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27.10.2011

12:24 Uhr

Pflichtkontrollen

Suche nach Bakterien erhöht Mietkosten

Ab November müssen Vermieter Millionen Warmwasseranlagen auf gesundheitsschädliche Legionellen-Bakterien prüfen lassen. Die Kosten von einigen hundert Euro müssen die Mieter tragen.

Die neuen Pflichtuntersuchungen werden die Mietkosten erhöhen. picture-alliance

Die neuen Pflichtuntersuchungen werden die Mietkosten erhöhen.

Berlin, MünchenUnzählige Vermieter haben noch keine Ahnung von ihren neuen Pflichten: Künftig stehen sie in der Verantwortung, dass sich in den Warmwasseranlagen für die fast 40 Millionen deutschen Mietwohnungen keine gesundheitsschädlichen Bakterien tummeln. Jährliche Wasserproben in Mietshäusern sollen gefährliche Legionellen aufspüren. So will es die neue Trinkwasserverordnung, die am 1. November in Kraft tritt. Da komme ein Riesenaufwand auf alle Beteiligten zu, sagt Gerold Happ, Jurist beim Eigentümerverband Haus und Grund. Die Kosten von einigen hundert Euro im Jahr müssen letztlich die Mieter tragen.

„Bei unseren Mitgliedern herrscht helle Aufregung“, berichtet Rudolf Stürzer, Vorstand von Haus und Grund München. Kaum jemand wisse so recht, was ihn bald erwartet. Auch in anderen Geschäftsstellen stehen die Telefone nicht still.

Der Grund für die Aufregung ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen: Legionellen sind winzige Bakterien, die mitunter tödlich verlaufende Lungenentzündungen auslösen können. Sie werden nicht etwa beim Trinken aufgenommen, sondern beim Duschen eingeatmet. Die Temperatur im Boiler sollte immer 60 Grad betragen. Wird sie aus Energiespargründen auf unter 50 Grad heruntergefahren, können sich die Keime optimal vermehren.

In Krankenhäusern oder Schwimmbädern wird das Wasser schon lange auf die Erreger getestet. Jetzt sollen die Leitungen in den über zwei Millionen Mehrfamilienhäusern jährlich auf den Prüfstand. Für Vermieter heißt das: Ab November müssen sie sich zunächst einmal bei ihrem Gesundheitsamt melden, wenn sie eine Warmwasseranlage ab 400 Liter im Keller haben. Oder Warmwasserleitungen mit mehr als drei Liter Inhalt zwischen Großboiler und Wasserhahn. Das betreffe so gut wie alle vermieteten Mehrfamilienhäuser bundesweit, betont Happ.

Wie die Behörden das Ganze überwachen und der Datenflut Herr werden sollen, ist allerdings noch völlig offen. Allein in München müssten sich die Vermieter von mehr als 50.000 Mehrfamilienhäusern melden, sagt Hubert Maiwald, Umweltmediziner beim Gesundheitsamt München. Wer die Mehrarbeit stemmen soll, sei unklar. Die bislang sechsköpfige Abteilung brauche hochgerechnet 50 Hygienekontrolleure und einen Arzt mehr, um den Aufwand nur für München bewältigen zu können. „Gut gemeint, aber wenig durchdacht“, winkt Mediziner Maiwald jetzt schon ab.

Kommentare (2)

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27.10.2011, 16:23 Uhr

Der Mehrverbrauch an Energie ist scheinbar noch nicht mitgerechnet , wer ein solches Gerät gekauft hat , schaute natürlich auch auf die Verbrauchswerte, weshalb sie davon ausgehen können das keines dieser Ökogeräte auf 60°C eingestellt ist .

Das, aber zahlen sie doch gern , denn das wussten sie vorher !

WFriedrich

27.10.2011, 18:35 Uhr

Zitat Stürzer: "Die staatlich angeordneten Millionen Wasserproben seien für Vermieter wie Ämter ein bürokratischer Irrsinn, für Labore und Installateure jedoch ein gutes Geschäft".

Richtig, da greifen die Neobolschewisten erneut in das Privateigentum der Bürger ein. Welche Parteien stehen eigentlich hinter dieser Kommandowirtschaft? Wer wählt solche Parteien? Möglichweise sind es jene, aus deren Reihen die Mittäter oder Hehler an der europäischen Schuldenkrise kommen und die nun neuen Abgabevorwänden erschließen. So profitieren nun sogar jene, in deren Regionen und Verantwortungsbereichen 1. Der demografische Kollaps, 2. Die Abwanderung mangels Arbeitsangeboten und 3. Die daraus resultierenden Folgen für Werterhaltungsrückstände unübersehbar geworden sind. Das Vorhaben erinnert an das Zwangseichsystem für Wasser-n e b e n- uhren: Auch damit beschafft sich die Staatsbürokratie Gebühren in Millionenhöhe ohne Leistung.

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