Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.12.2014

08:31 Uhr

Peter Limbourg

Unmut in der Politik über Deutsche-Welle-Chef

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Deutsche Welle will in Konkurrenz zu CNN treten. Dafür braucht der steuerfinanzierte Sender mehr Geld, andernfalls könnte das deutsche Programm eingestellt werden. Die Pläne von Intendant Limbourg sorgen für Unmut.

Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle: Umstrittene Reformpläne.

Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle: Umstrittene Reformpläne.

BerlinDer Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, hat mit seiner Drohung, das deutsche Programm sowie weitere wichtige Sprachen einzustellen, wenn der Etat des Senders nicht deutlich erhöht wird, große Verärgerung in der Politik ausgelöst. „Ich halte das Streichen der deutschen Sprache für eine unnötige Drohkulisse um mehr Mittel zu bekommen. Eine Deutsche Welle, die auf die deutsche Sprache verzichtet und auch nicht mehr in seltenen Sprachen sendet, verfehlt ihren Zweck und schadet ihrem Ruf“, sagte der Obmann der Unions-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter (CDU), dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Kritik kam auch von der medienpolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner. Die Entscheidung, den Sender auf die englische Sprache auszurichten, sei „fatal für die Zukunft der Deutschen Welle“, sagte Rößner dem Handelsblatt. Mit dem Verlust der Vielsprachigkeit verliere der Sender seine Kernkompetenz und sein Alleinstellungsmerkmal. „Und damit geht eine als verlässlich hoch geschätzte Informationsquelle für die Breite der Bevölkerung verloren.“ Für die Berichterstattung in den Regionalsprachen biete aber gerade die deutsche Redaktion die Grundlage. „Die Leitung der Deutschen Welle sollte sich auf ihre Kompetenz besinnen und diese weiter stärken, anstatt die Zukunft des Senders zu gefährden“, warnte die Grünen-Politikerin.

Marktanteile der TV-Sender

Platz 1: ZDF

Das ZDF hatte 2013 einen Marktanteil von 12,8 Prozent.

Platz 2: ARD

Die ARD kommt auf 12 Prozent Marktanteil, bei der jungen Zielgruppe erreicht der Senderverbund eine Einschaltquote von 6,3 Prozent.

Platz 3: RTL

RTL hat mit einem Marktanteil von 10,4 Prozent insgesamt weniger Reichweite als ARD und ZDF, liegt aber bei den jungen Zuschauern mit 13,3 Prozent vorn.

Platz 3: Sat 1

Sat 1 hat 8,3 Prozent Marktanteil, bei den 14- bis 49-Jährigen mit 9,2 Prozent etwas mehr.

Platz 4: Pro Sieben

Ähnlich wie RTL ist Pro Sieben vor allem bei den jüngeren Zuschauern beliebt: 5,5 Prozent Marktanteil insgesamt, 11,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

Platz 5: Vox

Vox hat 5,3 Prozent Marktanteil (7,3 Prozent bei den Jüngeren). Der Sender gehört zur RTL-Gruppe.

Limbourg hatte den Start eines neuen englischen Kanals für Ende April 2015 angekündigt. Dafür hat der Bundestag zusätzliche 10,5 Millionen Euro genehmigt - aber nur für 2015. Längerfristig wäre der Sender mit heute 280 Millionen Euro unterfinanziert. Sollten weitere Mittel nicht dauerhaft sicher sein, müsste das Programmangebot der Welle, die in insgesamt 30 Sprachen sendet, auf den Prüfstand. Dazu gehört die Überlegung, ob das deutsche TV-Angebot in diesem Umfang erhalten werden kann.

Gegen Limbourgs Sparpläne laufen auch mehr als 130 Künstler, Autoren und Wissenschaftler Sturm. Sie schlossen sich einem offenen Brief der Mitarbeiter des Senders an, der sich gegen die drohende Schließung des deutschsprachigen Fernsehprogramms wendet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×