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13.11.2012

11:52 Uhr

Pilotprojekt

Wie die Polizei in Hannover nach Zeugen sucht

VonStefan Kaufmann

Die Polizeidirektion Hannover testet die Facebook-Fahndung derzeit in einem Pilotprojekt – mit Erfolg, wie die Beteiligten sagen. Nach einigen Pannen sind mittlerweile auch die Landesdatenschützer einverstanden.

Bei der Polizei in Hannover läuft bereits ein Pilotprojekt – mit Erfolg. dpa

Bei der Polizei in Hannover läuft bereits ein Pilotprojekt – mit Erfolg.

DüsseldorfStand heute hat die Polizei in Hannover 110.245 Freunde. So viele Facebook-User haben auf der Fanseite der Direktion den „Gefällt mir“-Button gedrückt. Über diesen Kanal veröffentlicht die Behörde auch ihre Fahndungsaufrufe: „Wir bitten euch um eure Unterstützung und Mithilfe bei einer Fahndung des LKA Hamburg nach dem flüchtigen Frank W., der am 15.09.12 eine 58-Jährige überfallen, vergewaltigt und ausgeraubt hat“. heißt es in einem Posting von Ende Oktober. Und dazu die Aufforderung: +++ Bitte teilen!!! +++

Im vergangenen Jahr wurde das Pilotprojekt „Facebook-Fahnung“ in Hannover gestartet. Mittlerweile wurde es auf das ganze Land Niedersachsen ausgeweitet. Eine Fanseite des Landeskriminalamtes sammelt die Öffentlichkeitsfahndungen aller Direktionen im Bundesland.

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Nicht mehr zu sehen sind Fotos oder Phantombilder von Tatverdächtigen. Stattdessen leitet ein Link potenzielle Zeugen auf die Fahndungsseiten der Polizeibehörden. Diese Änderung wurde im Lauf der Testphase auf Drängen der Datenschützer umgesetzt. Die Daten sollten nicht auf einem US-Server, sondern weiter auf den Servern der Polizei liegen.

„Wir können Facebook ganz wunderbar als zusätzliche Instrument nutzen“, sagt Hannovers Polizeisprecher Dirk Hallmann. So könnten deutlich mehr Menschen informiert werden. „110.000 Fans, das ist doch eine Wucht.“ Zumal diejenigen, die die Postings zu lesen bekommen, häufig nicht mehr über die klassischen Medien erreicht werden. „Wir streuen unsere Aufrufe vor allem unter den 17- bis 35-Jährigen, die wiederrum stark vernetzt sind und die Inhalte weitergeben“, sagt Hallmann, der einen weiteren Vorteil nennt: „Suchen wir über Facebook beispielsweise Zeugen einer Diskoschlägerei, hilft es uns natürlich, wenn die Zielgruppe selbst nachts unterwegs ist.“

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In sechs Monaten konnten immerhin acht Fälle mit Hilfe der Facebook-Fahndung geklärt werden, darunter ein Sexualdelikt, gefährliche Körperverletzungen, Diebstahl und zwei Vermisstensachen. Das soziale Netzwerk sorgt aber auch für Gefahren: So sorgte die Behörde für einen Eklat, als sie den Namen einer kinderpornografischen Seite veröffentlichte, die anschließend von vielen Usern im Netz gesucht wurde. Eigentlich wollte die Polizei nur darauf aufmerksam machen, dass sie in diesem Fall bereits aktiv sei. „Wir lernen bei diesem Projekt auch, müssen mit den Daten, die über Facebook rausgehen, sehr sensibel sein“, sagt der Polizeisprecher.

Insgesamt fällt das Fazit der Polizeidirektion jedoch äußerst positiv aus. Längst wurde in Hannover die Arbeit mit Facebook ausgeweitet. So wird bei besonderen Ereignissen wie Fußballspielen von Hannover 96 eine Sonderseite geschaltet, über die die Polizei mit den Fußballfans in Kontakt kommt und informiert. Und auch den eigenen Nachwuchs lockt die Polizei über die eigene Facebookseite. Von zuletzt rund 6000 Bewerbern seien mehr als die Hälfte über das soziale Netzwerk gelockt worden.

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