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16.12.2011

06:36 Uhr

Philosoph Peter Sloterdijk

„Mit seinem Zentralbankwahn hat der Staat kapitale Fehler gemacht“

ExklusivDie Welt steckt in einer globalen Vertrauenskrise. Darunter leiden Arme wie Reiche. Wer ist Schuld an dem Schlamassel und wie können wir uns davon befreien? Der Philosoph Peter Sloterdijk gibt im Handelsblatt-Interview Antworten.

Peter Sloterdijk. picture alliance

Peter Sloterdijk.

DüsseldorfDer deutsche Philosoph Peter Sloterdijk hat in einem Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe) vor einer "Demoralisierung" unserer Gesellschaft gewarnt. "Die kollektive Demoralisierung ist schlimmer als eine vorübergehende Rezession jemals sein kann", sagte Sloterdijk. Seit Jahrzehnten lebten wir in einer gespenstischen Atmosphäre, in der ständig  verrücktmacherische Doppelbotschaften auf die Menschen einprasselten: sie sollten zugleich sparen und verschwenden,  sie sollten zugleich riskieren  und  solide wirtschaften, sie sollten hoch spekulieren und mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Auf die Dauer führe das zu einer absoluten Zermürbung. „Derselbe demoralisierende Effekt geht auch von der Tatsache aus, dass die leistungslosen Einkommen rasend schnell wachsen. Das vergiftet die jungen Leute, weil sie anfangen, sich in Scheinkarrieren hineinzuträumen.“

Eine große Mitschuld an der Finanzkrise tragen nach Meinung des Philosophen die Notenbanken: „Ich glaube, der Staat hat mit seinem Zentralbankwahn in den letzten 20 Jahren kapitale Fehler gemacht und jetzt, da man die Folgen der Fehler sieht, will er sie beheben, indem er den Fehler in noch größerem Maßstab wiederholt.“  Man müsse ja nur die Ergebnisse dieses Flutens der Märkte einigermaßen aufmerksam studieren. Das Resultat sei, dass dieses Geld zum allergrößten Teil, zu etwa 80 bis 90 Prozent, nicht in die reale Wirtschaft gehe, sondern in die Finanzspekulation.

Sloterdijk warnte davor, die leeren Kassen der Staaten durch neue Zwangsabgaben zu füllen. Stattdessen appellierte er an die „Vornehmheit“ der Reichen. „Unsere ganze Welt ist auf einem psychopolitischen Grundfehler aufgebaut, weil sie  die Freiwilligkeitsdimension in all diesen Transaktionen zwischen Staat und Bürger nicht hoch genug ansetzt.“  In Amerika habe in den letzten Jahren mit der Initiative The Giving Pledge die Sozialdemokratisierung der Milliardäre begonnen. Die Sozialdemokratie lebe von der  einfachen Formel: Die Hälfte für die Gemeinschaftskasse.

Das vollständige Interview mit Peter Sloterdijk lesen Sie in der Freitagsausgabe des Handelsblatts.

Von

tor

Kommentare (11)

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blender

16.12.2011, 07:15 Uhr

na über scheinkarrieren spricht ja der richtige,den auch ein leistungsloses professorengehalt nicht demoralisieren
kann.

wichtigtuerisch hyperaktiv unter vernachlässigung seiner lehr- und leitungspflichten an der hochschule für gestaltung in karlsruhe,der märchenerzähler, SCHEINEkarrierist und weltverklärer peter sloterdijk.

eben weil die reichen " VORNEHM" leben,bleibt für das untere drittel der gesellschaft nichts mehr übrig.den REICH sind die reichen ,weil sie VOR den andern NEHMen.

das fällt natürlich einem vom steuerzahler alimentierten professor bei der eigenen standortbestimmung aus dem hirn.

in amerika produzieren die reichen freiwillig immer mehr arme,auch wenn das ein provinzonkel aus nordbaden,nur weil er sich zum sprachrohr seiner drittemittel,sonstigen einkunftsquellen und gönnern machen will,nicht mitkriegt.



Account gelöscht!

16.12.2011, 07:20 Uhr

Lieber Herr Sloterdijk,

korrekte Analyse zwar, aber Ihre Sprache ist mir zu diplomatisch. Hat ein Philosoph nicht die Plicht, sich vornehmlich klar und gerne auch drastisch auszudrücken?

Gruss,
Armin O

sieghartpaul

16.12.2011, 09:49 Uhr

Jan-Jacques Rousseau der Vordenker der Französischen Revolution und Erziehungstheoretiker versagte selbst als handelnder Erzieher und gab seine eigenen Kinder ins Findelheim. Sloterdijk erklärt heute die Finanzkrise im Handelsblatt und ist selbst als hochdotierter Rektor einer Hochschule für Gestaltung (Was will der eigentlich als Philosoph dort?) teil des staatlichen Apanagesystems. Übrigens wird von Studenten behauptet, dass er nie zu sehen sei.

Dieser Zitat-Entertainer des gesättigten Bilderbürgertums hat doch wahrhaft die geniale Idee, die Wohlhabenden sollten freiwillig dem Staat Geld überlassen. Ich umschreibe das als pervers-naiv-dekadentes Wohlstandsdenken eines abgehobenen Geistesakrobaten.

Im sei geraten Dostojewski „Spieler“ zu lesen, um zu Erkenntnis zu gelangen. So einfach ist das!

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