Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.05.2014

15:23 Uhr

Petersburger Gipfel

Grüne fordern Boykott von Putins Wirtschaftsgipfel

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie deutsche Wirtschaft sucht mitten in der Ukraine-Krise die Nähe zu Putin. Wichtige Manager wollen zu einem Wirtschaftsforum nach St. Petersburg pilgern. Die Grünen halten das für falsch und fordern Zurückhaltung.

Wladimir Putin: Sein Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg zieht deutsche Firmen an - zum Ärger der Grünen. AFP

Wladimir Putin: Sein Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg zieht deutsche Firmen an - zum Ärger der Grünen.

BerlinDie Grünen haben angesichts der Ukraine-Krise die Chefs großer deutscher Firmen zum Boykott des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg aufgefordert. „Wirtschaftliche Interessen dürfen niemals vor Menschenrechte gestellt werden, deshalb wäre jetzt Zurückhaltung angesagt“, sagte die Vize-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, Handelsblatt Online.

Eine Teilnahme deutscher Manager an dem Wirtschaftsforum sei derzeit völlig unangemessen und die falsche Botschaft. „Sie geben damit (dem russischen Präsidenten Wladimir) Putin eine Bühne und eine Legitimation für sein völkerrechtswidriges Verhalten gegenüber der Ukraine“, fügte die Grünen-Politikerin hinzu. „Zudem fallen sie der OEZE und den demokratischen Kräften in der Ukraine in den Rücken, die weiterhin auf einen diplomatischen Dialog bauen und dafür den Druck auf eine mögliche Isolation Russlands brauchen.“

Vom 22. bis 24. Mai findet in St. Petersburg eine Wirtschaftskonferenz statt, auf der auch Russlands Präsident Wladimir Putin sprechen wird. Anders als in früheren Jahren werden diesmal wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine keine westlichen Spitzenpolitiker teilnehmen. Die US-Regierung hatte zudem amerikanische Firmen aufgefordert, sie sollten ihre Teilnahme überdenken - anders als offenbar die Bundesregierung. „Von der Bundesregierung gibt es keinerlei Druck auf die deutsche Wirtschaft, nicht nach St. Petersburg zu fahren“, betonte ein Sprecher des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft am Dienstag.

Russland in Zahlen

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Gasreserven

2012: 32,9 Billionen Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Erdölreserve

2012: 87,2 Milliarden Barrel.

Ein Barrel sind 119 Liter.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Bruttoinlandsprodukt je Einwohner

Schätzungen zufolge liegt das BIP je Einwohner im Jahr 2014 bei 15.717 US-Dollar.

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold würde ermahnende Worte der Bundesregierung in Richtung Wirtschaft auch für wenig überzeugend halten. Der Regierung und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) fehle gegenüber deutschen Unternehmen jede Glaubwürdigkeit, wenn selbst der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder, der amtierende SPD-Ministerpräsident Erwin Sellering und Altkanzler Gerhard Schröder mit Putin mitten in der Krise Geburtstag feiern. „Wer die Wirtschaft in die Pflicht nehmen will, muss zunächst vor der eigenen Haustür kehren“, sagte Giegold Handelsblatt Online.

Giegold warnt dennoch vor einer Teilnahme an dem Petersburger Gipfel. „Es kann von Putin nur als europäische Schwäche ausgelegt werden, wenn deutsche Topmanager ihm den Hof machen“, sagte Giegold.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.05.2014, 15:30 Uhr

Wer heute noch grün wählt, der ist innen braun!

Account gelöscht!

13.05.2014, 15:39 Uhr

" „Wirtschaftliche Interessen dürfen niemals vor Menschenrechte gestellt werden, deshalb wäre jetzt Zurückhaltung angesagt“"

Das gilt auch für geopolitische Interessen. Die Grünen sind offenbar die letzten die bemerken, dass es hier nicht um Menschenrechte sondern um Geo-Schach geht und lassen sich vor den spalterischen US/NATO-Karen spannen. Sie sollten ihre machtpolitische Einfalt nicht derart offensichtlich zu Markte tragen...

Account gelöscht!

13.05.2014, 15:42 Uhr

und ich fordere einen Boykott der Grünen ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×