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12.04.2011

14:10 Uhr

Plagiatsvorwürfe

Universität prüft Schummel-Vorwürfe gegen Koch-Mehrin

Hat die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin auch bei ihrer Doktorarbeit geschummelt? Im Internet sind zahlreiche verdächtige Passagen aufgetaucht - nun prüft die Universität Heidelberg die Vorwürfe.

Vorzeigefrau der FDP: Silvana Koch-Mehrin. Quelle: dpa

Vorzeigefrau der FDP: Silvana Koch-Mehrin.

DüsseldorfDie Universität Heidelberg prüft Vorwürfe, nach denen die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben soll. „Wir haben am Montag davon erfahren“, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Die philosophische Fakultät sei von der Internet-Plattform „VroniPlag Wiki“ telefonisch über Anhaltspunkte informiert worden, die Arbeit stamme in Teilen nicht von Koch-Mehrin. Die Europaabgeordnete kommentierte die Vorwürfe zunächst nicht.

An diesem Mittwoch werde die Sache in der Fakultätsratssitzung vorgetragen, die die Angelegenheit dann offiziell dem Promotionsausschuss übergeben soll, erläuterte die Uni-Sprecherin das weitere Vorgehen. Sollte sich der Vorwurf erhärten, müsse sich letztlich die „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der Angelegenheit annehmen. Wie lange so eine Prüfung dauert, konnte die Sprecherin nicht sagen. Laut „VroniPlag Wiki“ prüfen inzwischen mehrere Helfer die Doktorarbeit Koch-Mehrins.

Benannt ist die Internetseite "VroniPlag Wiki" nach Veronica Saß, Tochter von Edmund Stoiber, deren Dissertation die Plagiatsjäger ebenfalls ins Visier genommen hatten. Nun haben die Aktivisten auch die Doktorarbeit von Koch-Mehrin unter die Lupe genommen - und sind fündig geworden.

Beinahe stündlich erhöht sich die Zahl der Textpassagen, die von anderen Autoren übernommen worden sein sollen, ohne dies in einer Fußnote kenntlich zu machen. Am Dienstagmittag waren es 27 Stellen. Koch-Mehrin (40) hat ihre 227-seitige Dissertation "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" im Jahr 2000 an der Universität Heidelberg eingereicht. Zuvor studierte sie von 1990 bis 1995 Volkswirtschaftslehre und Geschichte in Hamburg, Straßburg und Heidelberg.

Für die politisch angeschlagenen Liberalen kommen die Vorwürfe gegen Koch-Mehrin, die 2004 als "das schöne Gesicht der FDP" im Europawahlkampf angepriesen wurde, zur denkbar ungünstigen Zeit. Die FDP hat in fast allen Umfragen nicht nur aufgrund ihrer energiepolitischen Kehrtwende ein Glaubwürdigkeitsproblem. Unter dem designierten Vorsitzenden Philipp Rösler will die FDP verloren gegangenes Vertrauen und Sympathien zurückgewinnen. Sollten sich die Vorwürfe gegen die von Guido Westerwelle protegierte Europaabgeordnete erhärten, würde dies den Liberalen weiteren Schaden zufügen.

Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments ist Mitglied in Präsidium und Bundesvorstand und gehört damit zur obersten Führungsspitze der FDP. Ihr werden Ambitionen auf einen der drei Posten des Vizeparteichefs nachgesagt. Ihr baden-württembergischer Landesverband hat sich allerdings vor wenigen Tagen entschieden, allein Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel zu nominieren.

Kommentare (27)

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12.04.2011, 08:02 Uhr

Nun sollte man alle Dissertationen von Politikern einer Prüfung unterziehen und ich würde wetten, dass da noch einige "Überraschungen" warten

Roeslein

12.04.2011, 08:46 Uhr

Mit der Wahrheit können Politiker verdammt wenig anfangen.
Es ist deswegen gut, dass es das Internet gibt, das solche Betrügereien aufdecken hilft. Wahrscheinlich geht dabei schon so manchem "Doktor" in der Politik der Ar... auf Grundeis!
Im vorliegenden Fall habe ich mich sowieso schon gefragt, wie man ohne Beherrschung der Grundrechenarten (Sendung Plassberg)einen Doktortitel führen kann?

Account gelöscht!

12.04.2011, 08:52 Uhr

Das sehe ich genauso. wenn man nun nur auf einzelne politiker von einzelnen parteien geht dan entwickelt sich das hier zur hexenjagd. unabhängig davon schwächt es die regierungsfähigkeit, wenn man sich ständig mit den doktorarbeiten und den darauf folgenden rücktritten auseinandersetzen muss. ich heiße es nicht gut, aber es macht jeder! der eigentliche skandal ist aber meiner meinung nach bei den unis. warum finden die das nicht? technische hilfe gab es auch von 10 jahren!

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