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04.09.2013

06:54 Uhr

Piratin gegen Juso

„Die Agenda 2010 ist einfach jugendfeindlich“

VonStefan Kaufmann

Die Politik lässt die Jugend im Stich, beklagt die Piratin, Katharina Nocun beim dritten DeutschlandDuell. Juso-Chef Sascha Vogt widerspricht. Trotzdem will auch er einiges ändern – vor allem auf dem Arbeitsmarkt.

Juso-Chef Sascha Vogt mit der Politischen Geschäftsführerin der Piraten, Katharina Nocun, und Moderator Lenz Jacobsen von Zeit Online.

Juso-Chef Sascha Vogt mit der Politischen Geschäftsführerin der Piraten, Katharina Nocun, und Moderator Lenz Jacobsen von Zeit Online.

BerlinDie Uni Münster ist ein gutes Pflaster für angehende Politiker, der Allgemeine Studierendenausschuss, kurz Asta, die Kaderschmiede. „Wir haben vorhin, als wir noch eine Zigarette geraucht haben, festgestellt, dass wir beide dort im Asta aktiv waren“, erzählt Katharina Nocun, seit diesem Frühjahr Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Ihr Gesprächspartner beim Rauchen und später auf der Bühne ist Juso-Chef Sascha Vogt. Er kämpfte an der Hochschule gegen Studiengebühren, Nocun, 2009 in den Asta gewählt, gegen den elektronischen Studentenausweis und Datenschutz an der Uni.

Vogt und Nocun stehen für den politischen Nachwuchs in Deutschland, er ist 33 Jahre alt, sie 26, beide sind in ihren Parteien in exponiertem Rang und am Dienstagabend die Kontrahenten beim dritten DeutschlandDuell von Handelsblatt Online und Zeit Online. Das Thema: „Generationen und soziale Gerechtigkeit“ oder einfacher: Lässt die Politik die Jugend im Stich? 

Nein, sagt SPD-Mann Vogt, denn das sei keine Frage des Alters, sondern des Wollens. Sprich: Auch der 66-jährige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück setzt sich für Belange von jungen Menschen ein – wenn er denn auf die Jusos hört.

Fakten zur Bundestagswahl

Wie läuft der Wahltag ab?

Mehr als 80.000 Wahllokale gibt es in den insgesamt 299 Wahlkreisen. Damit dort von 8 bis 18 Uhr gewählt werden kann, sind über 600.000 ehrenamtliche Wahlhelfer im Einsatz - dafür steht ihnen nicht mehr als ein Erfrischungsgeld von 21 Euro zu. Pünktlich um 18 Uhr schließen die Wahllokale, dann beginnt die Auszählung. Erste Hochrechnungen gibt es meist schon wenige Stunden später.

Wer organisiert die Wahl?

Oberster Organisator ist der Bundeswahlleiter. Der wird auf unbestimmte Zeit vom Innenminister ernannt. Traditionell wird regelmäßig der Präsident des statistischen Bundesamtes mit dieser Aufgabe betraut - seit 2008 ist deshalb Roderich Egeler Bundeswahlleiter. Er organisiert nicht nur die Bundeswahlen, sondern überprüft auch die antretenden Parteien und unterstützt die 16 Landeswahlleiter bei der Durchführung der Wahlen auf Landesebene. Auch jeder Wahlkreis hat seine eigene Wahlkreisleitung.

Wer sind die Wähler?

Wählen darf jeder, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat und über 18 Jahre alt ist. Bei der Bundestagswahl am 22. September werden das 61,8 Millionen Menschen sein. Nur 3,6 Prozent der Wahlberechtigten sind zwischen 18 und 20 Jahren alt, aber über 20 Prozent der Wahlberechtigten sind 70 Jahre und älter. 51,5 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen.

Wann kommt eine Partei in den Bundestag?

Damit eine Partei bei den Wahlen antreten kann, muss sie vom Bundeswahlausschuss anerkannt werden. Unterschieden wird hier zwischen den „etablierten" Parteien, die seit der letzten Wahl mit mindestens fünf Abgeordneten im Bundestag oder in einem Landtag vertreten sein müssen, und den nicht etablierten Parteien. Nicht etablierte Parteien müssen neben ihren Unterlagen auch Unterschriftensammlungen vorlegen, um zur Wahl antreten zu können.

Um in den Bundestag zu kommen, muss eine Partei mindestens fünf Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten - oder aber drei Direktmandate in den Wahlkreisen holen.

Ja, ist die Antwort von Piratin Nocun. „Viele Freunde von mir machen sich große Sorgen um die Zukunft.“ Da seien zum einen die Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Jeder Dritte junge Erwachsene ist in einer prekären Beschäftigung, Leiharbeit und Werkverträge sorgen für Frust und eine Entsolidarisierung in den Unternehmen. Später wartet die Altersarmut, weil die Rente hinten und vorne nicht reicht. Und damit auch jedem klar wird, wie erdrückend die Probleme sind, die auf ihrer Generation lasten, legt Nocun mit dem Atommüll-Desaster („Eine Erbschaft, die ich nicht abschlagen kann“) und dem enormen Schuldenberg nach.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

04.09.2013, 08:05 Uhr

Die Agenda2010 ist Altenfeindlich. Ein Arbeitnehmer nach 30 - 40 Berufstjahren und Beitragszahlungen in die Arbeitslosenkasse, steht nach einer Entlassung finanziell genauso da, wie ein Junger, der nie oder nur wenig gearbeitet hat. Wenns blöd läuft, muss der ältere Arbeitnehmer auch noch seine Rücklagen fürs alter angreifen, bevor Anspruch auf Hartz IV besteht. Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat die Generation Ü50 nahezu keine mehr.
Bitte nicht schon wieder das Altenbashing der Vergangenheit anfangen. Das hat dazu gehführt, daß den angeblich soo reichen Alten immer mehr genommen wird und die renten gekürzt wurden. Die Jungen haben aber deswegen noch lange nicht mehr bekommen.

Deutscher_0815

04.09.2013, 08:14 Uhr

Das Durchschnittsalter der Deutschen liegt nicht bei 42 Jahren, sondern bei exakt 45,7 Jahren.
Der Grund ist eine seit 40 Jahren sehr niedrige Geburtenrate von ca. 1.4 Kinder je Frau.

Bezeichnenderweise setzt sich keine Partei für eine deutlich verbesserte Familienpoltik ein, beispielsweise der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Quelle: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/2177.html

Rene

04.09.2013, 08:14 Uhr

Die Jugend hat es selbst in der Hand. Man kann nicht nur auf dem Sofa sitzen und im Internet surfen und glauben, dabei entstünden Werte.
Das ist ein Armutszeugnis "der Jugend", wenn sie nicht selbst anpackt und "andere", z.,Bsp. die Politik, verantwortlich machen will.

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