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30.10.2013

18:07 Uhr

Piratin Katharina Nocun im Interview

„Der große Lauschangriff muss zum Ende kommen“

VonDietmar Neuerer

ExklusivIn der NSA-Affäre stehen die USA am Pranger, dabei ist Deutschland auch keine Oase des Datenschutzes, meint Katharina Nocun. Im Interview sagt die Piratin, warum sich unter einer Großen Koalition wenig ändern dürfte.

Katharina Nocun, politische Geschäftsführerin der Piratenpartei: „Union und SPD stehen für einen Abbau von Grundrechten.“ AFP

Katharina Nocun, politische Geschäftsführerin der Piratenpartei: „Union und SPD stehen für einen Abbau von Grundrechten.“

Handelsblatt Online: Frau Nocun, wie schützen Sie Ihre digitale Kommunikation?
Katharina Nocun: Ich nutze seit ungefähr fünf Jahren Verschlüsselungssoftware. Seit ein paar Monaten beobachte ich auch, dass ich viel mehr verschlüsselte Mails bekomme, also sonst - vor allem von Bürgerrechtsvertretern. Das ist eine bedenkliche Entwicklung in einer Demokratie.

Mit Verschlüsselung fühlen Sie sich sicher?
Es immer ein Wettlauf von Verschlüsselungssoftware und Rechenkapazität. Verschlüsselungssoftware basiert auf mathematischen Modellen, die einen derartig großen Datenberg erzeugen, dass eine unglaublich hohe Rechenkapazität notwendig wäre, um an die Informationen heranzukommen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es die nächsten fünfzig Jahre für meine derzeitige Kommunikation nicht da die Rechenkapazität rasant zunimmt. Aber ich kann mir sicher sein, dass es nahezu unmöglich ist, meine Kommunikation mit vertretbarem Rechenaufwand zu knacken.

Die Überwachungspraktiken der NSA

Kritik

Die Überwachungspraktiken des US-Auslandsgeheimdiensts NSA stehen seit der Enthüllung durch den Informanten und IT-Experten Edward Snowden in der Kritik. Einige Beispiele, über die Medien berichtet haben.

Beispiel 1: Internet

Nach Snowdens Enthüllungen zapfen die USA die Rechner von Internet-Firmen an, um sich Zugang zu Videos, Fotos, E-Mails und Kontaktdaten zu verschaffen. Der Datenhunger betrifft auch die Kommunikation in Europa, darunter Deutschland und Frankreich. Die Möglichkeit dazu bietet unter anderem das Spionageprogramm „Prism“.

Beispiel 2: Internet

Der Geheimdienst NSA und sein britischer Gegenpart GCHQ sollen in der Lage sein, einen Teil der Verschlüsselung und der Datentunnel im Internet zu knacken. Das soll nicht nur Online-Banking und Internet-Shops betreffen, sondern auch Internet-Dienstleister wie Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, AOL, YouTube, Skype, AOL und Apple.

Beispiel 3: Telefon

Telefon- und Videoverbindungen gelten ebenfalls als nicht sicher. So soll die NSA die Vereinten in New York abgehört und deren Videokonferenzanlage angezapft haben. Betroffen sei auch die EU-Vertretung bei den Uno.

Beispiel 4: Telefon

Der Geheimdienst soll auch Millionen chinesischer Mobilfunknachrichten sowie wichtige Datenübertragungsleitungen der Tsinghua-Universität in Peking ausspioniert haben. In Frankreich sollen Wirtschaft, Politik und Verwaltung betroffen sein - allein Ende 2012 und Anfang 2013 rund 70,3 Millionen Datensätze von Telefonverbindungen. In Mexiko sollen Regierungsmitglieder bespitzelt worden sein.

Die NSA-Enthüllungen sorgen für wütende Reaktionen in Deutschland. Ärgern Sie sich auch?
Ich ärgere mich schon lange, deswegen bin ich auch zur Piratenpartei gegangen. Wir haben seit Jahren eine Tendenz zur flächendeckenden Überwachung. Dabei geht es gar nicht so sehr um das gezielte Ausspionieren einzelner Personen, sondern darum, flächendeckend verdachtsunabhängig Daten zu erfassen. Ich sehe derzeit keine Partei im Bundestag, die in ihrer Regierungszeit etwas dagegen unternommen hat. SPD und Grüne haben, als sie noch Regierungsverantwortung trugen, die zunehmende Überwachung mit befördert.

Dann kommen die aktuellen Enthüllungen für Sie gar nicht so überraschend?
Es gab ja schon vorher Fälle, die aufhorchen ließen. Wir haben innerhalb der Europäischen Union eine Grundrechte-Charta, in der auch das Grundrecht auf Privatsphäre festgeschrieben ist, und gleichzeitig haben wir einen britischen Geheimdienst, der in großem Umfang Unterseekabel anzapft mit Telekommunikationsdaten von 500 Millionen EU-Bürgern. Hier funktioniert die Durchsetzung von Grundrechten nicht einmal innerhalb der EU.

Kommentare (10)

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Glasauge

30.10.2013, 18:19 Uhr

Die mediale Aufregung ist doch nur deswegen so groß, weil diese Lauschangriffe auf die Prominenz und Journalisten erfolgt. Niemals störten sich die Medien daran, wenn unschuldige Bürger pauschal überwacht und ausspioniert wurden. (Stichwort Speicherung von Internet Daten, IP-Adressen und Ähnlichem). Geschieht den Fädenziehern schon recht. Entweder Privatsphäre für jeden oder für keinen.

Frank3

30.10.2013, 18:41 Uhr

Hätte ich Verschlüsselt und NICHT JDEN DENKER VERSTEHEN LASSEN und . . . WÜSSTEN ES NICHT , das von DENKER VERSTANDEN WERDE .. WÜRDE GARNICHT MEHR Leben .
DANKE NSA ! Mit eurer Tat hab mir Schutz gegeben . Wahrheit WISSEN und NUR VERBRECHER WEISS ES , dass er WEISS ? Kostet das Leben . IST NUR MATHEMATISCHER AUFGABE ! Was bringt mehr .
Lügner müssen IMMER WISSEN , wen GERADE UND SCHON HATTEN BELOGEN und BRAUCH SO GUTES GEDÄCHTNIS . WAHRE WAHRHEITEN SAGER BRAUCHT DAS NICHT und KANN JEDEN TAG DIE ihm NEUE WAHRHEIT SAGEN oder Lebt NICHT IN DEMOKRATIE , was das Zensieren WIEDER BEWEISEN WIRD .
SCHWEIGEN IM WAHRHEIT WISSEN ? STIMMT DEM VERBRECHEN ZU .
DEMOKRATIE UND GEHEIMNISSE ALS STAAT HABEN ZU DÜRFEN ? GEHT NIE IN DEMOKRATIE und IST IMMER WAS ANDRES .

wer HAT STAAT IM KOPF und NICHT INDRESSEN seiner Lobby ?


Frank Frädrich . . .

Rainer_J

30.10.2013, 19:28 Uhr

Zitat:„Der große Lauschangriff muss zum Ende kommen"

Immer noch nichts gelernt?

Den großen Lauschangriff wird es immer geben. Andere Länder werden in Deutschland immer das technisch mögliche versuchen.

Das einzig hilfreiche ist eine wirksame Abwehr. Dazu gehört als erste Maßnahme die Schließung aller US-Army und NSA/CIA (usw.) Einrichtungen auf deutschem Boden.

Danach müssen die Router in Deutschland so konfiguriert sein, das eine E-Mail von München nach Berlin oder von Hamburg nach Frankfurt deutsche Hardware nicht verläßt und sich nur innerhalb Deutschland aufhält.

Wenn ich mit dem Auto von München nach Berlin fahre, dann fahre ich ja auch nicht über London oder New York, oder?

Ohne diese beide Maßnahmen wird es keine Verbesserung der Situation geben. Das ist Fakt!

Zu denken mit Gesetze, Verträge und Bla Bla Bla die Situation zu verbessern sind entweder schwachsinnige Politikdummköpfe oder gezielte Volksverdummung. Motto: Wir (die Politiker) tun ja was.

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