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10.02.2016

10:28 Uhr

Pisa, Bildung und die OECD

Fast jeder fünfte Schüler versagt bei leichten Aufgaben

Schlechtes Ergebnis für das deutsche Bildungssystem: Bei Problemschülern hat sich zwar etwas verbessert, sagen Forscher. Doch noch immer gilt jeder fünfte Fünfzehnjährige als äußerst leistungsschwach, warnt die OECD.

Fünfzehnjährige in Deutschland erreichen im Fach Mathematik bestenfalls das Kompetenzniveau 1, wie eine OECD-Studie ergibt. dpa

Defizite bei deutschen Schülern

Fünfzehnjährige in Deutschland erreichen im Fach Mathematik bestenfalls das Kompetenzniveau 1, wie eine OECD-Studie ergibt.

BerlinTrotz spürbarer Verbesserungen im Bildungssystem nach dem „PISA-Schock“ vor 15 Jahren gilt in Deutschland immer noch fast jeder fünfte fünfzehnjährige Schüler als zumindest teilweise äußerst leistungsschwach. Und nach wie vor ist der soziale Hintergrund eines Jugendlichen hierzulande ein entscheidender Risikofaktor für solches Schulversagen. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Daten der PISA-Tests bis 2012 hervor.

Gut 140.000 Fünfzehnjährige in Deutschland erreichten demnach in diesem Zeitraum im Fach Mathematik bestenfalls das Kompetenzlevel 1 (von insgesamt 6) , fast 70.000 Getestete waren sogar schwach in allen drei PISA-Vergleichsfeldern (Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen und Textverständnis).

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„Kompetenzniveau 1 - das sind wirklich allereinfachste Aufgaben“, etwa beim Lesen simple Informationen aufzunehmen, sagte OECD-Chefkoordinator Andreas Schleicher, der oft als „PISA-Papst“ bezeichnet wird. Den Schülern falle aber schon schwer, die Angaben auf einer Schachtel Aspirin zu verstehen oder beim Blick auf die Benzinanzeige einzuschätzen, wieviel Sprit noch im Tank ist.

„Es gibt einen relativ hohen Anteil Schüler, die nicht einmal dieses elementarste Niveau (Kompetenzniveau 1, Anm. der Redaktion) erreichen.“ Die OECD unterteilt den Kompetenzstand von Schülern in Stufen zwischen 0 und 6.

Wie generell bei PISA-Vergleichen ab 2003, so hat sich Deutschland auch im Bereich Schulversager verbessert - ohne dass es nach Ansicht Schleichers Anlass zur Euphorie gäbe: „Von der Leistungsspitze ist Deutschland immer noch weit entfernt.“ Tatsächlich fielen laut OECD 2012 etwa 140.000 Fünfzehnjährige auf, weil sie in Mathe höchstens das Kompetenzniveau 1 schafften. Jedoch ging der Anteil seit 2003 um vier Prozentpunkte auf 18 Prozent zurück, in Lesen/Textverständnis sogar um acht Punkte auf 14 Prozent. Dem tristen OECD-Durchschnitt sind die Problemschüler in Deutschland nun etwas entkommen.

Kommentare (8)

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10.02.2016, 10:55 Uhr

Na und, ich habe auch nur den Hauptschulabschluß und bin sogar zweimal sitzen geblieben.
Hat trotzdem für den mittleren Beamtendienst gereicht, und mit 58 ist Feierabend.

Herr x y

10.02.2016, 11:06 Uhr

Ein Land, in dem "Elite" ein Schimpfwort ist, kann da nicht besser abschneiden. Die Kultur ist an der Wurzel faul. Das hat mich schon vor dreißig Jahren vertrieben, und ich habe es keine Millisekunde bereut.

Herr Rudolf Ott

10.02.2016, 11:07 Uhr

Woran es hapert ist nicht die verstärkte Förderung von "Problemschülern", sondern die mangelhafte Förderung von leistungswilligen Schülern. Was sind "Problemschüler"? Im Rückblick auf die "antiautoritäte Welle" vor 40 Jahren waren Lehrer damit beschäftigt, den Schülern sozial-verträgliches Verhalten beizubringen. Eigentlich Aufgabe der Eltern. Wie sagte mein Referendarbetreuer vor 40 Jahren:
"Schüler sollten erzogen in die Schule kommen"! - Aber das schaffen wir heute, denn dank Kita etc. beschäftigen sich Profis mit der frühkindlichen Erziehung.

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