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18.01.2005

10:10 Uhr

Pfahls war politischer Ziehsohn von Strauß

Senkrecht-Starter mit jähem Absturz

Der promovierte Jurist Ludwig-Holger Pfahls hat in wenigen Jahren eine politische Bilderbuchkarriere gemacht. Hilfreich dabei war maßgeblich Bayerns früherer Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU), der Pfahls als seinen Vertrauten und persönlichen Referenten den Weg in die große Politik ebnete.

HB AUGSBURG. Pfahls wurde am 13. Dezember 1942 im brandenburgischen Luckenwalde geboren. Nach dem Jurastudium war er zunächst Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht und Staatsanwalt für Wirtschaftssachen. Dann wechselte Pfahls - erst Anfang 30 - in das damals neu geschaffene bayerische Umweltministerium. 1976 trat der Sohn eines Hauptmanns als Landtagsreferent in die Bayerische Staatskanzlei ein. Dort wurde Strauß auf ihn aufmerksam und berief ihn 1978 als persönlichen Referenten in seinen engen Mitarbeiterstab.

1981 wurde Pfahls Leiter des Strauß-Büros und vier Jahre später Nachfolger von Verfassungsschutz-Präsident Heribert Hellenbroich (CDU). Zwei Jahre danach holte ihn Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU) auf Vorschlag von Strauß als beamteten Staatssekretär auf die Hardthöhe nach Bonn. Wörners Nachfolger Rupert Scholz (CDU) übernahm den politischen Senkrechtstarter und machte ihn zum „Staatssekretär I“, verantwortlich unter anderem für die Rüstungskontrolle.

Ein Jahr nach einem dubiosen Panzergeschäft unter Pfahls und dem schillernden Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber, wurde Pfahls 1992 „auf eigenen Wunsch“ in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Er trat zunächst in eine Anwaltssozietät ein und arbeitete dann als Spitzenmanager des Automobilkonzerns Daimler-Chrysler in Singapur.

Im Sommer 1999 geriet Pfahls international in die Schlagzeilen, als man ihm vorwarf, als Staatssekretär im Zusammenhang mit einer Panzerlieferung an Saudi-Arabien von Schreiber Schmiergeld in Höhe von fast zwei Millionen Euro angenommen zu haben. Es erging Haftbefehl und Pfahls, Vater von zwei Kindern, tauchte unter. Das Bundeskriminalamt nahm ihn auf seiner Internetseite in die Rubrik „meistgesuchte Personen“ auf. Fünf Jahre später wurde er in Paris festgenommen.

Seit 2000 ist Pfahls kein CSU-Mitglied mehr. Er wurde wegen ausstehender Mitgliederbeiträge aus der Partei ausgeschlossen.

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