000 Asylbewerber erwartet. Außerdem stapeln sich beim Bamf rund 250.000 noch unerledigte Asylanträge – und diese Zahl steigt weiter. Auch mit Hilfe von vier Entscheidungszentren soll diese Zahl abgebaut werden. Nach dem Start im Oktober und November sollen hier innerhalb von sechs Monaten rund 200.000 Entscheidungen gefällt werden, sagte de Maizière. Über weitere Verbesserungen, wie etwa einheitliche IT-Systeme, werde derzeit in einem Koordinierungsstab zwischen Bund und Ländern besprochen. Einen solchen Stab habe es zuletzt 2003 nach der großen Flut gegeben.

Wie Menschen in Deutschland Flüchtlingen helfen

Einwohner

Marxloh hat 19.000 Einwohner und ist ein junger und bunter Ortsteil. Das Durchschnittsalter beträgt 37,2 Jahre, jeder vierte Marxloher ist unter 18 Jahren. Der Ausländeranteil liegt bei 45 Prozent. Angehörige von 92 Nationalitäten leben dort.

Fahrräder

Zwei junge Ingenieure gründeten 2012 in Karlsruhe das Projekt „Bikes without Borders“. Flüchtlinge können neben der Erstaufnahmestelle gebrauchte Fahrräder bekommen, die gespendet und von Ehrenamtlichen repariert wurden. Bis vor einigen Monaten wurden die Räder verliehen; inzwischen werden sie für zehn Euro verkauft und müssen nicht mehr zurückgebracht werden. „Die Nachfrage hat enorm zugenommen“, sagte am Dienstag Mitinitiator Tobias Fleiter.

Fußballverein

Gerade erst hat Deutschlands erste reine Flüchtlingsmannschaft „Welcome United 03“ in Potsdam den Liga-Spielbetrieb aufgenommen. Der Verein SV Babelsberg 03 hat das Team als dritte Herrenmannschaft angemeldet.

Garten

In Berlin legen Helfer zusammen mit Flüchtlingen bewegliche Hochbeete an - sie nennen das „mobile Seelengärten“. „Wir verstehen den Garten als Gegenpol zu den schrecklichen Erfahrungen, die viele Flüchtlinge gemacht haben“, erläuterte Traumatherapeutin Tina Diest, die die Gartenprojekte begleitet, vor rund zwei Wochen.

Hilfe beim Einkauf

Die Freiwilligenagentur in Halle verzeichnet seit Mai einen enormen Anstieg an Angeboten, um Flüchtlingen im Alltag zu helfen. „Wir haben alle Hände voll zu tun“, sagte eine Sprecherin. Die Angebote: Sprache lernen, Begleitung beim Einkaufen („Warum braucht man einen Chip am Einkaufswagen?“), Arzt- und Behördenbesuche, Umzug samt Installation von Waschmaschinen.

Internet

Nach Recherchen des Blogs „Netzpolitik.org“ stellen nur etwa 15 Prozent der Flüchtlingsunterkünfte Internetzugänge. Die Daten seien nicht vollständig, heißt es, viele Behörden hätten keinen umfassenden Überblick. Initiativen wie „Freifunk Dortmund“ oder „Refugees Online“ nehmen die Sache in die Hand. Sie bringen Flüchtlinge ins Netz, damit sie etwa ihre Familie sprechen können.

Online Challenge

Fernsehköchin Sarah Wiener verteilte bei der „Welcome Challenge“ Essen an Flüchtlinge. Die Aktion funktioniert ähnlich wie die „Ice Bucket Challenge“: Im Internet veröffentlicht man Bilder und nominiert weitere Kandidaten, die mitmachen sollen.

Patenschaften

Flüchtlingsfamilien haben im rheinland-pfälzischen Jugenheim einen Paten. Eine Initiative mit dem Motto „Willkommen im Dorf“ kümmert sich um 40 Flüchtlinge, die in einem umgebauten Pfarrhaus leben. Ehrenamtlich Paten gibt es auch andernorts.

Sporttraining

Amateurboxerin Lina Schönfeld trainiert in Braunschweig Flüchtlinge. Einmal pro Woche kommen junge Männer aus den umliegenden Unterkünften, um beim Boxen zu schwitzen. „Tendenziell wird die Gruppe immer größer“, sagt die 28-Jährige. Die Teilnehmer zählen auf Deutsch und erhalten kleine Anweisungen.

Theater

Syrische Flüchtlinge stehen im hessischen Biedenkopf auf einer Bühne. Noch bis Anfang September wird dort ein Stück über einen legendären Postraub gezeigt. Die fünf Flüchtlinge hoffen, so ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Und sind stolz auf das Vertrauen, das die Regisseurin in sie setzt, wie einer von ihnen berichtet.

Umweltbelastung

Ob Feinstaub-Belastung, Verkehr oder Straßenlärm: Duisburg-Marxloh zählt zu den Stadtvierteln mit der höchsten Umweltbelastung. Ein großer Teil der Gebäude ist auch sanierungsbedürftig.

WG-Börse für Flüchtlinge

Die Berliner Initiative „Flüchtlinge Willkommen“ vermittelt WG-Zimmer an Flüchtlinge. Schon 80 Mal hat das bundesweit geklappt, heißt es auf der Homepage. Finanziert werden die Zimmer über Spenden oder mit staatlichem Geld.

Wissenschaft

Frankfurter Studentinnen wollen Flüchtlingen mit akademischem Hintergrund Orientierung im Wissenschaftsbetrieb geben. Mit ihrer Organisation Academic Experience Worldwide vermitteln sie dazu unter anderem Tandempartner. Sie wollen dem Klischee vom „armen, ungebildeten Flüchtling“ entgegenwirken, sagen die Initiatorinnen.

Zuhause

Die Familie des Bundestagsabgeordneten Martin Patzelt (CDU) nahm zwei Flüchtlinge aus Eritrea bei sich auf. Der ehemalige Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) wirbt dafür, sich stärker für Flüchtlinge zu engagieren. Drohungen wurden für ihn trauriger Alltag. „Täglich bekomme ich E-Mails mit Beleidigungen. Manchmal sind sogar Morddrohungen darunter“, erzählte der Politiker Anfang August.

Zuwanderung

Viele Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien kommen nach Marxloh. Seit Ende 2012 hat sich ihr Anteil in der Bevölkerung fast verdreifacht (Stand 31.12.2014: 3000). Knapp die Hälfte der im vergangenen Jahr nach Marxloh gezogenen Bulgaren und Rumänen waren Kinder und Jugendliche (46 Prozent).

De Maizière drängte zudem erneut auf die schnelle Einrichtung von großen Aufnahmeeinrichtungen in Italien und Griechenland. Dort solle es eine erste Prüfung des Schutzbedarfs geben. Die Flüchtlinge sollten von dort aus gerecht auf die EU-Staaten verteilt werden. „Spätestens bis Ende dieses Jahres müssen wir diese Zentren funktionsfähig haben.“

Mit Blick auf die gestiegene Zahl von Gewalttaten gegen Asylbewerberheime und andere rechte Straftaten, sagte de Maizière: „Bei einigen ist eine neue Form von Aggressivität in die Sprache gekommen. Das macht uns natürlich allen große Sorgen und wir müssen dem mit der Härte des Rechtsstaats entgegentreten, wo Straftaten begangen werden.“ Das Thema Flüchtlinge biete die Chance zur Repolitisierung der Gesellschaft. „Hier ist ein Thema, wo sich das Streiten lohnt. Aber dieser Streit muss mit Anstand, unter Beachtung der Menschenwürde und der politischen Kultur, achtsam und höflich stattfinden.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Hans Mayer

27.08.2015, 20:45 Uhr

Ich höre bei der Arbeit des öfteren das alte Lied "Du schwarzer Zigeuner" , denken sie ich habe da Chancen?

Herr Manfred Zimmer

28.08.2015, 10:25 Uhr

"De Maizière sucht unkonventionell Mitarbeiter für Flüchtlingsbehörde"

Stimmt doch gar nicht! In der EU-Commission sitzen tausende, die sich auf eine Aufgabe freuen würden. Stattdessen sind sie mit Gurken, Glühbirnen und Staubsaugern beschäftigt.

Aber nicht nur dort sitzen untätige Beamte rum, in den eigenen Behörden ist es nicht anders - bis hinauf in die Ministerien und die Regierung.

Gewiss geht es heute um die richtigen Prioritäten. Aber dazu brauchen wir andere Führungspersonlichkeiten als diesen de Maziere.

Herr Walter Gerhartz

28.08.2015, 11:59 Uhr

Offener Brief an Frau Merkel, Herrn Gabriel und die ganze Politikerschar - Wenn Sie schon das Volk wegen seiner Proteste an IHRER Flüchtlingspolitik kritisieren, sollten Sie einmal Folgendes Bedenken: - Diese Regierung und die traurigen Mehrzahl der Politiker unterstützen schon seit Jahren die schmutzigen Kriege der USA und der NATO, die diese Menschen zu Flüchtlingen gemacht haben. - Diese Regierung und die traurige Mehrzahl der Politiker haben mitgeholfen die Ukraine zu destablisieren und dort ein NAZI-Regime installiert, das durch IHRE Hilfe weiter und weiter das eigene Volk ermorden kann. - Diese Regierung und die traurige Mehrzahl der Politiker haben völkerrechtswidrige Sanktionen gegen Russland verhängt, dem man den Flottenstützpunkt auf der Krim entreissen wollte und das man wie die ganze EU unter die Hegemonie der USA zu zwingen versucht. - Wenn also diese traurige Mehrzahl der Politiker nun das Volk als NAZIS beschimpft, dann kann man ganz ruhig feststellen, dass diese Bezeichnung auf eine Vielzahl unserer Politiker ganz klar zutrifft, denn die oben genannte Kriegs- und Zersetzungspolitik ist genau das was man Hitler und anderen NAZIS immer vorwirft !!! - Diese Politik hat die ganze Vorarbeit zu dieser Massenflucht zusammen mit den USA, EU und NATO zu verantworten und wer solche Politik umsetzt, kann man ganz klar in die Reihen VÖLKERRECHTSWIDRIGER Elemente einreihen. - Soros und Goldman Sachs u. andere Finanzgrößen geben den Politikern des Westens vor was zu tun ist...Soros sagte vor der Ukrainekrise: ICH WILL MEIN INVEST IN DER UKRAINE NICHT VERLIEREN...DAS SOLLEN DIE EUROPÄER ZAHLEN !! - Die Deutschen möchten in IHREM LAND friedlich mit IHREN VOLK zusammen leben und die Früchte UNSERER ARBEIT geniessen. - Wir haben in den letzten Jahre weder anständige Lohn- noch Rentensteigerungen gehabt...alles ist vin der Inflation, und den Beitrags. und Gebührensteigerungen aufgefressen worden...währen SIE sich LUXUS-DIÄTEN auf unsere Kosten leisten. - Bundespräside

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