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03.12.2013

11:17 Uhr

Pisa-Studie

Note: 3+ für Deutschland

Die Schulleistungen deutscher Schüler bleiben im oberen Mittelfeld. Leistungsschwache und sozial benachteiligte Schüler schnitten besser ab als 2003. Doch die Pisa-Studie kommt auch zu einem „problematischen“ Ergebnis.

Zum Haareraufen: Die Schulleistungen deutscher Schüler bleiben nur Mittelmaß. dpa

Zum Haareraufen: Die Schulleistungen deutscher Schüler bleiben nur Mittelmaß.

BerlinBeim neuen internationalen Pisa-Schultest haben sich die 15-jährigen Schüler in Deutschland im oberen Mittelfeld behauptet. In Mathematik, Naturwissenschaften sowie im Lesen und Textverständnis erreichten sie Werte oberhalb des Durchschnitts der anderen Industrienationen. Auch die Zahl der leistungsschwachen Schüler ging in Deutschland leicht zurück. Gleichwohl können fast 18 Prozent der Heranwachsenden nur ganz einfache Mathe-Aufgaben lösen.

Eindeutige Pisa-Sieger sind nach den am Dienstag veröffentlichen Ergebnissen erneut die Schüler aus den asiatischen Regionen Shanghai, Singapur, Hongkong und Taipeh. 15-Jährige aus diesen Ländern sind Gleichaltrigen aus Deutschland allein in Mathematik um zwei bis drei Schuljahre voraus. Aber auch die Schüler aus der Schweiz und den Niederlanden finden sich in der weltweiten Mathe-Leistungstabelle unter den zehn Erstplatzierten.

Die Schüler in Deutschland erreichten diesmal beim Pisa-Schwerpunkt Mathematik 514 Punkte (2009: 513). Sie liegen damit 20 Punkte über dem Schnitt der anderen Pisa-Teilnehmerländer (494) - was einem Lernvorsprung von gut einem halben Schuljahr entspricht. Ähnliches gilt für die Naturwissenschaften. In der für das Lernen so wichtigen Disziplin Lesen/Textverständnis ist der deutsche Vorsprung allerdings nur halb so groß.

Pisa ist der weltweit größte Schulleistungstest. Er wird seit 2000 alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vorgenommen. Weltweit nahmen diesmal 510 000 Schüler aus 65 Staaten und Regionen teil. In Deutschland wurden rund 5000 Heranwachsende getestet.

Die ideale Schule

Engagierte Lehrer

...fordern 94 Prozent der Lehrer und 92 Prozent der Eltern.

Gut ausgebildete Lehrer

...fordern 85 Prozent der Lehrer und 83 Prozent der Eltern.

Gute Organisation des Schulalltags

...fordern 77 Prozent der Lehrer und 74 Prozent der Eltern.

Klassengröße

Kleine Klassen wünschen sich 76 Prozent der Lehrer und 80 Prozent der Eltern.

Förderung

Eine gezielte Förderung nach Begabung wünschen sich 75 Prozent der Lehrer und 78 Prozent der Eltern.

Platz

Geeignete Räumlichkeiten fordern 72 Prozent der Lehrer und 64 Prozent der Eltern.

Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben ist für 51 Prozent der Lehrer und 67 Prozent der Eltern ein wichtiger Faktor für die ideale Schule.

Fremde Kulturen

Die Möglichkeit zum Schüleraustausch ist für 27 Prozent der Eltern und 39 Prozent der Eltern wichtig.

Jungen sind in Deutschland mit ihren Mathe-Fähigkeiten gleichaltrigen Mädchen im Schnitt ein knappes halbes Schuljahr voraus. Der Vorsprung der Jungen hat sich im Vergleich zu früheren Pisa-Tests sogar noch vergrößert. Mädchen sind generell der Mathematik gegenüber negativer eingestellt. Ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist geringer, ebenso ihre Motivation und Lernausdauer.

Die in Deutschland ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft hat sich nach der jüngsten Pisa-Erhebung leicht abgeschwächt. Gleichwohl haben Schüler aus sozial bessergestellten Familien in Mathematik im Schnitt einen Leistungsvorsprung von 43 Punkten gegenüber Gleichaltrigen aus armen Elternhäusern - was fast eineinhalb Schuljahren entspricht.

Bei Schülern mit Migrationshintergrund zeigt sich ein ähnliches Bild. Ihr Kenntnisrückstand zu gleichaltrigen Schülern mit deutscher Herkunft liegt im Schnitt bei 54 Punkten, das sind fast zwei Schuljahre.

Das nur äußerst mäßige deutsche Abschneiden vor allem bei der wichtigen Disziplin Lesen/Textverständnis beim ersten Pisa-Test im Jahr 2000 hatte in der Öffentlichkeit den sogenannten Pisa-Schock ausgelöst. Die Kultusminister hatten daraufhin zahlreiche Schulreformen auf den Weg gebracht, unter anderem einheitliche Bildungsstandards für alle 16 Bundesländer.

Von

dpa

Kommentare (14)

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angela-wendehals

03.12.2013, 11:35 Uhr

Dummes Volk,Gutes Volk, so will es (auch)Erika.

Dass deutsche Schüler so schlecht sind, ist volle absicht, denn das breite Volk soll nie zu schlau werden. Ein schlaues Volk stört, denn man kann es nur sehr schwer manipulieren. Schlimmer noch, sie würde auf echte Demokratie und Volksbefragungen bestehen, aber Erika hasst nichts mehr, als dass das Volk mitbestimmen darf.

Am Ende würde man sie noch wegen Meineid / NSA Affäre belangen.

Sozialarbeiter

03.12.2013, 11:48 Uhr

Schuld sind die linken 68iger mit ihrer antiautoritären Erziehung sowie einer markt- und leistungsfeindlichen Grundeinstellung, der gezielten Erodierung von Familienstrukturen und bildungsaverser Masseneinwanderung.

Je intakter die Familienstruktur, umso leistungsfähiger und pychisch stabiler sind im Schnitt auch die Kinder.
Allerdings merkt man auch den demografischen Wandel. Leistungsorientierte und -fähige Eltern bekommen weniger Kinder als Leistungs- und Erziehungsschwache, deren Kinder oft mit erheblichen Schwächen bei Selbstdisziplin und Konzentrationsfähigkeit einen immer größeren Anteil bilden.

In einem staatlichen Bildungssystem wird Engagement der Lehrer nicht belohnt. Statt dessen senken viele Lehrer schon seit bald 20 Jahren immer mehr die Anforderungen und Bewertungsschlüssel, weil ein konstruktives Unterrichtssetting oft kaum noch durchgesetzt werden kann. Es will kaum ein Lehrer mit lauter schlechten Schülern dastehen, dito Schuldirektor.

So kommt es, daß ein immer höherer Anteil Schüler nicht mehr berufs- und ausbildungsfähig ist, und Gymnasiasten in anspruchsvolleren Fächern nicht ausreichende Fähigkeiten und Kenntnisse mitbringen.

Diese Tendenzen werden sich immer weiter verstärken, weil eine Korrektur hin zu Selbstdisziplin und Leistungsmotivation fördernden Strukturen durch eine sich im Gutsein gefallende Gesellschaft tabuisiert ist.

In 10-20 Jahren ist die BRD auch in Bezug auf ihr Humankapital bankrott.

xxx

03.12.2013, 11:54 Uhr

Wurde in der Studie eigentlich der Einfluss des vorangegangenen Unterrichtes auf die Ergebnisse herausgerechnet? Ich meine ganz speziell das "Teaching to the Test", wie es in der gymnasialen Oberstufe dank Zentralabitur fast ausschließlich stattfindet. Vermutlich nicht, weil das die Basis und damit die Aussagekraft der Erhebung ad adsurdum führen würde.

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