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22.10.2012

08:13 Uhr

Plus von 100 Milliarden Euro

Steuereinnahmen in Deutschland steigen kräftig an

ExklusivGute Nachrichten für das Finanzministerium: Nach der Prognose des Arbeitskreises Steuerschätzung steigen Steuereinnahmen in den nächsten Jahren um 100 Milliarden Euro. Der Staat greift den Bürgern tiefer in die Tasche.

Ein Plus für Schäuble, mehr Belastung für die Bürger. dpa

Ein Plus für Schäuble, mehr Belastung für die Bürger.

DüsseldorfWenn kommende Woche der Arbeitskreis Steuerschätzungen seine Prognosen bis 2017 vorstellt, wird zweierlei klar werden: Noch nie nahm der Staat so viel Geld wie heute ein. In den nächsten fünf Jahren wird das Aufkommen sogar um gut 100 Milliarden auf mehr als 700 Milliarden Euro wachsen.

Wegen des progressiven Steuersystems wachsen die Einnahmen stärker als die Wirtschaftsleistung – Jahr für Jahr greift der Fiskus den Bürgern also etwas mehr in die Tasche. Für 2012 erwarten Finanzexperten im Vorfeld der Steuerschätzung etwa 600 Milliarden Euro Aufkommen. Das wären rund 27 Milliarden mehr als 2011 und etwa drei bis fünf Milliarden Euro mehr als noch vor einem halben Jahr geschätzt. 2013 dürften die Mehreinnahmen ähnlich hoch ausfallen, hieß es in Schätzerkreisen.

Gestützt werden die Prognosen durch das hohe Aufkommen im wichtigen Vorauszahlungsmonat September. Gegenüber dem Vorjahresmonat seien die Einnahmen um 4,2 Prozent gestiegen, erfuhr das Handelsblatt aus dem Bundesfinanzministerium. Ohne einen Sondereffekt bei der Körperschaftsteuer – eine Milliarden-Rückzahlung – wäre das Plus mit 7,5 Prozent noch kräftiger ausgefallen.

Nach drei Quartalen haben Bund und Länder nun schon 21,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum eingenommen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei weiterhin "gut" und dies führe zu einer "regen Konsumtätigkeit der privaten Haushalte", hieß es aus dem Finanzministerium weiter. Überdies sei mit einer "deutlichen Gewinnexpansion" in der Wirtschaft zu rechnen.

Die größten Risiken für den deutschen Staatshaushalt

Griechenland-Pleite

Deutschland käme eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands teuer zu stehen. Eine Pleite mit anschließendem Euro-Austritt würde den Bund nach Berechnungen des Ifo-Instituts bis zu 82 Milliarden Euro kosten. Falls Griechenland nach einer Zahlungsunfähigkeit in der Währungsunion verbleibt, steigen die Kosten demnach auf bis zu 89 Milliarden Euro. In diesen Zahlen sind unter anderem die bereits ausgezahlten Beträge aus den Rettungspaketen und die Käufe von griechischen Staatsanleihen durch die Zentralbanken der Euro-Länder enthalten.

Konjunktur

Die wichtigste Einnahmequelle des Staates sind die Steuern. Wie stark sie sprudeln, hängt von der Konjunktur ab. Und die dürfte sich im zweiten Halbjahr wesentlich schlechter entwickeln. „Die Konjunktur in Deutschland könnte nach der Jahresmitte 2012 stärker als bisher durch die Verunsicherung im Euro-Raum beeinträchtigt werden“, warnt etwa die Bundesbank. Viele Experten befürchten, dass das Bruttoinlandsprodukt im Sommer schrumpft. Schon in den ersten sechs Monaten stiegen die Steuereinnahmen mit 3,8 Prozent wesentlich langsamer als ein Jahr zuvor mit 9,6 Prozent.

WestLB

Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen bürgen für die Milliarden-Risiken des einstigen Flaggschiffs unter den Landesbanken. Die Erste Abwicklungsanstalt als Bad Bank hat zum 1. Juli ein Portfolio von 100 Milliarden Euro von der zerschlagenen WestLB übernommen. Die Differenz zwischen dem Übernahmewert der Papiere und ihrem aktuellen Marktwert fließt im zweiten Halbjahr in die Defizitberechnung des Bundes und des Landes ein.

Zinskosten

Investoren reißen sich um Bundeswertpapiere, die als sichere Anlage in der Euro-Krise gelten. Mehrfach konnte der Bund sich teilweise zum Nulltarif verschulden oder kassierte sogar Prämien. Die Zinskosten sanken deshalb im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent. Ob sich das so fortschreiben lässt, ist keineswegs gewiss. Am Markt sind die Zinsen in den vergangenen Wochen wieder gestiegen: Lagen sie im Juli zeitweise bei 1,1 Prozent, so sind es derzeit mehr als 1,4 Prozent. Wegen der hohen Kosten durch die Euro-Krise droht die Ratingagentur Moody's mit dem Entzug der besten Bonitätsnote AAA, was die Zinsen weiter nach oben treiben könnte.

Infolgedessen stieg im September das Lohnsteueraufkommen um 7,6 Prozent, das Umsatzsteueraufkommen wuchs um sieben Prozent, und die Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen legten um 7,5 Prozent zu. Nach drei Quartalen übersteigt das Lohnsteueraufkommen das Vorjahresergebnis nun um 6,6 Prozent; das Umsatzsteueraufkommen wuchs um 2,9 Prozent und das Körperschaftsteueraufkommen gar um 33,6 Prozent.

Von

asr

Kommentare (30)

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Wuest

22.10.2012, 08:34 Uhr

Und an dieser Stelle höre ich von unseren hochverehrten Politikern nur "STEUERERHÖHUNGEN". Diese Steuererhöhungen hat es in Wirklichkeit schon längst gegeben, wie die Einnahmenseite des Staates eindrucksvoll zeigt. Jetzt werden wieder Spezialisten loszetern und auf das Wirtschaftswachstum verweisen. Alles Quatsch! Die Steigerung der Steuereinnahmen liegt seit Jahren weit oberhalb des Wirtschaftswachstums! Hier wird dem deutschen Michel hemmungslos in den Beutel gegriffen.

Die sogenannten "niedrigen" Steuersätze sind gestalterisch lange gegenfinanziert. Nahezu alle Schlupflöcher sind verstopft und zubetoniert. Diese Steuern werden von der ganz großen Breite der gesellschaft auch bezahlt. Denken wir mal dran, dass der Professor aus Heidelberg auch mit 25% Steuern, aber eben auf alles!!, auch gut hätte leben können. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass er damit Recht hatte.

Wir brauchen keine höheren Spitzensteuern; im Gegenteil. Wir sollten den Spitzensteuersatz auf 35% reduzieren. Im Gegenzug sollte aber die Erbschaftssteuer optimiert werden. Hier scheint mir der staatliche Anteil am Umsatz objektiv zu gering.

Account gelöscht!

22.10.2012, 08:48 Uhr

Einnahmen die auf Kosten der Bürger zustande kommen...60& Steuern und Abgaben, das ist krank, sorry!!! Damit man sich am Ende mit dem Geld noch mal um fast 20% Steuern beim Einkauf und 60-70% Steuern beim tanken beklauen lassen darf.

Und was passiert mit diesen unzähligen Steuergeldern? auch darauf haben wir NULL Einfluss, es wird einfach von den oberen Vollpfosten der PArteien irgendwo versenkt ohne dass jemand dafür grade stehen muss.

Euroaus

22.10.2012, 08:57 Uhr

Die Bürger Deutschlands werden ausgequetscht um es den maroden Südländern in den Rachen zu werden!
Ekelhaft!!!

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