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13.07.2011

17:53 Uhr

Plagiatsvorwürfe

FDP-Vorstandsmitglied Chatzimarkakis verliert Doktortitel

Erst Silvana Koch-Mehrin, nun Jorgo Chatzimarkakis: Die Universität Bonn hat dem FDP-Europapolitiker den Doktor aberkannt. Und auch für ein weiteres prominentes FDP-Mitglied könnte es wegen Doktor-Schummelei eng werden.

Weiterer FDP-Politiker verliert Doktortitel

Video: Weiterer FDP-Politiker verliert Doktortitel

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BonnDer FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis verliert seinen Doktortitel. Der Fakultätsrat habe einstimmig beschlossen, ihm die Doktorwürde abzuerkennen, sagte der Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Bonn, Prof. Dr. Günther Schulz, am Mittwoch.

Die Prüfer fanden in der Dissertation „Informationeller Globalismus: Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs“ in zahlreichen Fällen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten entlehnte Passagen, die nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet waren.

Chatzimarkakis habe Texte anderer Autoren eingefügt, deren Anfang und Ende jedoch nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Lediglich am Ende der Passagen nannte er in einer Fußnote die Belegstelle. Das reiche jedoch nicht aus und verletzt die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens, sagte Schulz.

„Eine solche Praxis vermittelt den Eindruck dass hier Herr Chatzimarkakis spricht, während in Wirklichkeit Texte anderer Autoren reproduziert werden.“ Die Kommission stellte fest, dass mehr als die Hälfte des Textes aus fremden Federn stammt. Das genüge nicht den Anforderungen an eine Doktorarbeit, sagte Schulz.

Chatzimarkakis reagierte frustriert auf die Aberkennung seines Doktortitels. „Diese heutige Entscheidung ist sehr bitter für mich“, teilte er in Brüssel mit. Seine Dissertation sei ein „Grenzfall“ gewesen. Die Universität Bonn habe kritisiert, dass nicht ausreichend klar gewesen sei, wie sich sein eigener vom fremden Text abgrenze. Seiner Darstellung zufolge hatte er immer Quellen genannt, „jedoch ohne Gänsefüßchen“.

Mit Erleichterung nehme er zur Kenntnis, dass die Universität Bonn keine Täuschungsabsicht sehe. Er habe die Arbeit im Jahr 2000 online veröffentlicht, weil er überzeugt gewesen sei, dass sie gemäß der Promotionsordnung gewesen sei.

Er bedauere, dass seine damals gewählte Zitierweise heute als unzureichend angesehen werde, sagte der saarländische Europa-Abgeordnete. Er wolle nun beweisen, dass er aus Fehlern lernen könne. „Ich bin bereit, eine erneute Doktorarbeit in Angriff zu nehmen."

Chatzimarkakis hatte die Vorwürfe stets vehement bestritten. Die methodische Schwäche seiner Arbeit sei bereits bei der Prüfung seiner Dissertation benannt und bei der Notengebung berücksichtigt worden. Chatzimarkakis hatte für die im Jahr 2000 vorgelegte Arbeit die Note „Drei“ erhalten.

Der EU-Abgeordnete selbst hatte die Philosophische Fakultät Anfang Mai 2011 um Prüfung seiner Doktorarbeit gebeten, nachdem im Internetforum VroniPlag Plagiatsvorwürfe gegen ihn aufgetaucht waren.

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Nach der ex-Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Silvana Koch-Mehrin, verliert mit Chatzimarkakis noch ein FDP-Europapolitiker seine Doktorwürde. Und auch die Doktorarbeit eines weiteren prominenten FDP-Mitglied wird kritisch unter die Lupe genommen.

Nach Plagiatsvorwürfen wird die Universität Bonn auch die Dissertation der FDP-Beraterin Margarita Mathiopoulos erneut überprüfen. Das habe der Promotionsausschuss beschlossen, teilte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Günther Schulz, am Dienstag mit.  

Mathiopoulos' promovierte mit der Arbeit "Amerika: das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in Europa und in den USA" 1986 an der Universität Bonn. Bereits Anfang der 90er Jahre geriet die Dissertation in die Kritik: Eine Überprüfung hatte damals zwar handwerkliche Mängel ergeben, aber keine Verfehlungen, die zur Aberkennung des Doktortitels geführt hätten.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

13.07.2011, 17:25 Uhr

In allen TV-Auftritten die große Fresse haben, hei0t eben noch lange nicht, dass man gebildet ist.
Mehr Schein als Sein ist ja seit eingien Jahren bei einigen das Motto. Aber irgendwann schlägt einem so etwas eben auf die Füße
Es wird jetzt aber Zeit, dass die FDP endlich handelt und diees Typen und die Koch-Mehrin endlich aus Brüssel abzieht und ihrer Ämter enthebt
Die sollen mal ordneltich arbeiten gehen und ncith vomGeld der Steuerzahler leben

F.Franz

13.07.2011, 17:52 Uhr

Man muss sich das vorstellen: Da legt jemand einen Besinnungsaufsatz als Doktorarbeit vor und das reicht.
Und dann ist der auch noch abgeschrieben.

Tolle Unis.

Account gelöscht!

13.07.2011, 18:01 Uhr

Ich habe selten so eine befremdliche Stellungsnahme zur Aberkennung des Dr. Titel gelesen. Seine inhaltliche Erklärung zeigt ein hohes Maß an bipolaren Störungen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Ich denke eine psychiatrische Untersuchung ist bei diesem Betrüger zwingend notwendig!

Weiterhin kann er eine Stellungsnahme auf seiner Website posten, aber anscheined fehlt ihm die Neigung seine Kontaktseite zeitgleich anzupassen. Da steht immer noch Dr.
Dr. Jorgo Chatzimarkakis, MdEP
http://www.chatzi.de/de/kontakt.html

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