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16.07.2016

16:04 Uhr

Petry beschwört Einigkeit

AfD-Parteiführung will Streit beruhigen

Die Umfragewerte befinden sich im Sinkflug und kein Ende im parteiinternen Streit in Sicht: Schwierige Zeiten für die AfD. Die Parteiführung beschwört Einigkeit, sieht in den Differenzen aber auch Positives.

Die AfD-Chefin beschwört die Einigkeit der Partei. dpa

Frauke Petry

Die AfD-Chefin beschwört die Einigkeit der Partei.

BingenWeniger streiten, aber interne Differenzen anerkennen: AfD-Chefin Frauke Petry hat versucht, den internen Streit in ihrer Partei zu beruhigen. „Es kommt manchmal nicht so sehr darauf an, ob und wie sehr wir uns mögen, sondern dass wir gemeinsam nach vorn schauen“, sagte Petry beim Bundeskongress der AfD-Jugend am Samstag in Bingen (Rheinland-Pfalz).

Zuletzt hatte vor allem die Spaltung der AfD-Fraktion in Baden-Württemberg für Spannungen in der Parteiführung gesorgt. Auslöser war der Umgang mit dem Abgeordneten Wolfgang Gedeon gewesen, dem Antisemitismus vorgeworfen wird.

Petry räumte ein, dass die Parteiführung derzeit kein gutes Bild abgebe. Sie verstehe den Wunsch nach Einigkeit. Bei allem Willen zur Zusammenarbeit müsse man aber auch Differenzen anerkennen. „Nur durch diese Reibungen entstehen die tatsächlich guten Lösungen.“

Sieben Gründe für den Sinkflug der AfD

DAS KOMPETENZGERANGEL DER BUNDESVORSITZENDEN ...

Frauke Petry und Jörg Meuthen schwächt die Partei von innen. Denn dadurch haben sich - ähnlich wie 2015 beim Streit zwischen Petry und dem AfD-Mitbegründer Bernd Lucke - auf verschiedenen Ebenen Lager gebildet, die gegeneinander arbeiten.

DIESE RIVALITÄT ...

hat auch in der Öffentlichkeit Unsicherheit erzeugt. Die Wähler fragen sich: Was gilt denn jetzt eigentlich? Das, was Meuthen sagt, oder das, was Petry sagt?

IN EINIGEN LANDTAGSFRAKTIONEN ...

tobt ein Richtungsstreit. Ein Beispiel ist Sachsen-Anhalt, wo ein Teil der Fraktion eine klarere Abgrenzung zum rechtsextremen Milieu will.

ANTISEMITISMUS ...

ist auch für viele Menschen, die mit der AfD sympathisieren, ein Tabu. Deshalb hat der Fall des Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon aus Baden-Württemberg der Partei geschadet. Experten halten seine Aussagen für antisemitisch.

ES KOMMEN NICHT MEHR SO VIELE FLÜCHTLINGE ...

und illegale Migranten nach Deutschland. Die AfD hatte mit Anti-Asyl-Slogans viele Wähler gewinnen können.

DAS BÜRGERLICH-KONSERVATIVE LAGER ...

in der Partei wird schwächer. Die Rechtsnationalen gewinnen an Einfluss. Damit entfernt sich die AfD von ihrem Traum, „Volkspartei“ zu werden.

DIE AFD IST IN DER NORMALITÄT ...

angekommen. Ihre Vertreter sitzen im Landtag und in Talkshows. Dadurch schrumpft ihr Potenzial bei den Protestwählern.

Spannungen hatte es zuletzt auch zwischen Petry und Parteivize Alexander Gauland gegeben, der Petrys Eingreifen in Stuttgart scharf kritisiert hatte. Gauland war am Samstag ebenfalls als Gastredner angekündigt.

Der Vorsitzende der Jungen Alternative (JA), Sven Tritschler, appellierte an die Parteiführung: „Nehmt euch zusammen.“ Der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Uwe Junge mahnte einmal mehr zur Zurückhaltung in der Öffentlichkeit. „Man muss nicht gleich in jedes Mikrofon beißen, dass einem hingehalten wird.“ Die Parteiführung habe die „verdammte Pflicht, den Laden zusammenzuhalten“. Nur so könne man bei künftigen Wahlen erfolgreich sein.

Inhaltlich wiederholte Petry bekannte Positionen: Zuwanderung stoppen, Grenzen schließen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Wichtiges Ziel sei, Patriotismus zur Normalität in Deutschland zu machen.

Zu dem JA-Kongress kamen auch Vertreter von Jugendorganisationen anderer rechtspopulistischer Parteien in Europa, darunter die französische Front National, die italienische Lega Nord und die FPÖ aus Österreich. Vor dem Gebäude versammelte sich eine Gruppe von Demonstranten. Mit Transparenten wie „Rechtspopulismus stoppen“ protestierten etwa 100 Menschen gegen die Veranstaltung.

Von

dpa

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