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26.02.2011

12:47 Uhr

Plagiatsaffäre

Juristen unterstellen Guttenberg Vorsatz

Es wird enger für Verteidigungsminister zu Guttenberg. Einem Magazinbericht zufolge erkennen Juristen seinem Plagiat Absicht. An der Uni Bayreuth kursiert die Bezeichnung Betrüger - und in der CDU das Wort Rücktritt.

Juristen attestieren zu Guttenberg Vorsatz. Quelle: dapd

Juristen attestieren zu Guttenberg Vorsatz.

Berlin/MünchenPlagiat ja, aber auch Vorsatz? Juristen attestieren Minister zu Guttenberg Absicht.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit nach Einschätzung von Juristen aus Vorsatz gehandelt. Wie der „Spiegel“ am Samstag vorab berichtete, sehen mehrere namhafte Juristen die Beweise als erdrückend an. Der auf Streitereien um Examensarbeiten spezialisierte Rechtsanwalt Michael Hofferbert sagte dem Magazin: „Kein Richter wird einem Kandidaten glauben, der über hundert Seiten seiner Doktorarbeit abschreibt und hinterher behauptet, er habe dies versehentlich getan.“

Ähnlich bewerte der Kölner Strafrechtsprofessor Thomas Weigend den Fall. „Ich würde einem Kandidaten nicht glauben, der in einem Fall behauptet, dass es bloße Fahrlässigkeit war.“ Der frühere Verfassungsrichter Winfried Hassemer sagte, selbst wenn der faktische Beweis nicht vorliege, seien Juristen gut darin geübt, „den Vorsatz aus den äußeren Umständen einer Tat zu schließen“.

Guttenberg hat sich bisher stets gegen den Vorwurf des Vorsatzes verwahrt und lediglich „gravierende handwerkliche Fehler“ eingeräumt. Vor diesem Hintergrund hat ihm die Universität Bayreuth den akademischen Titel wieder entzogen.

Derweil hat der Nachfolger des Doktorvaters von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat mit seiner scharfen Kritik in der Plagiatsaffäre nachgelegt. „Der Minister leidet unter Realitätsverlust“, sagte der Bayreuther Staatsrechtsprofessor Oliver Lepsius der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Es ist eine Dreistigkeit ohnegleichen, wie er honorige Personen der Universität hintergangen hat.“ Der Verteidigungsminister habe „planmäßig und systematisch“ wissenschaftliche Quellen zum Plagiat zusammengetragen und behaupte nicht zu wissen, was er tue. „Hier liegt die politische Dimension des Skandals.“

Kommentare (50)

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Rainer_J

26.02.2011, 11:48 Uhr

Wer Joschka Fischers Aussage (im Bundestag) glaubt, er hat Steine nur in die Luft geworden, aber nicht gezielt auf Menschen, der kann sich nicht hinstellen und behaupten Guttenberg hat die Fußnoten absichtlich vergessen. Denn der erste Fall ist noch wesentlich zweifelhafter als der zweite.

SayTheTruth

26.02.2011, 11:49 Uhr

Bisher war ich echt ein grosser Sympatisant vom FrHr. zu Guttenberg aber schon das 2 Seiten lange Vorwort zu seiner Dissertation liest sich wirklich sehr überheblich, selbstgefällig und dick aufgetragen.

http://bookview.libreka.de/retailer/urlResolver.do?id=9783428125340&retid=100154

Wie hieß es in einem blog im forum .. das Vorwort liest sich wie "gequirltes Quallenfett". Hab ich auch noch nicht gehört vorher, scheint aber zu passen.

PeterH

26.02.2011, 11:52 Uhr

Ich verstehe nicht warum Merkel den Fälscher noch im Amt hält. Das ist unerhört. Wir sind doch in keiner Ochlokratie wo Stimmungslagen uninformierter Menschen über die Fakten gestellt werden. Jeder Soldat bei einer Bundeswehruni würde unehrenhaft entlasse und disziplinarrechtlich bestraft. Der Bundesminister ist so frei. Schamlos.

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