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08.12.2011

19:45 Uhr

Politik entsetzt

Bekennerschreiben nach Briefbombe gegen Ackermann

Josef Ackermann ist eine Reizfigur unter den Bankern wie kaum ein anderer. Doch der Versuch, einen Anschlag auf den Top-Banker zu verüben, hat die Politik wachgerüttelt. Jetzt gibt es ein Bekennerschreiben.

Ackermann-Anschlag

"Banker leben heute gefährlicher"

Ackermann-Anschlag: "Banker leben heute gefährlicher"

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Düsseldorf/FrankfurtItalienische Anarchisten haben sich zu einem versuchten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekannt. Ein Bekennerschreiben war von der linksextremistischen Gruppe Informelle Anarchistische Föderation (FAI) unterzeichnet, wie die Ermittlungsbehörden in Frankfurt am Donnerstag mitteilten. In dem am Mittwoch abgefangenen Umschlag befand sich demnach eine „funktionsfähige Briefbombe“. 

Das hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main erklärten am Donnerstagabend, in dem Umschlag sei ein „verstecktes, gerolltes und in italienischer Sprache verfasstes“ Bekennerschreiben entdeckt worden. In dem auf Italienisch verfassten Text übernahm die FAI die Verantwortung für den Anschlagsversuch.

Gemäß des Schreibens müsse davon ausgegangen werden, dass „noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. In dem Schreiben war demnach die Rede von insgesamt drei „Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“. Die Bundesanwaltschaft erklärte, sie werde prüfen, ob sie diesen Fall an sich ziehe.

Gefährliche Post - Anschläge mit Briefbomben

März 2011

Bei Briefbombenanschlägen auf Soldaten im italienischen Livorno und eine Pro-Atom-Organisation im Schweizer Kanton Solothurn werden drei Menschen verletzt. Eine weitere Briefbombe aus Italien geht im griechischen Hochsicherheitsgefängnis Korydallos bei Athen ein, wird aber entschärft. Italienische Anarchisten bekennen sich zu dem Anschlag auf das Gefängnis, auch die Tat in Livorno wird ihnen zugeschrieben.

Dezember 2010

In Rom lösen Paketbombenanschläge auf die Botschaften der Schweiz und Chiles Terroralarm aus. Zwei Menschen werden schwer verletzt. Zu den Taten bekennt sich wiederum eine italienische Anarchistengruppe. Wenige Tage später wird auch vor der griechischen Botschaft in Rom eine Paketbombe gefunden, die aber entschärft werden kann.

November 2010

Eine Serie von Briefbomben an Politiker in mehreren europäischen Ländern sorgt für Aufregung. Eine Sendung landet im Berliner Kanzleramt. Das an Angela Merkel adressierte Paket kann aber entschärft werden. Pakete mit Brandsätzen gehen auch an verschiedene Botschaften in Athen, darunter an die Vertretungen Deutschlands und der Schweiz. Griechische Linksextremisten bekennen sich zu der Serie.

Februar 2008

Bei der Explosion einer Paketbombe in München wird ein Mann schwer verletzt. Das Paket war an einen Autohändler adressiert. Die Hintergründe der Tat bleiben mysteriös.

Januar & Februar 2007

Ein Mann aus Cambridge verschickt sieben mit Nägeln und Glassplittern gefüllte Briefbomben an Verkehrsbehörden in England und Wales. Acht Menschen werden verletzt. Der Mann wollte nach eigenen Angaben gegen den „Überwachungsstaat“ protestieren.

Februar 2000

Der zu lebenslanger Haft verurteilte österreichische Bombenleger Franz Fuchs verübt im Gefängnis Selbstmord. Er hatte aus Fremdenhass von 1993 bis 1996 mit Rohr- und Briefbomben vier Menschen getötet und rund ein Dutzend verletzt. Prominentestes Opfer war Wiens damaliger Bürgermeister Helmut Zilk, dem eine Briefbombe eine Hand zerfetzte.

Mai 1998

Der als „Unabomber“ in den USA bekannte Paketbomben- Attentäter Theodore Kaczynski bekennt sich vor Gericht schuldig und erhält im Gegenzug lebenslange Haft statt der Todesstrafe. Er hatte über einen Zeitraum von 17 Jahren drei Menschen durch Bombenanschläge getötet und über 20 verletzt. Das Kürzel „Una“ steht für Universities und Airlines, wo die ersten Opfer beschäftigt waren.

Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte in Wiesbaden, es gebe noch keine konkreten Hinweise darauf, welche Ziele noch betroffen sein könnten. Es liege aber nahe, dass es sich um Finanzinstitute handeln könne.

Der an Ackermann persönlich adressierte Brief war am Mittwoch in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen und geröntgt worden. Nachdem sich dabei der Verdacht auf einen möglichen Sprengsatz erhärtet hatte, wurde die Polizei eingeschaltet.

Spezialisten des Hessischen LKA entschärften den Sprengsatz in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Polizei. Bei dem Umschlag handelte sich um ein Couvert im Format DIN C5.

Erste Untersuchungen ergaben, dass es sich zum eine zündfähige Bombe handelte. Der Sprecher des LKA Hessen, Udo Bühler, bezeichnete die Briefbombe im Sender N24 als „gefährlichen Sprengsatz“. Zur Zusammensetzung des Sprengsatzes wollten sich LKA und Staatsanwaltschaft „aus ermittlungstaktischen Gründen“ zunächst nicht äußern. Die Untersuchungen dauerten an, hieß es dazu.

Die FAI übernahm in den vergangenen Jahren schon mehrfach die Verantwortung für Attentate auf Politiker und Polizei. Immer wieder wurde die italienische Gruppe dabei in der Weihnachtszeit aktiv.

Kommentare (36)

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sterbende_demokratie

08.12.2011, 15:17 Uhr

Was jetzt noch fehlt in diesem Theater wäre das man das dem blöden braunen Pack auch noch andichten will...

Account gelöscht!

08.12.2011, 15:19 Uhr

Vllt. wurde der Brief auch planmäßig geschickt mit "Vorwarnung", um nun noch drastischere Maßnahmen bei der Sicherheit der "Poly-Ticker" und "Bankster" zu rechtfertigen. Ich glaube, dass die so langsam einfach Schiss bekommen, wenn man allein schon die drastischen Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Tagen bei der Bonner Afghanistan-Konferenz gesehen hat.
Ist nur ein "evtl.".

AntiAckermann

08.12.2011, 15:49 Uhr

naja. anschläge solcher arten gehen halt nur wie bei der raf auf privater infiltrationaler ebene. wenn ich der deutschen bank und ackermann wirklich schädigen will, schicke ich hunderte pakete mit getreideinhalt an seine adresse und ein paar fässer öl dazu. das würde eher ziehen, als ein dümmlicher anschlagsversuch.

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