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13.12.2013

11:48 Uhr

Pharmabranche

Kanzleramt stoppt Preisdeckelung für Medikamente

Ein letztes Geschenk für die Pharmabranche der Kanzlerin könnte zum ersten Krach der Koalitionäre führen. Das Kanzleramt hat das Verbot von Preiserhöhungen für Medikamente gestoppt – zum Unbill des künftigen Partners.

Medikamente: Könnte ab dem neuen Jahr teurer werden, wenn das Gesetz nicht verabschiedet wird. dpa

Medikamente: Könnte ab dem neuen Jahr teurer werden, wenn das Gesetz nicht verabschiedet wird.

BerlinMillionen Euro umfassende Zwangsrabatte und die Fortsetzung des Verbots von Preiserhöhungen in der Pharmabranche sind erst einmal vom Tisch. Das Kanzleramt hat die im Koalitionsvertrag von Union und SPD verabredeten Pläne laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestoppt, die Pharmapreise ab Januar weiter streng zu regulieren.

Das Kanzleramt will ein neues Pharma-Gesetz, dass eigentlich kommende Woche im Bundestag behandelt werden sollte, demnach auf Eis gelegt. Mit der Änderung des bestehenden Gesetztes sollte verhindert werden, dass der Zwangsrabatt zum Jahreswechsel – wie gesetzlich bislang vorgeschrieben – von 16 Prozent auf sechs Prozent sinkt und zugleich das Verbot von Preiserhöhungen aufgehoben wird.

Doch es hat allen Anschein, als ob es dazu nicht mehr rechtzeitig kommt. Die Unternehmen könnten dann zu Jahresbeginn erstmals seit 2010 wieder die Preise für patentgeschützte Arzneimittel erhöhen und nur noch den Rabatt in der alten Höhe von sechs Prozent abführen.

Die größten Mogelpackungen

Scheininnovationen

In neuen Medikamenten steckt oft gar kein neuer Wirkstoff. Doch mit einem neuen Patent auf eine leicht abgewandelte Rezeptur können Pharmariesen höhere Medikamentenpreise durchsetzen. Welche Arzneien auf alten Rezepturen fußen.

Verhütungspille Zoely

Seit Anfang des Jahres ist die Verhütungspille auf dem deutschen Markt erhältlich. Das "Arznei-Telegramm" bemängelt die schlechte Verträglichkeit des Präparats und auftretende Nebenwirkungen wie Akne, Blutungsunregelmäßigkeiten, Gewichtszunahme oder psychische Störwirkungen.

Psychopharmaka Seroquel und Lyrica

Die Medikamente werden bei Epilepsie oder Angststörungen eingesetzt. Experten bezweifeln aber, ob sie mehr nutzen als bewährte Arzneien.

Cholesterin-Senker Inegy

Auch der Cholesterin-Senker Inegy nutze den Patienten nicht, meinen Experten.

Grippemedikament Tamiflu

Wie Wissenschaftler der Cochrane Collaboration herausgefunden haben wollen, bringt Tamiflu den Patienten keinen Zusatznutzen. Es gebe keine Beweise dafür, dass das Grippemittel schwere Komplikationen wie Lungenentzündungen verhindern könnten, erklärt das Team um den britischen Epidemiologen Tom Jefferson. Trotzdem setzte der Pharmariese Roche mit dem Mittel Milliarden um.

Die Koalition will laut Koalitionsvertrag dagegen den Rabatt von 2014 an auf 7 Prozent senken und das Verbot von Preiserhöhungen unbegrenzt fortschreiben. Das würde die Pharmaindustrie viel Geld kosten. Die Verhandlungsführer für Gesundheit von Union und SPD, Jens Spahn und Karl Lauterbach, hatten die Einsparungen der Kassen auf 500 bis 700 Millionen Euro für 2014 beziffert.

Allerdings will die SPD diesen Winkelzug des Kanzleramts nicht akzeptieren. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagten mit der Angelegenheit Vertraute der Fraktion der FAZ.

Die Pharmabranche hat lange gegen den Zwangsrabatt opponiert. Denn die Begründung dafür – die Kassen benötigten das Geld – sei unzutreffend. Tatsächlich hat das Gesundheitssystem Finanzreserven von rund 27 Milliarden Euro angehäuft, allein 17 Milliarden die Krankenkassen. Allerdings sehen sie die Reserven schnell dahinschmelzen, nicht zuletzt wegen der in diesem Jahr schon wieder ansteigenden Ausgaben für Arzneimittel.

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Von

deli

Kommentare (13)

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noname

13.12.2013, 12:06 Uhr

Warum schreibt niemand,dass die Krankenkassen Milliarden von der Pharmaindustrie wieder zurückerstattet bekommt, wegen der Rabattverträge. Die offiziellen Statistiken der Arzneimittelpreise stimmen nicht, weil der Rabatt von über 50 % noch davon abgezogen werden muss. Aber das schein zu schwierig zu verstehen zu sein für viele, incl. Politiker

Ariadne

13.12.2013, 12:12 Uhr

Umso mehr müssen wir Krankenkassenbeiträge zahlen. Auch für jeden den sie hier weil sie nicht rechen können nach Deutschland einladen. Sie machen Lobbypolitik. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland und unsere Politiker kriminell. Die Pillen sind Centbeträge wert. Und das wissen sie genau.

naund

13.12.2013, 12:30 Uhr

jetzt geht es wieder so wie mit der mwst. die einen wollen 1%, die anderen 2%, also einigen die sich auf 3%...und michel jubelt.

Aber immerhin scheint es keine steuererhöhungg zu geben :-))))))))

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