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17.01.2012

06:40 Uhr

Philipp Rösler

„Die Energiewende ist eine Mammutaufgabe“

VonJürgen Flauger, Thomas Sigmund, Klaus Stratmann

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat sich überlebt und muss dringend modernisiert werden. Warum es auf Dauer das System sprengen würde und wodurch es ersetzt werden könnte erklärt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler. dapd

Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler.

Handelsblatt: Herr Minister, die Wirtschaft klagt, dass die Energiewende kaum vorankommt. Haben die Unternehmen recht?

Philipp Rösler: Die Energiewende bis 2050 kann ohne Übertreibung als Mammutaufgabe bezeichnet werden. Es ist unrealistisch, hier Erfolgsmeldungen im Wochen- oder Monatsrhythmus zu erwarten. Es geht Zug um Zug voran. Wichtige Aufträge, die Bestandteil der Gesetzesbeschlüsse zur Energiewende waren, haben wir bereits umgesetzt oder arbeiten sie derzeit mit Hochdruck ab.

Welche sind das?

Ein wichtiges Beispiel ist der bundesweite Netzentwicklungsplan. Die vier Übertragungsnetzbetreiber erarbeiten ihn gemeinsam, im Anschluss wird er von der Bundesnetzagentur bestätigt. Er bildet die Grundlage für einen beschleunigten Ausbau der Stromübertragungsnetze. Das ist eine wichtige Stellschraube, denn der Ausbau der Netze ist die Basis der gesamten Energiewende. Die Stromproduktion verlagert sich mit dem Ausbau der Windkraft in den Norden Deutschlands. Der Strom muss aber in unsere Verbrauchszentren im Westen und Süden geleitet werden. Das geht nur mit massiven Investitionen in neue Netze.

Die erneuerbaren Energien spielen bei der Energiewende eine tragende Rolle. Ist ihre Förderung in der jetzigen Form auf Dauer vertretbar?

Wir müssen die Balance zwischen einem schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien auf der einen und einer wirtschaftlichen, sicheren Energieversorgung auf der anderen Seite finden. Im Moment ist diese Balance nicht gegeben. Eines ist klar, Strom muss für jeden Verbraucher und für die Wirtschaft bezahlbar bleiben. Deswegen ist es das Ziel der Bundesregierung, die Umlage für die Förderung der erneuerbaren Energien bei rund 3,5 Cent je Kilowattstunde stabil zu halten und einen Anstieg zu vermeiden.

Glauben Sie im Ernst, dass die Bundesregierung diese Zusage einhalten kann?

Das wird nicht leicht, ist aber ein wesentliches Ziel. So sprengt beispielsweise die derzeitige Ausbaugeschwindigkeit bei der Photovoltaik das wirtschaftlich vernünftige Maß. Der Ausbau ist im vergangenen Jahr in einer Größenordnung vorangeschritten, die die Planungen und Erwartungen um den Faktor zwei bis drei überstiegen hat. Erklärtes Ziel ist es, den jährlichen Zubau an Photovoltaikanlagen auf 2 500 bis 3 500 Megawatt installierter Leistung zu begrenzen. Tatsächlich wurden aber 7 500 Megawatt neu installiert. Wir wollen die staatliche Förderung auf diesen Zubau begrenzen, nicht aber den Ausbau von Solarenergie selbst. Das müssen wir unbedingt angehen. Im letzten Jahr wurden nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) über 13 Milliarden Euro an die Erneuerbaren gezahlt. Die Hälfte dieser Kosten geht an die Photovoltaik, obwohl nur drei Prozent der Stromerzeugung aus der Solarenergie stammen. Ich sehe da ein eklatantes Missverhältnis, das mir weder volkswirtschaftlich noch energiewirtschaftlich sinnvoll oder zukunftsfähig erscheint.

Kommentare (8)

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winter

17.01.2012, 07:19 Uhr

Ein erbärmliches Ansinnen eines Wirtschaftsministers.

Die Höhe des Strompreises ist doch nicht das Kriterium für das Funktionieren unserer Volkswirtschaft ... in welchem Land ist der Mann Wirtschaftsminsiter?

Die Franzosen zahlen für Haushaltsstrom die Hälfte und haben trotzdem 75 Mrd. Leistungsbilanzdefizit und eine ständig wachsende Staatsschuld.

Strom ersetzt Arbeitskraft, auch wenn in Deutschland der Strompreis doppelt so hoch wäre, würde die Wirtschaft und die Gesellschaft sehr gut funktionieren und weiterhin hohe Leistungtsbilanz-Überschüsse erzeugen.

Die deutsche Wirtschaft ist eine mittelständische Know-How Wirtschaft und keine russische Rohstoffproduktion, die Billigenergie braucht.

Deutschland lebt den technischen Fortschritt, denn nur wer zeigt, wie es funktioniert, ist glaubwürdig.

Herr Rösler sollte das wissen und dass die Mehrheit der Deutschen trotz höherer Kosten die erneuerbare Energie will. Nur wer Klientelpolitik betreibt, zettelt die Preisdiskussion an.

Die Umwelt hat einen Wert in Punkto "besser leben", als Arzt sollte er das wissen. Ein Photovolatikfeld stört genau so wenig wie ein Maisfeld.

Soll sich Rösler sich doch selbst mit Kohlekraftwerken vollräuchern und mit gutem Beispiel voran gehen, so gehört sich das in Deutschland!

Deshalb: Eine Kohleheizung für unseren Wirtschaftsminister, der künftig mit schwarzem Gesicht morgens aus dem Keller vom Heizen kommt und nachmittag das CO2 in 2000 m Gartentiefe verpresst- Philipp unser Kohlekumpel.

petervonbremen

17.01.2012, 08:20 Uhr

Wenn es nach Herrn Rösler ginge, hätten wir ja auch Gen veränderte Nahrungsmittel (der Begriff Lebensmittel würde in diesem Zusammenhang nicht passen!)auf dem Teller. Er hat sicherlich intellektuelles Potential, sonst wäre er nicht Vorsitzender einer Partei (zwar Holzklasse, aber immerhin). Dennoch ist er entweder hochgradig opportunistisch oder kein Einäugiger unter den Blinden.
Es stellt sich wirklich die Frage, was er mit seiner ungeschickten Klientel Politik erreichen will. Er wird nie eine großer Politiker werden. Dafür fehlt es ihm zu auffällig an Redegewandtheit und sozialer Kompetenz. So what? - Ich hätte mir das Interview mit unserem Umweltminister gewünscht. So finde ich es nur schade um die Zeit und das schöne Papier. (ich habe meinen Kommentar an dieses Niveau angepasst - hierfür wird ja kein Papier verschwendet!)

petervonbremen

17.01.2012, 08:20 Uhr

Wenn es nach Herrn Rösler ginge, hätten wir ja auch Gen veränderte Nahrungsmittel (der Begriff Lebensmittel würde in diesem Zusammenhang nicht passen!)auf dem Teller. Er hat sicherlich intellektuelles Potential, sonst wäre er nicht Vorsitzender einer Partei (zwar Holzklasse, aber immerhin). Dennoch ist er entweder hochgradig opportunistisch oder kein Einäugiger unter den Blinden.
Es stellt sich wirklich die Frage, was er mit seiner ungeschickten Klientel Politik erreichen will. Er wird nie eine großer Politiker werden. Dafür fehlt es ihm zu auffällig an Redegewandtheit und sozialer Kompetenz. So what? - Ich hätte mir das Interview mit unserem Umweltminister gewünscht. So finde ich es nur schade um die Zeit und das schöne Papier. (ich habe meinen Kommentar an dieses Niveau angepasst - hierfür wird ja kein Papier verschwendet!)

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