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11.10.2014

10:49 Uhr

Polit-Comeback

Friedrich Merz übernimmt Amt in der CDU

Finanzfachmann Friedrich Merz kehrt in ein Amt bei der CDU zurück: Er übernimmt einen Sitz in der Kommission „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Der Thinktank ist auch eine Reaktion der Union auf die Erfolge der AfD.

Friedrich Merz: Seine Expertise ist in der CDU wieder gefragt. dpa

Friedrich Merz: Seine Expertise ist in der CDU wieder gefragt.

Es könnte die politische Überraschung des Jahres werden: Friedrich Merz kehrt nach Informationen der „Bild“ zurück auf die politische Bühne. Konkret wird Merz in der CDU-Parteikommission „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ einen Sitz übernehmen, auch die Eröffnungsrede wird er halten. Am Montag wird das Gremium zum ersten Mal tagen. Das Thema laut dem Blatt: „Digitalisierte Wirtschaft und Gesellschaft – neue Herausforderungen für den Zusammenhalt in unserem Land.“

Den Vorsitz der Kommission hat Bundesvize und Chef der NRW-CDU Armin Laschet inne, der laut „Bild“ den 58 Jahre alten Merz zurückholt. „Ich schätze Friedrich Merz und seinen Rat in Wirtschaftsfragen sehr. Unsere Wirtschaftskompetenz müssen wir in diesen Zeiten stärker herausstellen und mit kluger Gesellschaftspolitik verbinden“, zitiert das Blatt Laschet.

Die Karriere der Angela Merkel

1991

Im Januar wird die Vizesprecherin der letzten DDR-Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) mit 35 Jahren Bundesministerin für Frauen und Jugend. Im Dezember wird sie stellvertretende Vorsitzende der CDU, der sie erst 1990 beigetreten war.

1994

Im November tritt sie das Amt der Bundesumweltministerin an.

1998

Nach verlorener Bundestagswahl wird sie im November CDU- Generalsekretärin unter Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble.

1999

Im Dezember fordert Merkel ihre Partei angesichts der Parteispendenaffäre auf, sich von Altkanzler Kohl zu lösen.

2000

Im April wird Merkel als Nachfolgerin des zurückgetretenen Schäuble zur Parteichefin gewählt. Sie ist die erste Frau an der CDU-Spitze.

2002

Im Januar verzichtet Merkel nach langem Tauziehen zugunsten von CSU-Chef Edmund Stoiber auf die Kanzlerkandidatur, im September gewinnt die rot-grüne Koalition knapp die Bundestagswahl. Merkel wird Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und bleibt dies bis 2005.

2005

Die SPD will die Bundestagswahl vorziehen, CDU und CSU bestimmen Merkel im Mai zur Kanzlerkandidatin. Bei der Wahl im September verpasst die Union den angestrebten Machtwechsel zu Schwarz-Gelb – doch im November wird Merkel als Bundeskanzlerin einer großen Koalition vereidigt. Sie ist die erste Frau im höchsten Regierungsamt und mit 51 Jahren die Jüngste als Kanzler.

2009

Bei der Bundestagswahl im September reicht es für ein schwarz- gelbes Bündnis. Im Oktober wird Merkel zum zweiten Mal zur Kanzlerin gewählt.

2010

Merkel setzt Christian Wulff als Bundespräsidenten-Kandidaten durch, nachdem Horst Köhler Ende Mai seinen Rücktritt erklärt hat.

Januar 2012

Als Wulff im Februar ebenfalls zurücktritt, stimmt Merkel dem Vorschlag von SPD, Grünen und FDP zu, Joachim Gauck als Kandidaten für das Präsidentenamt aufzustellen.

Dezember 2012

Im Dezember wird sie zum sechsten Mal als CDU-Vorsitzende bestätigt - mit knapp 98 Prozent, ihrem bisher besten Ergebnis.

2013

Bei der Bundestagswahl im September gewinnen CDU und CSU, aber der bisherige Partner FDP schafft es nicht mehr ins Parlament. Die Union bildet mit der SPD erneut eine große Koalition. Im Dezember wird Merkel zum dritten Mal Kanzlerin.

Als Mitglieder berufen wurden Bildungsministerin Johanna Wanka, der neue JU-Bundesvorsitzende Paul Ziemiak, der Historiker Prof. Paul Nolte (FU Berlin), Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte (Uni Duisburg-Essen) sowie Ali Ertan Toprak (Kurdische Gemeinde Deutschland) sowie Abraham Lehrer (Vorstandsvorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland).

Die illustre Runde soll laut CDU-Generalsekretär Peter Tauber erarbeiten, was die Gesellschaft zusammenhält, und was die CDU dazu beisteuern kann. Damit reagiert die Partei offensichtlich auch auf neue Konkurrenz von rechts: in erster Linie die „Alternative für Deutschland“ (AfD).

2005 hatte sich Finanzfachmann Merz, auch aus Frust über den Führungsstil von Bundeskanzlerin Angela Merkel, aus Fraktionsspitze und CDU-Präsidium zurückgezogen und sein Bundestagsmandat abgegeben. Er hatte damals angekündigt, er wolle eine „Polit-Pause“ einlegen. Merkel hatte bereits nach der verlorenen Bundestagswahl 2002 Merz als Unionsfraktionschef abgelöst. Merz blieb bis Ende 2004 stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion.

Danach hatte er in erster Linie wieder als Rechtsanwalt gearbeitet und ist seit 2009 Vorsitzender der „Atlantik-Brücke“ und Mitglied der „Trilateralen Kommission“. Lediglich auf Landesebene in Berlin, NRW und Rheinland-Pfalz beriet er kurzzeitig die dortigen CDU-Spitzenkandidaten im Wahlkampf.

Merz war selbst damals als potenzieller Gründer einer neuen Partei gehandelt worden. Er selbst schätze deren Potenzial auf bis zu 15 Prozent – eine Zahl, von der die AfD mit Umfragewerten von rund zehn Prozent nicht mehr weit entfernt liegt.

Von

deli

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