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20.01.2014

17:13 Uhr

Politik reagiert auf Manipulationen

Seehofer erhebt neue Vorwürfe gegen ADAC

VonDietmar Neuerer

Die Manipulationen des ADAC beim Preis „Gelber Engel“ rufen die Politik auf den Plan. SPD, Grüne und Linke fordern Konsequenzen. CSU-Chef Seehofer erhebt neue Vorwürfe. Im Fokus dabei: Eine Maut-Studie des Autoclubs.

Die Deutschland-Zentrale des ADAC in München. Nach Manipulationsvorwürfen beim Autopreis "Gelber Engel" gerät der Konzern unter Druck. dpa

Die Deutschland-Zentrale des ADAC in München. Nach Manipulationsvorwürfen beim Autopreis "Gelber Engel" gerät der Konzern unter Druck.

BerlinNach den aufgedeckten Manipulationen rund um den ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ fordern Politiker von SPD und Grünen teilweise drastische Konsequenzen. Die CSU geht noch einen Schritt weiter und bringt neue Vorwürfe ins Spiel. Er sei von den aufgedeckten Manipulationen „nicht überrascht“, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert, sagte Parteichef Horst Seehofer in München. „Im Zusammenhang mit der Maut hab ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann.“

Die CSU habe immer andere Zahlen etwa zum voraussichtlichen Aufkommen aus der Maut gehabt. „Ich hab mich dann sehr gewundert, dass der Präsident des ADAC plötzlich eine Mineralölsteuererhöhung für alle vorschlägt“, sagte der bayerische Ministerpräsident. „Das waren meine Punkte, wo ich mir gesagt habe, irgendwas kann da nicht stimmen.“

Hintergrund ist Maut-Studie des ADAC. Der Autoclub war darin zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Seehofer und seine CSU "bei ihren Maut-Plänen grob verrechnet" hätten. Die Maut würde dem Staat brutto rund drei Milliarden Euro Einnahmen bringen, teilte der ADAC im November mit.

Chronologie: Der ADAC zu den Vorwürfen

13. Januar 2014

Der VW-Golf ist nach einer ADAC-Umfrage das Lieblingsauto der Deutschen. Die Leser der „ADAC Motorwelt“ wählten den Kompaktwagen zu ihrem Favoriten. Der Golf habe sich in der Abstimmung mit großem Vorsprung gegen andere Autos durchgesetzt. Das Magazin hatte den knapp 19 Millionen Vereinsmitgliedern Fahrzeuge aller Klassen zur Wahl gestellt.

14. Januar 2014

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über Manipulationen bei der Wahl: Demnach soll es nur 3409 Stimmen für das Siegerauto gegeben haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als Ergebnis für den Gewinner des „Gelben Engels“ 34.299 Stimmen genannt. Der Autoclub weist den Vorwurf zurück, will aber keine Zahlen nennen.

16. Januar 2014

Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem „Gelben Engel“ in München spricht der Vorsitzende der ADAC-Geschäftsführung Karl Obermair von „Unterstellungen und Unwahrheiten“. Nichts sei älter als die Tageszeitung von gestern: „Mit der packt man den Fisch ein.“ Wie viele Leser sich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilt der Verein aber weiter nicht mit.

18. Januar 2014

Der ADAC will künftig die Auswertung der Umfrage für den „Gelber Engel“-Preis extern vergeben. Das kündigte der Kommunikationschef des Automobil-Clubs und „Motorwelt“-Chefredakteur Michael Ramstetter in der Zeitung „Euro am Sonntag“ an. Zur Frage, wie viele Teilnehmer bei den Abstimmungen mitmachen, wolle der ADAC aber auch in Zukunft keine konkreten Zahlen nennen.

19. Januar 2014

Der ADAC räumt nun die Manipulationen ein. Die Zahl der abgegebenen Stimmen sei in der Preiskategorie Lieblingsauto der Deutschen „geschönt“ worden, teilt der Automobil-Club mit. Ramstetter habe eingeräumt, die Zahl der Stimmen bei diesem Preis manipuliert zu haben. Er übernehme dafür „die alleinige persönliche Verantwortung“ und habe alle Funktionen beim ADAC niedergelegt.

Da die deutschen Autofahrer nach den CSU-Plänen aber in der Kfz-Steuer entlastet werden sollen, würden nur noch 262 Millionen der Einnahmen übrig bleiben. Es würden aber noch rund 300 Millionen Euro für die Erhebung und Verwaltung der Vignetten gebraucht. "Ich hoffe, dass diese Zahlen endlich auch dem letzten Anhänger einer Maut für Ausländer die Augen öffnen. Unabhängig davon, dass diese Maut-Variante nach EU-Recht nicht möglich ist, bringt sie nichts, sondern kostet nur", hatte ADAC-Präsident Peter Meyer damals erklärt.

Maut-Befürworter wie die CSU stützen sich dagegen auf eine Studie, die für eine gestaffelte Vignette von zehn Euro (für zehn Tage) bis zu hundert Euro (für ein Jahr) über vier Milliarden Euro prognostiziert. Allerdings ist auch dieses Gutachten umstritten, nicht zuletzt, weil es von der Maut-Betreiberfirma Ages stammt.

Dessen ungeachtet sieht sich die CSU nun gegenüber dem ADAC in einer günstigeren Position. Unabhängig von der Maut-Frage forderte Seehofer eine Prüfung der Vorgänge bei dem Automobilclub. „Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung“, sagte Seehofer mit Blick auf die Preis-Manipulationen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, es sei nun seitens des ADAC „dringend geboten“, Offenheit an den Tag zu legen. „Da geht natürlich Vertrauen verloren bei solchen Vorgängen. Und das kann man nur zurückgewinnen, wenn man die Karten auf den Tisch legt, offen kommuniziert.“ Zudem sei schon grundsätzlich anzumerken, dass auch bei großen Verbänden „ein bisschen Bescheidenheit im Auftreten manchmal guttäte“.

Das Verbraucherministerium betonte, dass vor allem die Mitglieder Anspruch auf „transparente Strukturen“ hätten. „Beim ADAC ist es so, dass er ganz besonders von dem Vertrauen seiner Mitglieder lebt und deswegen höchstselbst ein eigenes Interesse daran haben wird, alles was passiert sein sollte, aufzuklären und aufzuarbeiten“, sagte ein Sprecher. Dies finde im Moment originär beim ADAC statt.

Kommentare (15)

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Ratlos

20.01.2014, 12:58 Uhr

Der ADAC -ein Verein- muß sein Geschäftsmodell offen legen. Gefordert werden muß, finanzielle Transparenz, organisatorische Transparenz - dies bezieht vorallen Dingen auf die Bewertungen, die Außenstehende für Kaufentscheidungen heranziehen.

Tibatong

20.01.2014, 13:15 Uhr

Genau Horst, alles offenlegen. Auch die Schwächen der bayrischen Marken BMW + Audi im Vergleich zu z.b. Lexus. Beispiel: ADAC-Pannstatistik. Dort werden KFZ nicht erfasst welche vom Hauseigenen Abschleppdienst repariert und abgeholt werden. Und plötzlich waren die Deutschen Fahrzeuge den japanischen wieder überlegen laut ADAC. Auf meine Mailanfrage wurde dies auch so beantwortet, halt nur nicht öffentlich kommuniziert. Wetten dass Horst wieder zurückrudert, sobald der ADAC die Qualitätsmängel von Audi wahrheitsgemäß offenlegen würde. Dann ginge man wieder brav Hand-in-Hand zum Nutzen der bayrischen Autoindustrie...

FreiFahrt4Ever

20.01.2014, 14:12 Uhr

Der ganze Vorstand muss zurücktreten. Seehofer hat Recht, insb. in der Mautdiskussion hat die ADAC Führungsriege sich mit einer etwas sehr seltsamen Meinung in Stellung gebracht. Die ist weder im Interesse der ADAC Mitglieder noch der deutschen Steuerzahler. Von wem wurde die ADAC Führung in dieser Sache gelenkt? Viele Fragen, und vermutlich noch mehr Club-Austritte in den nächsten Tagen ...

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