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23.12.2011

10:33 Uhr

Persönlichkeit 2011

Der Merkel-Moment

VonGabor Steingart

Das Handelsblatt kürt die Persönlichkeiten des Jahres 2011. Die Bundeskanzlerin steht auf dem Podest ganz oben - weil sie blieb, wie sie immer war. Damit schafft sie in der Zeit des Misstrauens Vertrauen. Eine Laudatio.

Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor. Frank Beer

Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor.

DüsseldorfGinge es hier um Angela Merkel, die CDU-Vorsitzende und Innenpolitikerin, müsste den Laudator bereits an dieser Stelle die Schreiblähmung befallen. Was gäbe es da zu laudatieren?

Zu Hause hat Angela Merkel nichts Nennenswertes zuwege gebracht. An der Reform der Sozial- und Steuersysteme, die ihr großes Versprechen und ihre historische Mission war, ist sie nicht gescheitert. Sie hat diese Reform nicht mal probiert. Sie ist eine Zauderliese. Sie weiß, was nottut. Aber sie fürchtet die Mehrheit derer, die es nicht wissen.

In der Europapolitik blicken wir auf dieselbe Frau, aber in anderer Beleuchtung. Das Virus der großen Krise, der vom Immobilienmarkt der USA zu uns hinüberwehte, um erst die Banken und dann die Staaten zu infizieren, hat uns empfindlich gemacht gegen Veränderungen aller Art. Veränderungen passieren, aber wir wollen sie nicht mehr. In Zeiten, wo ganze Staaten rauf und runter bewertet werden wie früher die Schweinehälften auf dem Wochenmarkt, wo Finanzmärkte geflutet und Krisengipfel in Permanenz veranstaltet werden, unterscheidet sich Merkels Zaudern wohltuend von der Alarmistik der anderen. Nicht sie, aber unsere Wahrnehmung von ihr hat sich verschoben: Zaudert sie noch, oder steht sie schon?

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Titelseite des US-Magazins Newsweek. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Titelseite des US-Magazins Newsweek.

Es ist die Kraft der Bedächtigkeit, die sie nun verkörpert. Das Wappentier ihrer Kanzlerschaft könnte die Schildkröte sein. Das Imposanteste an diesem Panzertier ist seine Fähigkeit, immer da zu sein. Die Schildkröte war vor den Dinosauriern auf der Welt und blieb da, als der Tyrannosaurus Rex schon im Völkerkundemuseum verschwunden war.

Auch Angela Merkel ist einfach da, stur und stoisch und selbstbewusst. Schildkrötengleich bewegt sie sich durch ein Gelände, das feindlicher kaum sein kann. Der eigene Präsident ist ein Schnorrer, aber eine Hilfe ist er ihr nicht. Der Koalitionspartner macht ebenfalls keine gute Figur. Kanzler Kiesinger konnte sich auf Brandt stützen, Brandt auf Scheel, Schmidt auf Genscher, Kohl auch auf Genscher, derweil Merkel den eigenen Außenminister mitschleppen muss, bis dass sein politischer Tod die beiden scheidet. An keinem einzigen Tag ihrer gemeinsamen Regierungszeit ist Guido Westerwelle seiner Kanzlerin eine Stütze gewesen.

Auch die öffentliche Stimmung ist alles andere als freundlich, was nicht an ihr, sondern an der Angst ums liebe Geld liegt. Die Deutschen lieben eine harte Währung mehr als ihren Partner. Mit dem Ersparten wollen sie alt werden, mit dem Partner - ausweislich der einschlägigen Scheidungsstatistiken - haben sie nicht zwingend den gleichen Plan. Das Stabilitäts-Gen der Deutschen hat Merkels politischen Spielraum auf Schlitzgröße eingeengt.

Kommentare (82)

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23.12.2011, 10:40 Uhr

Wofür steht Merkel ? Männer absägen um sie herum, sich nur mit getreuen Vasallen umgeben, sich durchwursteln. Abtauchen.

Tschüss.

Account gelöscht!

23.12.2011, 10:42 Uhr

Wenn die Schildkröte auf dem Rücken liegt sieht sie alt aus.

Account gelöscht!

23.12.2011, 10:48 Uhr

Mit wie viel Wohlwollen wurde das Handelsblatt bedacht, um einen solchen Schmarrn zu erfinden.
Ich hätte mehr Fingerspitzengefühl vom Handelsblatt erwartet. In einem haben sie ja recht, sie wird weiter die BRD und seine Bevölkerung zu Gunsten EUROPAS ausplündern.
Danke

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