Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.02.2014

13:13 Uhr

Personalien im Verteidigungsministerium

Von der Leyen schasst zwei Staatssekretäre

Der misslungene Euro-Hawk-Deal entwickelte sich zum Desaster für die schwarz-gelbe Regierung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen greift nun durch – und feuert die mutmaßlich verantwortlichen Mitarbeiter.

...und du musst gehen! Stéphane Beemelmans, bisher Staatssekretär im Verteidigungsministerium, muss nun wohl die Verantwortung für das Desaster um den Euro Hawk übernehmen. dpa

...und du musst gehen! Stéphane Beemelmans, bisher Staatssekretär im Verteidigungsministerium, muss nun wohl die Verantwortung für das Desaster um den Euro Hawk übernehmen.

BerlinAls Konsequenz aus massiven Problemen bei großen Rüstungsprojekten entlässt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihren Staatssekretär Stéphane Beemelmans. Auch Abteilungsleiter Detlef Selhausen verliert seinen Posten, wie die CDU-Politikerin am Donnerstag bekannt gab.

Der von ihrem Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) eingeleitete Prozess für mehr Transparenz und Planungssicherheit im Rüstungsbereich sei zwar richtig. „Aber meine Erfahrung der vergangenen Wochen ist, dass wir einen personellen Neustart brauchen, damit dieser Prozess auch von allen im Haus gelebt werden kann“, begründete von der Leyen ihre Entscheidung.

Beemelman soll nun vom Bundespräsidenten in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden, Selhausen soll ein neuer Job angeboten werden. Am Mittwochabend hatte im Ministerium ein Gremium zur Überprüfung der 15 wichtigsten Rüstungsprojekte der Bundeswehr getagt. Für kein einziges Projekt billigte von der Leyen die vorgelegten Statusberichte, weil sie ihr unzureichend erschienen. Nun soll die Überprüfung der Projekte an eine Unternehmensberatung ausgelagert werden. Innerhalb der nächsten drei Monate wird Klarheit über den Sachstand erwartet.

Was den Euro Hawk vom Global Hawk unterscheidet

Wodurch unterscheiden sich Global Hawk und Euro Hawk?

Global Hawk und Euro Hawk sind für Außenstehende kaum zu unterscheiden, ihr Design ist beinahe identisch: Beide haben eine Flügelspannweite von gut 40 Metern, sind über 14 Meter lang und fast fünf Meter hoch. Ähnlichkeiten zum namengebenden Falken (englisch: „Hawk“) bestehen nicht. Euro Hawk und Global Hawk unterscheiden sich vor allem durch die Modellgeneration und die jeweils eingebaute Überwachungstechnik. Beide gehören aber zur gleichen Modellfamilie.

Wer ist der Hersteller?

Mit einem Jahresumsatz von 25 Milliarden Dollar gehört das im US-Bundesstaat Virginia ansässige Unternehmen Northrop Grumman zu den Schwergewichten der Rüstungsbranche. Die unbemannten Aufklärungsdrohnen sind ein Renommierprodukt der Firma, weil hier das Know-how des Unternehmens im Bereich Flugzeugbau und Überwachungstechnik zusammenkommt.

Was kennzeichnet beide Drohnen?

Beide Modelle wurden von ihrem Hersteller mit dem Beinamen HALE UAV versehen. Hierbei handelt es sich um Abkürzungen, die für ein Unbemanntes Fluggerät („Unmanned Aerial Vehicle“) mit großer Höhe und langer Ausdauer („High Altitude Long Endurance“) stehen. Mehr als 30.000 Kilometer können die ferngesteuerten Drohnen am Stück fliegen, und das in einer Höhe von über 18 Kilometern.

Was ist der Euro Hawk?

Beim Euro Hawk handelt es sich um ein deutsch-amerikanisches Projekt, das auf der zweiten Generation des RQ-4 Global Hawk basiert, wie sie die US-Luftwaffe seit Jahren einsetzt. Der Euro Hawk sollte vom europäischen Luftfahrtkonzern EADS auf die Bedürfnisse der Bundeswehr angepasst werden. Bis zum Stopp des Projekts flossen über 560 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Die Bundeswehr zeigte sich von der Sicherheit des Euro Hawk stets überzeugt. Fällt die Fernsteuerung aus, fliegt die Drohne automatisch zu ihrem Startplatz zurück. Die Luftsicherheitsbehörden bemängelten aber neben mangelhaftem Einblick in das technische Innenleben, dass beim Euro Hawk der für eine Zulassung für den europäischen Luftraum nötige Kollisionsschutz fehlt.

Was ist der Global Hawk?

Global Hawk ist eigentlich der Oberbegriff für die Drohnen-Familie von Northrop Grumman. In der deutschen Debatte meint der Name aber die neueste Generation des Global Hawk, die Deutschland gemeinsam mit 13 weiteren NATO-Staaten anschaffen will. Im Rahmen des NATO-Programms AGS („Alliance Ground Surveillance“) zur Bodenüberwachung wollen die NATO-Länder eigene Aufklärungskapazitäten aufbauen. Wesentlicher Baustein des AGS-Programms ist der Erwerb von fünf Global Hawks der noch gar nicht fertig entwickelten vierten Generation. Diese nächste Modellgeneration zeichnet sich nach Angaben von Northrop Grumman vor allem durch eine neue Radartechnik zur Bodenüberwachung aus.

Nach Einschätzung des Steuerzahlerbunds zeigen die Entlassungen die nach wie vor „enormen organisatorischen Defizite“ innerhalb des Verteidigungsministeriums.  „Für die Bürger ist es nahezu dramatisch, dass ein Ministerium mit dem zweitgrößten Etat im Bundeshaushalt nicht in der Lage ist, sich selbst strukturell auf Vordermann zu bringen“, sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel.

Trotz bisher eingeleiteter Reformen habe das „Eigenleben der Rüstungsabteilung mit ihrem miserablen Risikomanagement“ innerhalb des Ministeriums offensichtlich nicht abgestellt werden können. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe daher nur die Wahl, „harte“ Strukturmaßnahmen einzuleiten, um die Steuerzahler vor weiteren teuren Rüstungsflops zu schützen. „Die Ministerin hat dafür Sorge zu tragen, dass das Wehrressort wieder regierungsfähig wird“, sagte Holznagel.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ruppinho

20.02.2014, 11:48 Uhr

Stéphane Beemelmans wird sein Geldköfferchen erhalten haben , die Rüstungsindustrie dankt. Abgeordnetenbestechung ist in Deutschland ja nicht verboten.

Und so nehmen sie alles mit was sie kriegen können. Beemelsmann werden wir wohl in ein paar Monaten im Vorstand oder Aufsichtsrat eines Rüstungskonzerns wiederfinden.

Aber wenn der Arbeiter im 3 Schichtbetrieb nach 45 Jahren Hände Arbeit mit 63 in Rente gehen will : WAASSS ??? Seid ihr verückt- wer soll das bezahlen ?

B A N A N E N R E P U B L I K

mon_yburns@central.banktunnel.eu

20.02.2014, 11:54 Uhr

Die cruise-missile lässt sich billiger beschaffen (Modellbau) und bei private-public partnerschip bei Fernsteuerung über das UMTS-Netz brauchen wir auch
keine teuren Staeltitten.

(...)

künftig werdenauch keine truppen mehr ins ausland enstdnt, sodnern orstansässige monteuere installieren fernestuerete lenkwaffen die dann von der karserne in deustchalnd aus per internet fernegsteuert werden

(...)

um die internetzensur zu umgehen können solch festinstallerte systeme auch per dating chat-sms in videotext-filterforen gesteurt werden.

(...)


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

mon_yburns@central.banktunnel.eu

20.02.2014, 11:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×