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04.02.2013

14:23 Uhr

Plagiatsaffäre

Schavan verreist vor Uni-Entscheidung nach Afrika

Morgen könnte Bildungsministerin Annette Schavan ihren Doktortitel verlieren. In Düsseldorf kommt der Fakultätsrat der Uni zur womöglich entscheidenden Runde zusammen. Und Schavan? Sie reiste nach Südafrika.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)  weilt für fünf Tage in Südafrika. dpa

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) weilt für fünf Tage in Südafrika.

DüsseldorfAuf dem Campus der Uni Düsseldorf könnte sich morgen das politische Schicksal von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) entscheiden. Um 14.30 Uhr kommen die 19 Mitglieder des Fakultätsrats im Gebäude mit der Nummer 23.31 zusammen, um über die Aberkennung von Schavans Doktortitel zu diskutieren – und womöglich zu entscheiden. Es reicht ein Mehrheitsbeschluss.

Die Beratungen dürften nach Angaben eines Universitätssprechers mehrere Stunden dauern. Das Gremium könnte Schavan den 1980 erworbenen Doktortitel entziehen oder sich gegen die Aberkennung aussprechen. Möglich ist auch, dass der Rat die Prüfung der umstrittenen Doktorarbeit „Person und Gewissen“ fortsetzt und eine weitere Sitzung anberaumt. Und Schavan? Sie geht, ganz Business as usual, ihren Ministerjob nach und brach am Montag nach Südafrika auf. Fünf Tage sind für die politischen Gespräche in Johannesburg, Pretoria und Kapstadt über berufliche Bildung und Wissenschaftskooperation eingeplant.

Die Affäre um die Doktorarbeit der Bildungsministerin

16. Januar 2012

Mitglieder der Enthüllungsplattform Vroniplag, die unter anderem Plagiate in der Arbeit der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin nachwiesen, legen eine Website zu Schavans vor 30 Jahren verfasster Doktorarbeit "Person und Gewissen" an. Sie entscheiden sich jedoch dagegen, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil die gefundenen Textstellen dies nicht rechtfertigten.

2. Mai

Ein anonymes Mitglied des Vroniplag-Netzwerks, das sich "Robert Schmidt" nennt, veröffentlicht die Vorwürfe gegen die CDU-Politikerin auf einer Website namens "schavanplag". Schavan erklärt sich bereit, sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen und versichert, die Arbeit "nach bestem und Gewissen" angefertigt zu haben. Auf Bitten Schavans beginnt der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät ihrer alten Uni ein Prüfverfahren.

9. Oktober

"Robert Schmidt" gibt bekannt, er habe die Suche nach Fehlern in Schavans Arbeit abgeschlossen. Insgesamt kritisiert er nun 92 Stellen in der mehr als 350 Seiten umfassenden Doktorarbeit.

14./15. Oktober

Der "Spiegel" zitiert aus einem vertraulichen Gutachten des Vorsitzenden des Promotionsausschusses der Uni Düsseldorf. Laut dem Bericht wirft der Religionswissenschaftler Stefan Rohrbacher darin Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" vor. Schavan erfährt von der Existenz des Gutachtens erst durch einen Journalisten des Magazins. In der "Süddeutschen Zeitung" weist sie die Unterstellung einer Täuschungsabsicht "entschieden zurück". Sie räumt ein, sie habe "hier und da noch sorgfältiger formulieren können".

16./17. Oktober

Wegen des durchgesickerten Gutachtens hat die Universität Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Uni-Rektor Michael Piper kündigt an, die Universität werde von nun an keine Informationen zum Verfahrensstand mehr geben. Ranghohe Wissenschaftsfunktionäre kritisieren schwere Verfahrensfehler der Uni und fordern das Einholen eines externen Gutachtens. Schavans Doktorvater Gerhard Wehle verteidigt die Doktorarbeit als "in sich stimmig".

21. Dezember

Erneut gelangen Informationen aus den Uni-Gremien an die Öffentlichkeit. Der "Spiegel" berichtet, dass die Promotionskommission geschlossen hinter einem Aberkennungsverfahren stehe.

16. Januar

Ein externer Gutachter stärkt der Uni den Rücken. Der Bonner Wissenschaftsrechtler Klaus Gärditz kommt zu dem Ergebnis, dass keine "rechtlich relevanten Verfahrensfehler" festzustellen sind.

19./20. Januar

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Universität ihren Vorwurf abgeschwächt hat. Der Promotionsausschuss wirft Schavan demnach nicht mehr vor, absichtlich getäuscht zu haben. Dennoch empfiehlt die Kommission laut dem Bericht dem Fakultätsrat, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten.

Schavan, eine enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), hatte angekündigt, um ihren Titel zu kämpfen. Sie räumte zwar Flüchtigkeitsfehler in ihrer Dissertation ein, wies den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber entschieden zurück. Die Plagiatsvorwürfe waren erstmals Ende April 2012 im Internet aufgetaucht. Plagiatsjäger warfen Schavan unkorrektes Zitieren und die Verschleierung von Quellen vor.

Sollte der Fakultätsrat Schavan den Doktorgrad entziehen, kann sie innerhalb eines Monats vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf klagen.

Von

dpa

Kommentare (9)

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zarakthuul

04.02.2013, 15:16 Uhr

Schade, das hätte doch so ein schönes Bild gegeben. Schavan und Merkel, die gleichzeitig SMS mit der Nachricht der Aberkennung bekommen. Ob dann auch beide so lächeln wie beim Lügenbaron?

RBern

04.02.2013, 15:20 Uhr

Schavan verreist vor Uni-Entscheidung nach Afrika,
um sich zu bilden.

kaleb

04.02.2013, 15:22 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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