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20.04.2011

08:04 Uhr

Plagiatsvorwürfe

SPD fordert von Koch-Mehrin Erklärung

Exklusiv Der Plagiatsverdacht gegen die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin ruft die SPD auf den Plan. Für Innenexperte Edathy ist es an der Zeit, dass die Europaabgeordnete zu den Vorwürfen eine Erklärung abgibt.

Silvana Koch-Mehrin. Quelle: dpa

Silvana Koch-Mehrin.

DüsseldorfDie SPD hat die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin aufgefordert, sich zu den "gravierenden" Plagiatsvorwürfen gegen sie zu äußern. "Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlamentes sollte dazu öffentlich Stellung beziehen. Dabei weiß sie ohne Zweifel, dass ein ausbleibendes Dementi nur zu ihren Ungunsten bewertet werden kann", sagte der Innenexperte der SPD-Fraktion im Bundestag, Sebastian Edathy, Handelsblatt Online. "Insofern verwundert ihr Verhalten beziehungsweise kommt einem Eingeständnis durch Schweigen gleich", fügte das Fraktionsvorstandsmitglied hinzu.

Die Online-Plattform "Vroniplag" war zuvor in einem Abschlussbericht zu dem Schluss gekommen, dass die Europaabgeordnete "in erheblichem Umfang" bei ihrer Dissertation abgeschrieben und dabei nicht auf die entsprechenden Quellen verwiesen habe. Das berichtet die "Frankfurter Rundschau". Knapp 28 Prozent aller Seiten seien demnach als "sichere Plagiate" entlarvt worden.

Die Zeitung zitierte einen anonymen Prüfer der Plattform mit den Worten: "Jeder kann sich selbst ein Bild machen, das ist ein klarer Fall von Plagiarismus." Jede verdächtige Stelle sei von mehreren Mitarbeitern der Plattform untersucht worden. Im Vergleich zur Doktorarbeit von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sei die Qualität aber nicht nur wegen des geringeren Anteils der Plagiate, sondern auch wegen deren Umsetzung ein andere. "Wenn wir das mit der Tour de France vergleichen, dann können wir sagen, dass wir Koch-Mehrin des Dopings überführt haben, während Guttenberg auf einem Motorrad davongefahren ist", sagte ein Sprecher der Plattform. "Aber Doping führt auch zur Disqualifikation."

Koch-Mehrin wollte sich dem Bericht zufolge nicht zu den Vorwürfen äußern. Sie habe darauf verwiesen, dass die Angelegenheit von der Universität Heidelberg geprüft werde. Die Untersuchung dürfte noch einige Wochen dauern, könnte aber noch vor dem FDP-Bundesparteitag Mitte Mai abgeschlossen sein. Sollte sich abzeichnen, dass Koch-Mehrin der Doktortitel aberkannt wird, wäre dies ein Rückschlag für ihre Ambitionen in der Partei. Die 40-Jährige ist Vizepräsidentin des Europaparlaments und gilt als eine der Hoffnungsträgerinnen der Liberalen.

Kommentare (13)

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Thomas-Melber-Stuttgart

20.04.2011, 08:31 Uhr

Tja, in diese Verlegenheit können viele Politiker der SPD und beinahe alle der Grünen nicht kommen, da für eine Promotion ein erfolgreich abgeschlossenes Studium Voraussetzung ist.

Account gelöscht!

20.04.2011, 08:50 Uhr

Warten Sie es nur ab! Wenn die Aaßgeier mit den Doktorarbeiten fertig sind, nehmen die sich die Diplome, Abiture und Grundschulabschlüsse vor. Ok, damit hat Rot-Rot-Grün auch nichts zu tun, aber wir haben hier ja auch keine anderen Probleme in diesem Land.
Wie sagte Joschka Fischer: Deutschland geht es prächtig!

cumtacent

20.04.2011, 09:11 Uhr

Ich bin dagegen, dass Sie zurücktritt. Immerhin sieht Sie ganz gut aus; das und die Tatsache, dass Sie eine Frau ist und dazu noch FDP Mitglied, qualifziert Sie als Politikerin. Wissenschaftliche Qualifikation stört da doch nur.

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