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17.12.2014

13:29 Uhr

Pkw-Maut beschlossen

Autofahrer, stellt Euch nicht so an!

VonStefan Menzel

Das Kabinett hat die Einführung der Pkw-Maut beschlossen. Doch die Diskussionen werden noch lange kein Ende nehmen. Warum Deutschland endlich auf Autobahnen und Bundesstraßen eine echte Maut einführen sollte.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.

Wieder einmal scheint in Deutschland die Welt unterzugehen. Wieder ist eine Glaubensfrage entbrannt, in der es am Ende um Leben und Tod gehen könnte. Wieder einmal scheint unsere Demokratie in Gefahr, wenn die Politiker diese ungeheuerliche neue Abgabe tatsächlich einführen würden.

Worüber reden wir überhaupt? Ja, es ist dieses leidige Thema, die neue Pkw-Maut. Und worum geht es dabei? Es geht um diese ziemliche lächerliche Zusatzbelastung von 100 Euro pro Jahr, damit endlich auch die ausländischen Autofahrer zur Finanzierung der deutschen Straßen herangezogen werden können.

Was bei der Pkw-Maut auf Autofahrer zukommen soll

Straßennetz

Inländer sollen für das knapp 13 000 Kilometer lange Autobahnnetz und das 39 000 Kilometer lange Netz der Bundesstraßen Maut zahlen. Pkw-Fahrer aus dem Ausland nur auf den Autobahnen.

Mautpreise

Alle inländischen Autobesitzer müssen eine Jahresmaut zahlen, die vom Konto abgebucht wird - sie richtet sich nach Größe und Umweltfreundlichkeit des Autos und beträgt höchstens 130 Euro. Für Ausländer gibt es neben der so berechneten Jahresmaut ergänzend eine Zehn-Tages-Maut (10 Euro) und eine Zwei-Monats-Maut (22 Euro).

Ausgleich für Inländer

Inländer sollen für Mautzahlungen durch eine geringere Kfz-Steuer wieder entlastet werden - auf den Cent genau. Bei besonders schadstoffarmen Autos (Euro 6) ist es möglich, für Maut und Steuer künftig etwas weniger zu zahlen als jetzt für die Steuer.

Besondere Fahrzeuge

Mautpflichtig sind auch Wohnmobile. Motorräder, Elektroautos, Wagen von Behinderten und Krankenwagen sind mautfrei.

Kontrollen

Statt an Klebe-Vignetten sollen Mautzahler über das Nummernschild ihres Autos zu erkennen sein. Kontrolliert werden soll dies in Stichproben durch einen elektronischen Kennzeichen-Abgleich. Daten sollen nur hierfür erfasst und schnell wieder gelöscht werden.

Geldbußen

Wer keine Maut zahlt und erwischt wird, muss Geldbußen zahlen – bis zu 150 Euro. Im Wiederholungsfall können bis zu 260 Euro plus eine Jahresmaut fällig werden. Dies soll auch bei Pkw-Haltern im Ausland eingetrieben werden.

Härtefälle

Wer nachweisen will und kann, dass er in einem Jahr weder auf Autobahnen noch auf Bundesstraßen gefahren ist, kann seine Maut zurückfordern. Nachweis könnte ein eigens geführtes Fahrtenbuch sein.

Wie viel sind 100 Euro, die die Maut voraussichtlich pro Jahr kosten wird? Wegen des massiven Ölpreisverfalls ist der Benzinpreis in den vergangenen zwei Jahren um ungefähr 30 Cent pro Liter gefallen, macht pro Tankfüllung durchschnittlich 20 Euro. Mit fünfmal Tanken ist das Geld für die neue Maut also schon wieder drin. Eine gewaltige Belastung sieht anders aus.

Eine andere Beispielrechnung: Die durchschnittliche Kilometerleistung eines Autos liegt in Deutschland bei etwa 15.000 Kilometern pro Jahr. Das Finanzamt erkennt als Aufwand für den gefahrenen Kilometer als Pauschale 30 Cent an. Die vollen Kosten dürften in Wahrheit eher bei 40 bis 50 Cent liegen, also im Jahr bei mindestens 6000 Euro. Was sind 100 Euro Zusatzaufwand in Relation dazu?

Kommentare (27)

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Herr Josef Schmidt

17.12.2014, 13:49 Uhr

Den "Eliten" bedeuten diese 100€ nichts. Es sind bloss nur weitere 100€ dem im Hamsterrad laufenden Bürger erpresst werden.

Und da die Maut alternativlos ist wird dies auch so vom freundlich lächelnden Chefredakteur der neutralen demokratischen Presse dargestellt.

Frau Pia Paff

17.12.2014, 13:57 Uhr

@ Josef Schmidt
... von dem im Hamsterrad laufenden Bürger erpresst. Der Brüller des Tages.
80 Milliarden p.a. für Nichtstuer, Schmarotzer u. aufstockende Rentner. Das ist ein Skandal!!

Herr Hans Dampf

17.12.2014, 14:02 Uhr

Wie süß! Da haben sie sich gefreut dass Ösis ind Italiener bei uns zahlen müssen und jetzt sind sie selbst dran. LOL Wer wirklich geglaubt hat, dass die Deutschen nichts zahlen müssen, hat wesentliche Vorgänge in unserer Politik nicht verstanden. Ich lach mich krank..

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