Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2014

08:48 Uhr

Piloten und Lokführer

Dobrindt warnt vor Dauerblockade durch Streiks

Zugausfälle bei der Bahn, Flugausfälle bei der Lufthansa: Eine weitere Ausdehnung der Arbeitskämpfe könnte nachhaltigen Schaden für die deutsche Wirtschaft verursachen, warnt Verkehsminister Dobrindt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt geht es „nicht darum, das Streikrecht einzuschränken“. dpa

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt geht es „nicht darum, das Streikrecht einzuschränken“.

BerlinVerkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat angesichts der Streiks von Lokomotivführern und Piloten vor einer weiteren Ausdehnung der Arbeitskämpfe gewarnt. „Eine Dauerblockade würde der Konjunktur schaden“, sagte der Minister der „Bild“-Zeitung vom Dienstag. Die Verkehrswege stellten das zentrale Nervensystem Deutschlands und seiner Wirtschaft dar. „Dieses Nervensystem darf nicht lange lahmgelegt werden“, warnte er. Bisher aber hätten die Streiks noch keine nachhaltigen Schäden verursacht.

Dobrindt mahnte die Tarifpartner, „sehr verantwortungsvoll“ mit dem Instrument Arbeitsniederlegungen umzugehen. Sie sollten bemüht sein, die Folgen für Dritte „möglichst gering zu halten“. Auch mit Blick auf den anstehenden Gesetzentwurf der Regierung zur Tarifeinheit sagte Dobrindt: „Es geht nicht darum, das Streikrecht einzuschränken.“ Ein Thema müsse aber die Verhältnismäßigkeit sein. Die Verkehrswege seien ein wichtiger Wachstumsfaktor, sagte er. Deutschland kämpft derzeit mit schwächer werdenden Wachstumsaussichten.

Die Folgen des Bahnstreiks

Hannover

Eine junge Frau zeigt Verständnis für den Streik. Ihr Vater sei Lokführer, sagt sie: „Ich weiß, wie selten ich meinen Vater in meinen 23 Jahren gesehen habe und wie wenig er verdient.“ Am Abend erreichen etwa hundert Fahrgäste aus Minden den Bahnhof - sie waren dort gestrandet. Mit zwei Bussen bringt die Bahn sie an ihr Ziel nach Berlin.

Berlin

Um kurz nach 6.00 Uhr rollen unter dem gläsernen Dach des Hauptbahnhofs wieder die Züge - doch sie haben bis zu eineinhalb Stunden Verspätung. Auch Fernzüge sind zu spät. Doch manch einer greift zum Handy und twittert überrascht, dass sein Zug pünktlich ist.

Stuttgart

Der Autobauer Daimler muss sich nicht nur sorgen, dass die Beschäftigten nicht rechtzeitig zur Schicht erscheinen. Weil Güterzüge stehen bleiben sollten, sind auch Materialengpässe möglich. Jegliche Auswirkungen auf die Produktion müssten ausgeschlossen werden, sagt ein Unternehmenssprecher. Gegebenenfalls könne der Transport dann mit Lastwagen über die Straße laufen.

NRW

„Es geht durchs ganze Land.“ So umschreibt eine Bahnsprecherin die Streikfolgen im bevölkerungsreichsten Bundesland. Aber: kein kompletter Stillstand zwischen Rhein und Weser. „Jetzt bin ich echt überrascht“, verkündet im Internet ein Fahrgast, dessen S-Bahn pünktlich fuhr.

München

Zunächst kein Chaos. Sechs S-Bahn-Züge fahren pro Stunde, berichtet ein Bahnmitarbeiter am Morgen. Pendler mussten Verzögerungen hinnehmen. Spätestens ab 10.00 Uhr sollen die Züge wieder planmäßig fahren. „Es ist das gewohnte Bild, die Leute haben sich darauf eingestellt“, erklärte der Sprecher der Aktion Fahrgäste München, Andreas Nagel, schon am Abend.

Hamburg

Ein gelassener Pendler: „Der ganze Streik wurde frühzeitig angekündigt, also ist das kein Drama, rechtzeitig zum Ziel zu kommen“, sagt der Mann, der am Abend noch nach Kiel muss. Der zentrale Bahnhof der Hafenstadt war schon vor dem Streik blockiert: 80 Kurden blockierten im Protest gegen die Terrormiliz Islamischer Staat für knapp eine Stunde mehrere Gleise und sorgten bereits da für erhebliche Verspätungen.

Nürnberg

Vor dem Hauptbahnhof stehen am Morgen nur wenige Taxis, hier ist kein großes Geschäft zu machen. Ein Fahrer bringt es auf den Punkt: „Wenn keine Züge ankommen, kommen auch keine Fahrgäste.“

Die Lokführer hatten das gesamte vergangene Wochenende gestreikt, was zu vielen Zugausfällen bei der Deutschen Bahn führte. Am Montag haben die Piloten der Lufthansa im Tarifstreit über ihre Ruhestandsversorgung abermals mit einem zweitägigen Ausstand begonnen. Die Bundesregierung bereitet derzeit ein Gesetz zur Tarifeinheit vor, dass den Einfluss von Spartengewerkschaften wie der Lokführer-Gewerkschaft GDL zurückdrängen dürfte.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×